«Lettland ist derzeit eindeutig das Hauptzielland», sagte Pujats mit Blick auf die Zahl an Migranten, die zuletzt in Polen und Litauen an der Grenze zum autoritär regierten Belarus aufgegriffen wurden. So hätten an manchen Tagen teils mehr als 200 illegale Grenzgänger versucht, irregulär nach Lettland einzureisen. In den Nachbarländern dagegen liegen die Zahlen nach offiziellen Angaben deutlich niedriger - in Litauen wurden im gesamten Jahr bislang 900 Migranten abgehalten, in Polen kam es zuletzt nur noch zu wenigen Versuchen.

Auch sei eine deutlich höhere Aggressivität festzustellen, so Pujats. «Wir müssen spezielle Ausrüstung, Waffen und Warnschüsse einsetzen, um illegale Grenzübertritte zu verhindern. Grenzübertreter haben ein Fahrzeug des Grenzschutzes gerammt, und auch Grenzbeamte wurden bei der Verfolgung der Grenzübertreter in Unfälle verwickelt», sagte der Grenzschutz-Chef. Auch die Zahl an beteiligten Schleusern habe zugenommen. Viele Migranten, die über Belarus irregulär in die EU einreisen wollen, haben Deutschland als Ziel.

Nicht alle irregulären Grenzgänger können gestoppt werden

Pujats räumte ein, dass nicht alle Versuche verhindert und rund 10 Prozent der Grenzübertreter nicht in Grenznähe gestoppt werden könnten. Dies erfordere weitere Ermittlungen innerhalb Lettlands sowie eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit den Nachbarländern. Der Grenzschutz-Chef forderte zudem mehr Unterstützung an der Grenze durch die lettische Armee.

Lettland grenzt im Osten auf einer Länge von rund 172 Kilometern an Russlands engen Verbündeten Belarus. Der Ostseestaat beschuldigt - wie auch Polen und Litauen - den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko, in organisierter Form Migranten an die EU-Aussengrenze zu bringen, um Druck auf den Westen auszuüben. Alle drei Länder haben deshalb bereits den Schutz der Grenze verstärkt, einen Grenzzaun errichtet und die Kontrollen verschärft./awe/DP/mis

(AWP)