«Aufgrund der aktuellen volatilen Situation in Verbindung mit den Auswirkungen auf den Ölpreis wurde die 'International Surcharge' entsprechend angepasst», erklärte ein Swiss-Sprecher am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP. Zuvor hatte das Onlineportal «Nau» darüber berichtet.

«Mit der 'International Surcharge' kompensieren die Fluggesellschaften der Lufthansa Group - und damit auch wir als Swiss - einen Teil der nicht beeinflussbaren Gebühren und Kosten. Treibstoff bildet dabei eine Position dieses Zuschlags», sagte der Swiss-Sprecher weiter.

Kerosinpreise explodiert

Die Preise für Flugtreibstoff haben sich im vergangenen Monat mehr als verdoppelt: Ein Fass Flugtreibstoff (159 Liter) kostet diese Woche im Schnitt in Europa 214,70 US-Dollar, wie aus der Statistik des Airline-Weltverbands IATA hervorgeht. Damit haben die Kerosinpreise deutlich mehr aufgeschlagen als das Erdöl. Dieses hat sich im vergangenen Monat «lediglich» um 50 Prozent verteuert.

Zudem ist Flugtreibstoff in Europa teurer als in anderen Weltregionen. So kostet ein Fass Kerosin in Nordamerika lediglich 179 Dollar. Preise von über 200 Dollar pro Fass werden nur in Afrika und in Asien verlangt.

Aufschlag je nach Strecke unterschiedlich

Bei der Edelweiss hiess es, dass der Aufschlag je nach Strecke variiere. «Wir beobachten die Entwicklung der Treibstoffpreise sowie die Marktsituation kontinuierlich. Ob und in welcher Form sich daraus mögliche weitere Anpassungen ergeben, hängt von verschiedenen Faktoren ab und kann derzeit nicht konkret prognostiziert werden», sagte ein Sprecher.

Zu allfälligem Treibstoffmangel erklärte die Swiss, dass die Versorgung mit Flugtreibstoff am Drehkreuz in Zürich sichergestellt sei. «Auch an unseren Destinationen sehen wir derzeit keine konkreten Einschränkungen für den Flugbetrieb. Wir beobachten die Entwicklung der Lage jedoch sehr aufmerksam - vor allem in Asien», sagte der Swiss-Sprecher.

Sollte es zu Engpässen in der Versorgung kommen, erwarten sie die Swiss dort am ehesten. Der Grund sei, dass in Asien eine starke Abhängigkeit von Produkten aus dem Persischen Golf und aus China bestehe, sagte der Sprecher.

Dies ist brisant. Denn die Swiss hatte in den letzten Tagen ihre Flugverbindungen nach Asien ausgebaut. Bis Ende Mai verdoppelt sie die Anzahl ihrer Flüge zwischen Zürich und Delhi. Grund dafür ist die markant gestiegene Nachfrage, weil die Flugdrehkreuze in der Golfregion durch den Krieg nur noch im Minimalbetrieb sind.

«Aktuell sind mit Blick auf die Kerosinversorgung keine Anpassungen unseres Flugprogramms geplant, auch nicht auf unseren Verbindungen nach Südostasien», erklärte der Swiss-Sprecher weiter. «Die Versorgung ist derzeit gewährleistet.» Gleichzeitig sei die Lage dynamisch und könne sich kurzfristig verändern. «Wir treffen innerhalb der Lufthansa Group die notwendigen Vorkehrungen, um bei Bedarf schnell und gezielt reagieren zu können.»

Preisschock kommt mit Verzögerung

Bislang schlägt der Preisschock beim Treibstoff bei der Swiss und der Edelweiss noch nicht voll durch. Denn die Lufthansa-Gruppe kauft rund 85 Prozent ihres Treibstoffs sechs Monate im Voraus ein, um sich gegen plötzliche Schwankungen abzusichern. Die derzeitige Preisexplosion wird sich also erst mit einigen Monaten Verzögerung in der Tankrechnung niederschlagen.

Im vergangenen Jahr hatte die Swiss rund 1 Milliarde Franken für Treibstoff bezahlt. Damit war die Tankrechnung der grösste einzelne Kostenblock der Fluggesellschaft, wie Finanzchef Dennis Weber vor drei Wochen im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP gesagt hatte.

Und dabei hatte die Swiss letztes Jahr noch vom Rückgang der Treibstoffpreise profitiert. Dies dürfte in diesem Jahr massiv anders aussehen. Bleiben die Preise auf dem jetzigen Niveau, wird das mit mindestens einem dreistelligen Millionen-Betrag auf die Ergebnisse schlagen.

jb/cg

(AWP)