Bei den Explosionen am Vormittag (Ortszeit) waren nach Angaben des Innenministeriums zwei Sprengsätze in der Nähe des Tourismusministeriums explodiert. Einer sei an einem abgestellten Auto und der zweite in einem Müllcontainer versteckt worden.
Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte war die zweite, stärkere Detonation in der Nähe des Hotels, in dem Macron nach Angaben der Beobachtungsstelle untergebracht wurde, zu hören. Vom Innenministerium hiess es, der Explosionsort habe ausserhalb des Sicherheitsbereichs der Unterkunft des französischen Präsidenten gelegen und keine direkte Gefahr für die Unterkunft oder das laufende Besuchsprogramm dargestellt.
Élysée-Palast: Besuch wird fortgesetzt
Macron war am Montagabend in Damaskus eingetroffen. Er ist der erste Staatschef der Europäischen Union, der das Land seit Ende des syrischen Bürgerkriegs besucht. In Damaskus kam er unter anderem mit Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa sowie Vertretern der Zivilgesellschaft zusammen und nahm an einem Wirtschaftsforum zum Wiederaufbau Syriens teil.
Laut Syriens staatlicher Nachrichtenagentur Sana wurde dabei ein umfassendes Paket aus Absichtserklärungen, Memoranden und Abkommen zwischen Frankreich und Syrien unterzeichnet. Ausserdem sei eine Absichtserklärung zur Rückführung von Vermögenswerten des ehemaligen Vize-Präsidenten und Onkels von Ex-Machthaber Baschar al-Assad, Rifaat al-Assad, unterzeichnet worden.
Der Élysée-Palast erklärte nach Bekanntwerden der Explosionen, Macron befinde sich im Präsidentenpalast, wo Gespräche mit Delegationen beider Länder liefen. Der Besuch werde trotz der Explosionen planmässig fortgesetzt. Macron erklärte auf der Plattform X zudem, er wolle Frankreichs Engagement für das syrische Volk zeigen und ein neues Kapitel der Stabilität und des Friedens aufschlagen.
Französische Dschihadisten als Drahtzieher?
Die Hintergründe des Vorfalls blieben zunächst unklar. Das syrische Innenministerium erklärte, die Ermittlungen dauerten an, um diese aufzuklären und die Verantwortlichen zu identifizieren.
Nach Einschätzung des Leiters der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel-Rahman, könnten französische Dschihadisten, die weiterhin über eine Basis im Nordwesten des Landes verfügten, hinter dem Vorfall stehen. Sie stünden im Konflikt mit Syriens Übergangspräsident al-Scharaa, der sie zum Verlassen des Landes aufgefordert habe, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
Auch andere Syrien-Beobachter sehen den Vorfall im Zusammenhang mit der wachsenden Konfrontation zwischen der Übergangsregierung von al-Scharaa und ausländischen Dschihadisten. Im Fokus steht dabei die überwiegend französischsprachige Dschihadistengruppe Firkat al-Ghuraba, die Berichten zufolge nach einem versuchten Zugriff der syrischen Sicherheitskräfte auf ihren Anführer wegen mutmasslicher Straftaten mit den Behörden aneinandergeraten ist.
Zuvor bereits Explosionen in Damaskus
Bereits vor wenigen Tagen hatte es in Damaskus eine Explosion gegeben. Dabei wurden nach staatlichen Angaben mindestens sechs Menschen getötet und 22 weitere verletzt. Ein improvisierter Sprengsatz war nach Angaben des Innenministeriums in einem Café nahe dem Justizpalast im Zentrum explodiert. Unter den Todesopfern waren mehrere Anwälte. Auch hier sind die Hintergründe weiter unklar. Beobachter vermuteten, dass Anhänger der gestürzten Assad-Regierung hinter dem mutmasslichen Anschlag stecken könnten.
Frankreich hatte nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Baschar al-Assad Ende 2024 die Beziehungen zu Damaskus wieder aufgenommen. Macron setzt sich für Unterstützung beim Wiederaufbau Syriens ein, fordert dafür aber auch politische Bedingungen. Die von al-Scharaa angeführte Islamistengruppe HTS hatte Assad nach fast 14 Jahren Bürgerkrieg gestürzt. Syrien erhofft sich von der Annäherung an Frankreich unter anderem Hilfe beim Wiederaufbau und Investitionen für die wirtschaftliche Erholung./arj/DP/mis
(AWP)
