Per Mitte April seien bereits acht Zusagen gemacht worden an ehemalige Lernende von Melectronics, die nun ihre Berufslehre in den Betrieben von Interdiscount fortsetzen, teilte Interdiscount am Dienstag mit. Man könne zudem noch weitere Ausbildungsplätze anbieten. Derzeit werde dies «mit den zuständigen Behörden und der Migros» geprüft, heisst es.
Man wolle «möglichst vielen Lernenden von Melectronics» die Möglichkeit geben, ihre Ausbildung in Interdiscount-Filialen fortzusetzen, wird Personalchef Christian Rohr in der Mitteilung zitiert. Die Coop-Tochter bezeichnet sich selbst als «grössten Lehrbetrieb der Consumer-Electronics-Branche» in der Schweiz. Es bildet laut eigenen Angaben aktuell 302 Lernende in fünf Berufen aus. Mehr als 70 Prozent der frisch Ausgebildeten würden zudem nach ihrem Lehrabschluss weiterbeschäftigt.
Schliessung schon im Vorjahr beschlossen
Die Migros hat im Februar angekündigt, dass sie mehrere Töchter, darunter nebst dem Fachmarkt Melectronics auch den Sportfachhändler SportX, die Reisebürotochter Hotelplan sowie den Kosmetikhersteller Mibelle, verkaufen will. Dadurch kann es auch zum Abbau von bis zu 1500 Stellen kommen. Die Migros-Führung gab jedoch an, möglichst wenige Kündigungen aussprechen zu wollen und Mitarbeitende teils intern versetzen zu wollen.
Die nun betroffenen Lernenden begannen ihre Lehre jedoch in einer derjenigen Filialen, deren Schliessung bereits im Juni 2023 und damit vor dem Verkaufsentscheid beschlossen worden war, erklärt eine Migros-Sprecherin auf Anfrage. «Diese Standorte sind deshalb nicht Teil der Verhandlungen um den Melectronics-Verkauf», sagte sie.
Die Migros-Gruppe besitzt aber keine andere Elektroniktochter, bei der die Lehrlinge und Lehrtöchter in ihrer angestammten Branche weiter ihre Berufsausbildung fortsetzen könnten. Denn Digitec Galaxus beispielsweise führt keine stationären Filialen. «Es ist uns ein grosses Anliegen, für die Mitarbeitenden bestmögliche Lösungen zu finden, und wir freuen uns über die Anschlusslösung mit Interdiscount», so die Sprecherin.
«Gut unterwegs» mit Verkaufsplänen
Doch wie es mit dem Rest der insgesamt 175 Lernenden weitergeht, die in den noch operativen Filialen von Melectronics den Beruf Detailhandelsfachmann bzw. -fachfrau oder Detailhandelsassistent oder -assistentin erlernen, dürfte sich erst mit dem Verkaufsentscheid im Sommer entscheiden. Man sei «bestrebt, für möglichst alle Mitarbeitenden eine Lösung innerhalb oder ausserhalb der Migros-Gruppe zu finden», ergänzte die Sprecherin.
Sollte die Ausbildung weiterer Jugendlicher in Gefahr geraten, steht Coop erneut bereit. «Wir sind mit der Migros in Kontakt und könnten uns gut vorstellen, die Übernahme von weiteren Lernenden für andere Unternehmen von Coop zu prüfen», so ein Sprecher.
tv/uh
(AWP)