Die betroffenen Standorte liegen in Thüringen, Hessen und Bayern. Sie sollen nach Abschluss der Transaktion schrittweise in das hybride Tante-Enso-Konzept überführt werden. Die Transaktion steht noch unter Vorbehalt der Zustimmung durch die deutschen Wettbewerbsbehörden.

«Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben mit viel Engagement diese Märkte betrieben und bekommen durch Tante Enso eine Perspektive für ihre weitere Zukunft», sagte Thomas Gutberlet, Geschäftsführer und Gesellschafter von Tante Enso. Er war bis 2024 Geschäftsführer von Tegut.

Mit dem Verkauf setzt die Migros ihren Rückzug aus dem deutschen Detailhandel um. Die Zürcher Migros-Genossenschaft hatte im März bei der defizitären Tochter Tegut mit rund 7500 Beschäftigten die Reissleine gezogen und angekündigt, die rund 340 Filialen veräussern zu wollen. Der Rückzug kostete die Migros Zürich allein 2025 rund 270 Millionen Euro. Insgesamt dürften sich die Verluste seit der Übernahme von Tegut im Jahr 2013 bis zum Verkauf auf maximal 600 Millionen Euro belaufen.

Neben Tante Enso zeigten auch andere Händler Interesse an Tegut-Läden: So will der grösste deutsche Lebensmittelhändler Edeka einen grossen Teil der Filialen übernehmen, während der Konkurrent Rewe ebenfalls Standorte erwerben möchte. Auch Aldi Nord prüft einzelne Übernahmen.

Noch ist die Migros nicht am Ziel: Weitere Verhandlungen zum Verkauf von Läden seien noch am Laufen, sagte eine Sprecherin von Migros Zürich der Nachrichtenagentur AWP am Montag auf Anfrage. Unklar bleibt, wie viele Standorte im Zuge der laufenden Verkaufsprozesse langfristig weitergeführt werden.

Tante Enso betreibt derzeit knapp 90 weitgehend automatisierte Kleinläden in Deutschland, vor allem in strukturschwachen Regionen. Sie kombinieren rund um die Uhr zugängliche Mini-Supermärkte mit zeitweise besetzten Verkaufsphasen. Das Unternehmen setzt auf ein genossenschaftlich geprägtes Modell mit lokaler Beteiligung der Bevölkerung.

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(AWP)