Lichatschow betonte, dass «dieses Spiel mit dem Feuer» vor allem für Osteuropa gefährlich werden könne. Daher sollte sich Europa bemühen und seine Kräfte bündeln, um die Lage rund um das AKW zu deeskalieren. Lichatschow wies darauf hin, dass sich auf dem Gelände des Kraftwerks rund 2.600 Tonnen nukleares Brennmaterial befinde. «Und natürlich entstehen im Falle eines gezielten Treffers, insbesondere in Lagern für Kernbrennstoff, Risiken von regionaler Tragweite», sagte er.

Grösstes Atomkraftwerk Europas

Angesichts wiederholter ukrainischer Angriffe auf das Umfeld des Kernkraftwerks erklärte Lichatschow, dass auch die soziale Infrastruktur Bestandteil des Sicherheitssystems des AKW sei. Daher wären Angriffe etwa auf Bushaltestellen, Transportmittel oder Kindergärten «eine Eskalation der Lage bis hin zur Katastrophe». Erst am Vortag waren nach russischer Darstellung bei einem ukrainischen Artillerieangriff auf das AKW mehrere Busse in einer Fahrzeughalle zerstört oder beschädigt worden.

Das mit sechs Reaktoren und einer Nennleistung von 6.000 Megawatt grösste Atomkraftwerk Europas steht seit März 2022 unter russischer Kontrolle. Es produziert derzeit keinen Strom. Mehrere ukrainische Rückeroberungsversuche scheiterten. Ein Team der internationalen Atombehörde IAEA ist ständig vor Ort, um die Lage zu beobachten und durch seine Präsenz einen Atomunfall zu verhindern./cha/DP/jha

(AWP)