«Möglich wurde das auch, weil wir die Grossschadenslage ausgerufen und damit die notwendigen Kräfte und Abläufe gebündelt haben», so Wegner weiter. «Es war richtig, parallel an zwei Standorten zu arbeiten - so konnten die Reparaturen schliesslich am Anschlagsort erfolgreich abgeschlossen werden.»

Notstromaggregate abschalten

Die Behörden riefen die betroffenen Menschen im Südwesten dringend auf, bis spätestens 10.30 Uhr private Notstromaggregate abzuschalten, um die Stromversorgung insgesamt gewährleisten zu können. Elektrogeräte sollten vom Netz getrennt werden. Während der Wiederanschaltung könne es zu kurzzeitigen Stromunterbrechungen kommen, hiess es weiter. Auch in Warnapps wurde darauf hingewiesen.

100.000 Menschen zwischenzeitlich ohne Strom

Nach dem Brandanschlag an einer Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, zu dem sich eine linksextremistische Gruppierung bekannte, waren am Samstagmorgen im Südwesten Berlins zunächst 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen ohne Strom. Nach Angaben Wegners waren insgesamt rund 100.000 Menschen von dem Blackout betroffen. Nachdem in den letzten Tagen ein Teil der Betroffenen wieder angeschlossen wurde, waren zuletzt laut Stromnetz Berlin noch 19.900 Haushalte und 850 Gewerbebetriebe ohne Strom.

Der Stromausfall war den Angaben zufolge der längste der Nachkriegsgeschichte in der Hauptstadt. Fachleute des landeseigenen Netzbetreibers Stromnetz Berlin und von ausserhalb arbeiteten seit Samstag fieberhaft an zwei Stellen an zwei verschiedenen Varianten, um die Versorgung wieder herzustellen. Die Rede war von sehr komplizierten Arbeiten.

Erst im vergangenen September hatte es nach einem Brandanschlag im Südosten der Stadt zu einem rund 60-stündigen Blackout geführt. Damals waren zunächst rund 50.000 Stromkunden von dem Störfall betroffen.

Grossschadenslage ausgerufen

Nach dem neuen Brandanschlag hatte Berlin am Sonntag eine sogenannte Grossschadenslage ausgerufen - auch um bei der Bewältigung der Folgen schneller Hilfe vom Bund anfordern zu können. Unter anderem war die Bundeswehr vor Ort, um bei der Betankung von Notstromaggregaten oder der Versorgung von Menschen mit warmem Essen zu helfen.

Dank Notstromaggregaten öffneten etliche Supermärkte bereits ab Montag wieder. Auch Handys hatten vielfach wieder Netz, weil zahlreiche Mobilfunkmasten wieder in Betrieb waren. In Notunterkünften und anderen Anlaufstellen konnten sich Menschen aufwärmen, Handys laden, etwa trinken und essen.

Täter wohl aus dem linksextremem Spektrum

Bei den Ermittlungen zu den Tätern gibt es noch keine Ergebnisse. Die Polizei sprach von sehr umfangreicher Tatortarbeit. Die sogenannten «Vulkangruppen», die sich zu dem Anschlag in einem von Berlins Innenverwaltung als authentisch eingestuften Schreiben bekannten, sind den Ermittlern bereits länger bekannt. Sie griffen mutmasslich schon mehrfach etwa Bahnanlagen oder das Stromnetz an.

Inzwischen berichteten mehrere Medien über ein zweites Bekennerschreiben der mutmasslichen Täter. Vonseiten der Ermittler gab es zunächst keine Bestätigung dazu. In dem Schreiben wurden die Spekulationen rund um eine Beteiligung ausländischer Akteure zurückgewiesen. Zuletzt kursierte in sozialen Medien die These, Russland könne hinter dem Anschlag stecken.

Bundesanwaltschaft ermittelt

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe übernahm inzwischen die Ermittlungen. Aus Sicht der obersten deutschen Strafverfolgungsbehörde besteht der Verdacht auf verfassungsfeindliche Sabotage, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Brandstiftung und Störung öffentlicher Betriebe.

Politik spricht von Terrorismus

Wegner und Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) stufen den Anschlag als Terrorismus beziehungsweise «Linksterrorismus» ein. Die Täter hätten bewusst und wissentlich in Kauf genommen, dass Menschen zu Schaden kämen. Auch CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann sagte im «Frühstart» von RTL und ntv: «Das ist Terror. Das ist Linksextremismus.»/kr/mvk/sak/DP/nas

(AWP)