«Sicher ist, dass das Ereignis weltweit für Medienaufmerksamkeit gesorgt und der Schweiz eine hohe Sichtbarkeit verschafft hat», sagt Edelmann im Interview mit Keystone-SDA. Das Monitoring der grossen internationalen Medien durch Präsenz Schweiz habe gezeigt, dass das Medienvolumen im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe den letzten grossen Negativ-Höhepunkt, nämlich die Affäre rund um den Untergang der Credit Suisse, bei weitem übertroffen hat.

«Dies lässt sich zweifellos durch eine Reihe von Faktoren erklären. Neben der Zahl der Todesopfer spielt auch die symbolische Seite eine Rolle, da diese jungen Menschen beim Feiern des neuen Jahres ums Leben kamen, und das ausgerechnet in der Schweiz, die für ihre Zuverlässigkeit bekannt ist», so der Direktor von Präsenz Schweiz.

Im Laufe der vergangenen zwei Monaten habe sich die weltweite Berichterstattung reduziert. Sie konzentriere sich nun auf diejenigen Länder, die direkt von der Brandkatastrophe betroffen sind, bei der 41 Menschen ums Leben kamen und 115 verletzt wurden. Ausserhalb der Schweiz sind es denn auch Frankreich und Italien die Länder, in denen die Medienaufmerksamkeit am grössten bleibt.

Insbesondere in Italien wurde der Brand, der als nationale Katastrophe empfunden wird, sehr schnell zu einem politischen Thema mit einer kritischeren Berichterstattung in den Medien. Die Schweiz und Italien stehen derweil im Dialog, es gibt keinen Kontaktabbruch. Edelmann weist beispielsweise darauf hin, dass die drei Schweizer Häuser bei den unlängst zu Ende gegangenen Olympischen Spielen in Mailand-Cortina nicht unter einem Boykott gelitten haben und mit rund 90'000 Besuchen erfolgreich waren.

Tourismus bleibt vorerst verschont

Was messbare Indikatoren angeht, hat der Schweizer Tourismus bislang keine massiven Stornierungen zu verzeichnen, ausser in Crans-Montana selbst, was logisch sei, merkt der aus Gruyère stammende Edelmann an. «Man kann also davon ausgehen, dass es keinen unmittelbaren und automatischen Imageschaden für die Schweiz gibt. Auch langfristig kann man daran zweifeln.»

Laut Edelmann ist es jedoch möglich, dass in den am stärksten von der Brandkatastrophe betroffenen Staaten die Wahrnehmung der Schweiz als absolut sicherer Ort, an dem alle Regeln eingehalten werden, Schaden nimmt. «Das hängt jedoch stark davon ab, wie die Justiz urteilen wird.» Auch politische Äusserungen spielten eine Rolle für die Wahrnehmung im Ausland.

Mehr noch als die Schweiz werde das Image der Gemeinde Crans-Montana sicherlich noch eine Weile mit der Katastrophe in Verbindung gebracht werden, auch wenn schwer zu sagen sei, wie sich dies auswirken werde. «Aber das ist auch nicht das Ende des Ferienorts», sagt Edelmann.

Proaktive Kommunikation gefordert

Solche Veränderungen in der Wahrnehmung seien langsame Prozesse. «Wir werden in den nächsten Monaten sehen, ob es konkrete Auswirkungen gibt, sei es auf wirtschaftlicher oder diplomatischer Ebene», so der seit 2013 für Präsenz Schweiz tätige Edelmann. So müsse beispielsweise beobachtet werden, ob der Kauf von Schweizer Produkten oder der Tourismus in der Schweiz zurückgehen.

Präsenz Schweiz führt alle zwei Jahre Image-Studien im Ausland durch. Die nächste wird Ende 2026 veröffentlicht. «Dann werden wir sehen, ob sich die Wahrnehmung der Schweiz verändert hat», sagt Edelmann. Er rechnet jedoch nicht damit, dass dies auf globaler Ebene der Fall sein wird, gerade aufgrund der Entfernung vieler Länder zum Geschehen.

Derzeit hat Präsenz Schweiz daher keine spezifischen Verfahren oder Massnahmen eingeleitet. «Sollte sich herausstellen, dass das Image der Schweiz gelitten hat, würden wir die Möglichkeit prüfen, gezielte Massnahmen in den betroffenen Regionen zu ergreifen.» Der Direktor der Förderorganisation erwähnt beispielsweise Pressebesuche in der Schweiz, um die Sicherheit in den Skigebieten zu präsentieren. Letztendlich werde jedoch der Kontext entscheiden.

Zunächst einmal sei es nun an der Justiz und der Politik, dafür zu sorgen, dass sich eine solche Katastrophe nicht wiederholt. Die Schweiz müsse vorerst vor allem informieren, Fragen beantworten und den Kontext erläutern. «Zeigen, dass die Behörden handeln und ebenfalls zu einem positiven Image des Landes beitragen», schliesst Edelmann.

(AWP)