Zuvor hatte schon Honduras auf die Dienste von rund 170 entsandten kubanischen Ärzten verzichtet. Auf Jamaika befinden sich derzeit mehr als 280 kubanische Ärzte, wie Tufton vor dem Finanzausschuss des Parlaments angab. Die jamaikanische Regierung sei bereit, nun direkt mit ihnen Einzelverträge zu schliessen. Laut dem jamaikanischen Aussenministerium hatten sich beide Länder nach dem Ablauf des vorherigen Abkommens 2023 nicht auf neue Bedingungen einigen können, wie die Zeitung «The Gleaner» aus einer Mitteilung zitierte.
Derzeit werden solche Kooperationsverträge mit der kubanischen Regierung geschlossen, die den Grossteil der Zahlungen einbehält - die Ärzte erhalten nur einen kleinen Teil davon als Gehalt. Washington nennt dies eine Form des Menschenhandels. Im Februar kündigte das US-Aussenministerium Visabeschränkungen für kubanische und ausländische Beamte an, die «kubanische Arbeitskräfte ausbeuten».
Havanna bedauerte die Entscheidung Jamaikas, die langjährige Zusammenarbeit zu beenden. «Mit dieser Massnahme gibt die jamaikanische Regierung dem Druck der US-Regierung nach, die sich nicht um die Gesundheitsbedürfnisse ihrer karibischen Brüder kümmert», hiess es in einer Mitteilung des kubanischen Aussenministeriums. Die entsandten Mediziner würden nach Kuba zurückkehren.
Laut dem US-Aussenministerium nimmt Kuba jährlich rund sechs bis acht Milliarden US-Dollar (rund 5 bis 6,8 Milliarden Euro) mit dem Export von Dienstleistungen ein, hauptsächlich durch die Vermietung medizinischen Personals. Kubanische Ärzte und Pfleger sind in rund 60 Ländern im Einsatz, oft in abgelegenen Regionen. Viele Länder Lateinamerikas und auch Afrikas sind darauf angewiesen.
Die Beziehungen zwischen Havanna und Washington sind seit Jahrzehnten angespannt. Nun übt Washington erhöhten Druck auf die sozialistische Karibikinsel aus. Die US-Regierung will den Zufluss von Devisen und Öl, von dem die kommunistische Regierung profitieren soll, grundsätzlich stoppen. US-Präsident Donald Trump prophezeite Kuba einen baldigen Zusammenbruch: «Kuba wird sehr bald fallen», sagte er. Aktuell steckt die Insel in einer ihrer schwersten Wirtschaftskrisen seit der Revolution von Fidel Castro 1959./aso/DP/zb
(AWP)
