Digitale Finanzdienstleister seien innerhalb weniger Jahre von einem Nischensegment zu einer tragenden Säule neben den klassischen Kreditinstituten geworden. Ihr Anteil an allen Verdachtsmeldungen sei von 13 auf 29 Prozent gestiegen, teilte die FIU in ihrem Jahresbericht mit. Die Dienstleister zeichnen sich den Angaben zufolge durch eine weitgehend digitalisierte Kundenbeziehung, schnellere Kontoeröffnungen sowie eine oft grenzüberschreitende Ausrichtung aus.

Die FIU ist eine beim Zoll angesiedelte Behörde mit Sitz in Köln. Datenwissenschaftler, Juristen und Ermittler untersuchen dort verdächtige Geldströme. Ziel ist, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu verhindern. Dazu wertet die Behörde Verdachtsmeldungen nach dem Geldwäschegesetz aus. Die FIU beschäftigt 587 Menschen.

Mehr als 300 Millionen Euro Schaden durch Fake-Abo-Betrüger

2025 verzeichnete die Behörde einen der grössten je aufgedeckten Fälle von Kreditkartenbetrug in Deutschland: die «Operation Chargeback». Kriminelle Netzwerke schufen laut FIU zwischen 2016 und 2021 rund 19 Millionen fingierte Online-Abonnements für Erwachsenenunterhaltung, Dating-Plattformen und Streaming-Dienste. Die monatlichen Abbuchungen lagen bei bis zu 50 Euro. Viele Karteninhaber bemerkten dies nicht sofort oder ordneten es einem vergessenen Abonnement zu.

Betroffen waren mehr als 4,3 Millionen Menschen in 193 Ländern. Der Gesamtschaden wurde auf mehr als 300 Millionen Euro geschätzt. Am 4. November 2025 führten Ermittler in zehn Ländern Razzien durch und vollstreckten 21 Haftbefehle. Die FIU hatte im Vorfeld rund 14 Millionen Einzeltransaktionen ausgewertet und dabei ein auffälliges Muster erkannt. Der Fall zeige, «wie Betrug und Geldwäsche in der digitalen Welt zunehmend verschmelzen», sagte Behördenleiter Daniel Thelesklaf.

Die Zuleitung auf entsprechende Portale erfolgte laut FIU häufig über gezielte Täuschungen. Betroffene berichteten von Kurznachrichten, in denen eine angebliche Paketzustellung angekündigt und eine geringe Zustellgebühr verlangt werde. Der enthaltene Link führe auf eine Webseite, die bekannte Paketdienstleister nachbilde und die Eingabe der Kreditkartendaten verlange. In anderen Fällen würden Gewinnspiele vorgetäuscht. Die Eingabe der Daten führe zum versteckten Abschluss eines Abonnements.

41 Prozent mehr Verdachtsfälle als im Vorjahr

Insgesamt registrierte die FIU 2025 knapp 374'700 Verdachtsmeldungen - rund 41 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der darin enthaltenen Transaktionen stieg um rund 88 Prozent auf etwa 3,2 Millionen. Der Zuwachs sei vor allem auf den Finanzsektor zurückzuführen, heisst es.

Die Behörde schrieb insgesamt gut 67'000 Analyseberichte an Ermittlungs- und Sicherheitsbehörden, knapp 24 Prozent weniger als im Vorjahr./cr/DP/nas

(AWP)