Im vorbörslichen US-Handel gewann die Boeing-Aktie ein Prozent auf knapp 23 Dollar. Damit wird es jedoch immer noch etwas niedriger gehandelt als zum Jahreswechsel.

Analysten hatten damit gerechnet, dass der Konzern auch im zweiten Quartal wieder Geld verbrennen würde. Doch Boeing erzielte überraschend einen bereinigten freien Barmittelzufluss von 631 Millionen Dollar. Ein Jahr zuvor hatte hier noch ein Abfluss von 200 Millionen Dollar zu Buche gestanden.

Für den Hersteller zahlte sich diesmal aus, dass er deutlich mehr Passagier- und Frachtflugzeuge auslieferte - nämlich 171 Maschinen nach 150 Stück ein Jahr zuvor. Entsprechend wuchs der Umsatz im Jahresvergleich um acht Prozent auf 24,6 Milliarden Dollar und übertraf damit die durchschnittlichen Erwartungen von Branchenexperten.

Allerdings hatten die Analysten unter dem Strich mit einem Ergebnis nahe der Gewinnschwelle gerechnet. Mit dem Nettoverlust verfehlte der Hersteller klar die Erwartungen.

Ein Grund dafür waren weitere Mehrkosten von 280 Millionen Dollar für Entwicklung und Bau der neuen Air Force One für den US-Präsidenten. Die Flugzeuge auf Basis des Jumbo-Jets 747-8 mit Spezialausstattung als «fliegende Festungen» sind bereits um Jahre verspätet. Die Mehrkosten summieren sich inzwischen auf mehr als drei Milliarden Dollar. Die Mehrkosten summieren sich inzwischen auf mehr als drei Milliarden Dollar.

Der Hersteller hat deshalb schon vor längerem den Zorn von US-Präsident Donald Trump auf sich gezogen. Zudem kamen Zweifel daran auf, ob die Maschinen überhaupt vor dem Ende seiner zweiten Amtszeit Anfang 2029 fertig werden. Inzwischen nutzt Trump eine andere Boeing 747-8, die er im vergangenen Jahr trotz scharfer Kritik als Geschenk des Golfemirats Katar angenommen hatte.

Boeing hat seit 2019 sechs Verlustjahre in Folge hinter sich. 2025 kehrte der Konzern zwar in die schwarzen Zahlen zurück, doch dies lag nur am milliardenschweren Verkauf einer Sparte. Für 2026 hat Konzernchef Kelly Ortberg erneut keine Gewinnprognose abgegeben. Allerdings will er weiterhin einen positiven Barmittelfluss zwischen 1 und 3 Milliarden Dollar erreichen.

Der US-Konzern steckt seit Jahren in einer schweren Krise. Nach Abstürzen zweier Mittelstreckenjets vom Typ Boeing 737 Max in den Jahren 2018 und 2019 hatten Luftfahrtbehörden in aller Welt Flugverbote für Boeings meistgefragtes Modell verhängt. Nach technischen Verbesserungen dürfen die Maschinen der Reihe seit Ende 2020 zwar wieder abheben, doch Probleme mit Passagierjets ebenso wie in Rüstung und Raumfahrt warfen den Konzern immer wieder zurück.

Da hatte Boeing den Rang des weltgrössten Flugzeugherstellers schon an seinen Rivalen Airbus aus Europa verloren. Nach einem weiteren Zwischenfall Anfang 2024 stellte die US-Luftfahrtbehörde FAA Boeing unter strenge Aufsicht. Erst nach dem Antritt von Ortberg als neuem Chef bekam der Konzern die Kurve.

Dank etlicher Verbesserungen in der Produktion baut der Hersteller nun wieder 47 Exemplare der 737 Max pro Monat. Zudem will Ortberg die Neuauflage des Grossraumjets 777 endlich fertig bekommen. Die erste 777X soll 2027 ausgeliefert werden, sieben Jahre später als ursprünglich geplant. Auch die längste und die kürzeste Variante der 737 Max warten noch auf grünes Licht zur Auslieferung an die Fluggesellschaften./stw/err/he

(AWP)