Die 41-jährige Jenny Racicot schilderte dem US-Portal «Politico», Platner habe sich Ende 2021 Zutritt zu ihrem Haus verschafft und sie vergewaltigt. Sie habe ihn mehrfach aufgefordert, aufzuhören. Nach ihren Angaben brach sie den Kontakt anschliessend ab und teilte ihm später mit, die Begegnung sei nicht einvernehmlich gewesen. Eine Anzeige bei der Polizei erstattete sie nicht.

In einem auf X geteilten Video wies Platner die neuen Vorwürfe als «beunruhigend» und «falsch» zurück. «Jegliche Vorwürfe eines nicht einvernehmlichen Verhaltens sind kategorisch falsch.» Angesichts der schweren Vorwürfe werde er sich allerdings die Zeit nehmen, um den weiteren Kurs abzuwägen. Sein Wahlkampfteam sprach laut Medienberichten von einer politisch motivierten Kampagne.

Die Anschuldigungen treffen die Demokraten an einem heiklen Punkt. Maine gilt als eine der besten Chancen der Partei, den Republikanern bei den Zwischenwahlen Anfang November einen Senatssitz wegzunehmen. Wegen der knappen Mehrheitsverhältnisse im Kongress könnte das Rennen entscheidend für die Kontrolle über die Parlamentskammer und damit Teile des Kongresses werden. Platner hatte die demokratische Vorwahl Anfang Juni deutlich gewonnen.

Druck aus eigener Partei

Nun wächst der Druck auf Platner aber auch innerhalb der eigenen Partei rasch: Mehrere prominente Demokraten forderten ihn zum Rückzug auf oder entzogen ihm ihre Unterstützung. Nach dem Wahlrecht des Bundesstaates kann die Partei bis Mitte Juli einen Ersatzkandidaten aufstellen, wenn Platner rechtzeitig zurücktritt.

Für Platner ist es der vorläufige Höhepunkt einer Serie von Kontroversen. Bereits zuvor hatten mehrere frühere Partnerinnen der «New York Times» zufolge von einschüchterndem oder verstörendem Verhalten berichtet. Zudem geriet Platner wegen beleidigender Online-Kommentare und einer später überdeckten Tätowierung mit Ähnlichkeit zu einem NS-Symbol in die Kritik. Der Irak- und Afghanistan-Veteran führte Teile seines früheren Verhaltens auf eine posttraumatische Belastungsstörung und Alkoholmissbrauch zurück, bestritt jedoch stets Vorwürfe körperlicher Übergriffe oder Misshandlungen von Frauen./hae/DP/jha

(AWP)