Hier einige Daten und Zahlen zu den Schiffen, die die 167 Kilometer lange Meerenge seit Beginn des Kriegs durchquert haben, der am 28. Februar durch US-israelische Angriffe auf den Iran ausgelöst wurde:
95 Prozent weniger Verkehr
Vom 1. bis 19. März wurden laut dem Analyseunternehmen Kpler nur 116 Durchfahrten von Frachtschiffen registriert - ein Rückgang von 95 Prozent gegenüber Friedenszeiten.
Darunter befanden sich 71 Tanker, von denen mehr als die Hälfte beladen war. Die meisten dieser Schiffe waren ostwärts unterwegs.
«Der Verkehr wird hauptsächlich von Massengutfrachtern, Tankern und Containerschiffen getragen», sagte Richard Meade, Chefredaktor der maritimen Fachzeitschrift Lloyd's List, an einer Medienkonferenz am Donnerstag. «Wir haben allerdings in der vergangenen Woche eine leichte Zunahme von Flüssiggastankern festgestellt.»
Iranische, griechische und chinesische Schiffe
Die meisten Schiffe, die die Meerenge passieren, sind iranisch oder fahren unter iranischer Flagge, sagte Bridget Diakun, Analystin bei Lloyd's List Intelligence. In den vergangenen Tagen hätten griechische Schiffe 18 Prozent der Durchfahrten ausgemacht, chinesische 10 Prozent, präzisierte sie am Donnerstag.
«Auch wenn der Iran die Meerenge weiterhin kontrolliert und sein Öl exportiert, bleibt der Verkehr insgesamt weitgehend zum Erliegen gekommen», sagte Richard Meade.
45 Schiffe unter Sanktionen
Seit Beginn des Konflikts unterlagen mehr als ein Drittel der Schiffe, die die Meerenge passierten, amerikanischen, europäischen oder britischen Sanktionen, wie eine AFP-Analyse der Transitdaten zeigt. Bei Tankern und Flüssiggastankern lag dieser Anteil bei über der Hälfte.
Seit dem 16. März gehöre «jedes Schiff, das nach Westen fährt, zur Parallelflotte, egal ob es sich um Flüssiggastanker oder Öltanker handelt (...) sie dominieren den Verkehr deutlich», sagte Bridget Diakun bei der Medienkonferenz von Lloyd's.
Öl vor allem für China
Laut einem am Montag veröffentlichten Bericht der Bank JPMorgan geben Rohstoffanalysten an, dass der Grossteil des durch die Meerenge transportierten Öls nach Asien geht, vor allem nach China.
Cichen Shen, Chefredaktor Asien-Pazifik bei Lloyd's List, sagte, er habe im Internet Hinweise darauf gefunden, dass chinesische Behörden an einem Ausweg für ihre grossen Tanker arbeiten, die in der Region feststecken.
Die Analysten von JPMorgan präzisieren, dass 98 Prozent des beobachtbaren Ölverkehrs in der Meerenge iranischen Ursprungs waren, mit durchschnittlich 1,3 Millionen Barrel pro Tag Anfang März. In Friedenszeiten passieren rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggasverkehrs diese Route.
Indische und pakistanische Schiffe
«Es scheint, dass einige Schiffe mit ,Zustimmung' des Iran passieren, wobei einige eine Route näher an der iranischen Küste wählen als üblich», darunter auch indische und pakistanische Schiffe, teilte das maritime Beratungsunternehmen Clarksons in einer Notiz mit.
«Mehrere Regierungen, darunter China, aber auch Indien, Pakistan, Irak und Malaysia, stehen in direktem Kontakt mit Teheran, um die Schifffahrt zu koordinieren», sagte Richard Meade von Lloyd's List.
Lloyd's List zufolge haben mindestens neun Schiffe einen offenbar vom Iran genehmigten «Korridor» nahe der Insel Larak vor der iranischen Küste genutzt, wo sie von iranischen Behörden kontrolliert wurden.
(AWP)
