Bei den Bemühungen um eine Beilegung des Krieges zwischen den USA und dem Iran gibt es Insidern zufolge Fortschritte. Nach mehr als der Hälfte einer zweiwöchigen Waffenruhe gebe es weiterhin grosse Meinungsverschiedenheiten, sagte ein hochrangiger iranischer Vertreter am Donnerstag. Ein Besuch des pakistanischen Armeechefs, Feldmarschall Asim Munir, in Teheran am Mittwoch habe jedoch dazu beigetragen, die Differenzen in einigen Bereichen zu verringern. Ein Knackpunkt bleibt allerdings das Vorgehen Israels gegen die mit dem Iran verbündete radikal-islamische Hisbollah im Libanon. US-Präsident Donald Trump bemüht sich weiter um eine Vermittlung in dem Konflikt.
«Es gibt mehr Hoffnung auf eine Verlängerung der Feuerpause und eine zweite Gesprächsrunde», sagte der Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Grundlegende Uneinigkeit herrsche jedoch weiterhin in der Frage des iranischen Atomprogramms. Der Umgang mit dem hochangereicherten iranischen Uran und die Dauer der nuklearen Einschränkungen für die Islamische Republik zählten zu den umstrittensten Themen, für die noch keine Lösung gefunden worden sei. Ein Sprecher des pakistanischen Aussenministeriums erklärte, ein Termin für eine zweite Verhandlungsrunde stehe noch nicht fest. Pakistan hatte am vergangenen Wochenende die ersten Friedensgespräche ausgerichtet.
«Ein wenig Luft»
Für Überraschung sorgte Trump mit der Ankündigung, dass der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und der libanesische Präsident Joseph Aoun am Donnerstag miteinander sprechen würden. «Es ist lange her, dass die beiden Staatschefs miteinander gesprochen haben, etwa 34 Jahre. Es wird morgen passieren. Schön!», schrieb Trump am späten Mittwochabend (Ortszeit) auf seiner Plattform Truth Social. Er versuche, «ein wenig Luft» zwischen Israel und dem Libanon zu schaffen. Die israelische Ministerin Gila Gamliel bestätigte im Armeeradio das geplante Telefonat. Im Libanon stiess die Ankündigung jedoch auf Verwunderung: Sowohl aus dem Büro Aouns als auch vom libanesischen Ministerpräsidenten Nawaf Salam hiess es, man habe keine Informationen über einen solchen Kontakt.
Die diplomatischen Bemühungen in der Region sind eng miteinander verwoben. Pakistan bezeichnete Frieden im Libanon als unerlässlich für die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran. Auch der Iran pocht darauf, dass der Libanon in ein Abkommen einbezogen wird. Die USA und Israel weisen dies zurück und betrachten das Vorgehen gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz im Libanon nicht als Teil der am 8. April vereinbarten Waffenruhe. Dennoch trafen sich am Dienstag die Botschafter Israels und des Libanon zu seltenen Gesprächen in Washington. Die Hisbollah verurteilte das Treffen und erklärte, es vertiefe die Spaltung der Libanesen.
Netanjahu: Sicherheitszone im Südlibanon ausbauen
Die libanesische Regierung liegt mit der Hisbollah im Streit über deren Entscheidung, in den Krieg einzutreten. Beirut hatte die militärischen Aktivitäten der Miliz am 2. März verboten, kann dies aber nicht wirklich umsetzen. Zuvor hatten die USA und Israel am 28. Februar mit einem Überraschungsangriff auf den Iran den Krieg ausgelöst. Die Hisbollah begann daraufhin zur Unterstützung Teherans, Raketen auf Israel abzufeuern, was eine israelische Offensive im Libanon nach sich zog. Dort dauern die Kämpfe an.
Netanjahu erklärte am späten Mittwochabend, die Armee stehe kurz davor, die südlibanesische Grenzstadt Bint Dschubail einzunehmen. Dort haben sich Hisbollah-Kämpfer verschanzt. Einem hochrangigen libanesischen Vertreter zufolge geht man in Beirut davon aus, dass Israel dort einen militärischen Sieg erringen will, bevor diplomatische Fortschritte erzielt werden können. Aus israelischen und libanesischen Kreisen hiess es, die Regierung in Washington übe starken Druck auf Netanjahu aus, einem Waffenstillstand im Libanon zuzustimmen. Dessen ungeachtet erklärte er, er habe das Militär angewiesen, die Sicherheitszone im Südlibanon auszubauen.
Bei dem jüngsten Krieg im Libanon sind bislang mehr als 2000 Menschen getötet worden, 1,2 Millionen sind den libanesischen Behörden zufolge aus ihrer Heimat vertrieben worden. Bei Angriffen der Hisbollah sind israelischen Angaben zufolge seit dem 2. März zwei israelische Zivilisten getötet worden, bei dem Einsatz im Libanon sind demnach 13 Soldaten ums Leben gekommen.
(Reuters)

