Einschätzungen von Ökonomen im Überblick:
Christoph Balz, Volkswirt bei der Commerzbank
«Die weitere Inflationsentwicklung hängt vor allem vom Ölpreis und damit der Lage am Persischen Golf ab. In unserem Basisszenario erwarten wir, dass der Ölpreis bis Ende August um 100 Dollar schwankt je nach Nachrichtenlage. Mit 4,2 Prozent könnte die Inflationsrate daher bereits den Höhepunkt erreicht haben. Unter der Annahme, dass sich danach der Konflikt entspannt und der Ölpreis wieder fällt, sollte die Inflation ab Herbst wieder nachlassen.»
Dirk Chlench, Volkswirt LBBW
«Da die Tankstellenpreise im bisherigen Verlauf des Monats Juni nachgegeben haben, sollte damit bereits der Hochpunkt bei der jährlichen Inflationsrate erreicht sein. Dies könnte die US-Notenbank veranlassen, trotz der jüngst starken Entwicklung am US-Arbeitsmarkt bis auf Weiteres von Leitzinserhöhungen abzusehen.»
Ralf Umlauf, Analyst bei der Landesbank Hessen-Thüringen
«Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die Entwicklung der Verbraucherpreise überwiegend auf die erste Monatshälfte bezieht, in der die Benzinpreise noch deutlich erhöht waren. Inzwischen sind diese spürbar zurückgegangen, was mit Blick auf die Juni-Zahlen für eine gewisse Entspannung sprechen dürfte. Das Inflationsniveau bleibt jedoch zu hoch, sodass die Erwartungen steigender Leitzinsen wohl kaum gedämpft werden.»
Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank
«An den Märkten dürften die Spekulationen über eine Fed-Zinserhöhung im laufenden Jahr in Anbetracht der lediglich moderaten Entwicklung der Kerninflationsrate zwar nicht unbedingt neue Nahrung erhalten, aber andererseits auch nicht verschwinden. Moderate Zinserhöhungen könnten ökonomisch sinnvoll sein, alleine um einen etwaigen weiteren Anstieg der Inflationserwartungen einzudämmen. Ob für eine Zinserhöhung im Offenmarktausschuss der Federal Reserve allerdings eine Mehrheit gefunden wird, bleibt zu bezweifeln. Vermutlich dürfte die Fed im Juni unter dem neuen Notenbankpräsidenten Kevin Warsh bei Ihrer abwartenden Haltung bleiben.»
Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz
«Der erneute Anstieg der Inflation ist geldpolitisch unangenehm, liefert dem neuen Fed-Chef Warsh aber wohl noch keinen überzeugenden Grund für einen unmittelbar restriktiveren Kurs. Vieles spricht für eine Fortsetzung der abwartenden Haltung.»
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(AWP)
