Einschätzungen von Ökonomen im Überblick:
Ralf Umlauf, Analyst bei der Landesbank Hessen-Thüringen
«Die Zahl der netto neugeschaffenen Stellen ausserhalb der Landwirtschaft ist in den USA zu Beginn des Jahres unerwartet kräftig gestiegen. Damit lag der Zuwachs auch deutlich über dem des Vormonats. Zudem ist die Arbeitslosenquote entgegen den Erwartungen gesunken. Mithin dürften die Zinssenkungserwartungen bezüglich der Fed einen Dämpfer bekommen. Diese hatten nach der gestrigen Enttäuschung bei den US-Einzelhandelsumsätzen zunächst zugenommen.»
Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank
«Spannend dürfte es werden, wenn der Arbeitsmarkt auch in den kommenden Monaten auf einem robusten Kurs bleibt. Jerome Powells Nachfolger Kevin Warsh dürfte es dann schwer haben, für weitere Zinssenkungen zu plädieren. In diesem Falle muss er sich dann gleich zu Beginn seiner Amtszeit ein dickes Fell zulegen, denn für Kritik aus dem Weissen Haus wird gesorgt sein.»
Dirk Chlench, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg
«Gleichwohl liefert der Arbeitsmarktbericht für Januar keine Vorlage für überschäumenden Optimismus. Die amtlichen Statistiker haben umfangreiche Revisionen getätigt. Während sich vor der Revision der Arbeitsmarktstatistik für das abgelaufene Jahr ein durchschnittlicher Beschäftigungsanstieg von knapp 50.000 errechnete, ergibt sich nach der Revision ein Beschäftigungsanstieg von nur noch 15.000. Auch der starke Anstieg der Stundenlöhne ist zu relativieren, denn die Veränderungsrate für Dezember 2025 wurde von 0,3 Prozent auf 0,1 Prozent nach unten revidiert.»
Christoph Balz und Bernd Weidensteiner, Analysten bei der Commerzbank
«Der Januar-Arbeitsmarkt gibt jedenfalls keinen Anlass für eine rasche geldpolitische Lockerung. Die heutigen Daten bestätigen den Eindruck, dass sich der Arbeitsmarkt in den letzten Monaten stabilisiert hat und sogar wieder etwas an Dynamik gewinnt. Die Fed schaut bei den Arbeitsmarktdaten vor allem auf die Arbeitslosenquote. (...) Die Quote ist in den letzten beiden Monaten jeweils leicht gefallen. Dies stützt die Ansicht der Fed, dass man sich zurzeit in einer 'guten Position' befindet - so die Aussage von Fed-Chef Powell nach der letzten Sitzung - und in Ruhe weitere Daten abwarten kann. Eine Zinssenkung der Fed im März ist damit so gut wie vom Tisch. Vermutlich wird die Ära Powell im Mai ohne weitere Zinssenkung zu Ende gehen. Unabhängig davon dürften die Zinssenkungen aber unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh nach dessen für Mitte Mai geplanten Amtsantritt wieder aufgenommen werden.»
Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz
«Insgesamt sind die Januardaten zum Arbeitsmarkt positiv ausgefallen. Sie ändern aber noch nichts an dem Bild, dass die Trumpsche Wirtschaftspolitik die Beschäftigungsentwicklung und damit die Lohnsumme bremst und die mittelfristigen Aussichten für den US-Konsum eintrübt. (...) In Niedriglohnsegmenten begrenzt die strikte Migrationspolitik das Angebot an Arbeitskräften. Gleichzeitig beschleunigt die Wirtschaftspolitik den Einsatz von arbeits- und kostensparender neuer Technologie entlang der Wertschöpfungskette. Unternehmen können dadurch dem Druck auf die Margen, insbesondere durch die höheren Zölle, entgegenwirken. Bisher zeigt sich das vor allem in Personaleinsparungen im Technologie- und Softwarebereich. Aber auch in anderen Sektoren wird sich dieser Trend verstärken, zulasten des Konsums. Kurzfristig geben die Januardaten den Hoffnungen auf eine zyklische Belebung aber neue Nahrung. Die Fed wird sich deshalb in ihrer abwartenden Haltung hinsichtlich weiterer Zinssenkungen bestätigt sehen.»
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(AWP)
