Einschätzungen von Ökonomen zur Preisentwicklung im Überblick:
Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank:
«Der Rohölpreis ist deutlich zurückgegangen, daher ist Entspannung angesagt bei den Preisen. Ist der Inflationsspuk also schon wieder vorüber? Das hängt vor allem davon ab, ob die Strasse von Hormus bald wieder frei wird. In diesem Fall werden wir für den Rest des Jahres kaum mehr über die Irankrieg-Inflation sprechen. Allerdings wird die Europäische Zentralbank weiterhin wachsam bleiben, ob in den kommenden Monaten auch wirklich aller Inflationstreibstoff aus der Wirtschaft herausgespült wird.»
Michael Heise, Chefvolkswirt bei HQ Trust:
«Wesentlich geholfen haben rückläufige Lebensmittelpreise. Diese sind im zweiten Monat in Folge gesunken und liegen in etwa auf Vorjahresniveau. Sicher ein ungewohntes Gefühl für viele Verbraucher, denn das war lange nicht mehr der Fall. Die weniger gute Nachricht: Die Geldentwertung bleibt auf ziemlich hohem Niveau. Der auslaufende Tankrabatt wird die Autofahrer im kommenden Monat belasten. Aber auch andere Nachwirkungen des Irankriegs werden für deutsche Verbraucher noch spürbar sein. Zahlreiche Waren und Dienstleistungen sind nach dem Energiepreisschock und dem Anstieg von Transport- und Vorleistungspreisen erheblich teurer geworden.»
Ralph Solveen, Analyst bei der Commerzbank
«Im Juli dürfte die Inflationsrate in Deutschland wegen des Wegfalls des 'Tankrabatts' wieder einige Zehntel nach oben springen. Auch die Entwicklung der Teuerungsrate in den folgenden Monaten wird zu einem beträchtlichen Teil von den Energiepreisen abhängen. Wir gehen davon aus, dass der Ölpreis in den kommenden Monaten wegen immer wieder schlechter Nachrichten aus dem Mittleren Osten eher etwas höher als derzeit liegen wird, womit sich die Inflationsrate in einem Korridor zwischen 2,5 und 3 Prozent seitwärts bewegen dürfte. Dabei dürften die Unternehmen ihre höheren Energiekosten mehr und mehr an ihre Kunden weitergeben, sodass die Kernteuerungsrate sogar wieder etwas anziehen dürfte.»
Michael Herzum, Leiter Economics und Macro Strategy bei Union Investment:
«Ein schneller Sinkflug ist aber nicht zu erwarten: Der Wegfall des Tankrabatts im Juli und verzögerte Effekte höherer Energiekosten aus dem Frühjahr können die Teuerung in den nächsten Monaten noch stützen. Entscheidend ist, dass wir keine Lohn-Preis-Spirale sehen. Relevante Zweitrundeneffekte über den Arbeitsmarkt sind bislang ausgeblieben, das heisst, es gibt keinen wesentlichen Inflationsdruck durch steigende Löhne. Eine Rückkehr zum EZB-Inflationsziel von rund zwei Prozent wird erst Anfang 2027 realistisch sein. Aber: Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte in den kommenden Monaten genug Zuversicht gewinnen, dass sich die höhere Inflation nicht verstetigt. Wir gehen deshalb davon aus, dass es keine weiteren Zinserhöhungen geben wird.»
Ralf Umlauf, Volkswirt bei der Landesbank Hessen-Thüringen:
«Die Entlastung an den Tankstellen hat dazu beigetragen, dass die Gesamtteuerung im auslaufenden Monat schwach ausfiel und die Jahresrate unerwartet nachgegeben hat. Überwälzungen von vorausgegangenen Energiepreisanstiegen finden zudem nicht in dem befürchteten Ausmass statt. Die Kerninflationsrate liegt unverändert bei 2,5 Prozent. Auch die Entwicklungen in den Euro-Staaten sind von niedrigeren Raten als erwartet geprägt. Somit dürfte es mit den aktuell veröffentlichten Zahlen kaum Gründe geben, die Zinserhöhungserwartungen bezüglich der EZB zu forcieren.»
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(AWP)
