Einschätzungen von Ökonomen zu den geldpolitischen Beschlüssen im Überblick:

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank

«Das Abstimmungsverhalten setzt aber ein Ausrufezeichen: Drei Ratsmitglieder sprachen sich für eine Zinserhöhungen um 25 Basispunkte aus. Die Bereitschaft die geldpolitischen Zügel zu straffen nimmt zu. Ob es aber tatsächlich zu einer weiteren Zinserhöhung kommt, hängt von den Inflationsdaten der kommenden Monate ab. Der eigenen Interpretation der Daten kommt dann eine hohe Bedeutung zu, denn die Kommunikation der Fed bleibt unter Kevin Warsh schmallippig.»

Bernd Weidensteiner, Analyst bei der Commerzbank

«Einige der Journalisten waren erkennbar unzufrieden damit, dass immer wieder das Ziel betont wurde, Warsh sich aber keine Aussage darüber entlocken liess, wie die Zielerreichung zu bewerkstelligen sei. Der Verweis auf rigorose Diskussionen (der berühmte Familienstreit) und Arbeitsgruppen hilft da nicht weiter. Und die zwischen den Zeilen erkennbare Hoffnung, dass der Markt den Job machen wird, könnte auch auf Sand gebaut sein. Schliesslich ist Preisstabilität der Job der Fed, der Markt muss mit dem Ergebnis zurechtkommen. Ob die Fed diese Linie dauerhaft halten kann und ob Warsh davon alle FOMC-Mitglieder dauerhaft überzeugen kann, ist doch etwas fraglich. Der Ausblick auf die Zinsentwicklung ist jedenfalls unsicherer geworden, auch wenn wir an unserer Prognose festhalten, dass die Fed die Zinsen bis auf Weiteres nicht erhöhen wird.»

Elmar Völker, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg

«Die Mehrheit stützt sich demgegenüber auf die jüngsten Inflationsdaten, welche noch keine Zweitrundeneffekte in Folge des Energiepreisschocks erkennen lassen. Stattdessen zeigte der unterliegende Preistrend eher desinflationäre Tendenzen. Die zwei Inflationsdatensätze, welche bis zur September-Sitzung des FOMC zur Veröffentlichung anstehen, stellen diese günstige Preisentwicklung erneut auf den Prüfstand. Mindestens ebenso wichtig sind die Entwicklungen im Nahen Osten: Bleibt eine Entspannung der Lage in den kommenden Wochen aus, dann steht die zunehmend knappe Mehrheit im FOMC zugunsten unveränderter Leitzinsen auf der Kippe.»/jsl/he

(AWP)