Die Inflation in Deutschland ist im Mai nach Einführung des Tankrabatts gesunken. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich nur noch um 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, nach 2,9 Prozent im April. Das teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in einer ersten Schätzung mit. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten allerdings eine unveränderte Teuerungsrate von 2,9 Prozent erwartet. Von April auf Mai fielen die Verbraucherpreise um 0,2 Prozent.
Analysten sagten dazu in ersten Reaktionen:
ELMAR VÖLKER, LANDESBANK BADEN-WÜRTTEMBERG:
«Die deutsche Inflation sendet nach zwei Anstiegen in Folge ein Entspannungssignal, das jedoch trügerisch sein könnte. Die Entlastung, welche die Bundesregierung den Bürgern für zunächst zwei Monate an der Zapfsäule gewährt hat, drückt die Energiepreis-Inflation. Zum Ersten dürfte sich dieser Preisdämpfer jedoch im Juli verflüchtigen, sofern die Regierung nicht nachlegt. Zum Zweiten droht noch immer Ungemach durch Folgewirkungen des Iran-Kriegs auf Preissegmente jenseits der Energie, etwa bei den Nahrungsmitteln. So schnell dürfte sich das Inflationsgespenst mithin nicht wieder vertreiben lassen. Die EZB ist insofern gut beraten, den Andeutungen einzelner Notenbanker der vergangenen Wochen Taten folgen zu lassen und auf der Ratssitzung am 11. Juni eine Leitzinsanhebung zu beschliessen.»
JÖRG KRÄMER, CHEFVOLKSWIRT COMMERZBANK:
«Ohne die stark schwankenden Energie- und Nahrungsmittelpreise ist die Inflation noch immer nicht höher als vor Ausbruch des Kriegs. Aber diese Ruhe ist trügerisch. Laut Umfragen werden die Unternehmen die gestiegenen Energiekosten bald an ihre Kunden weitergeben. Die Inflation dürfte in den kommenden Monaten die Marke von drei Prozent überschreiten, sofern die Strasse von Hormus nicht rasch dauerhaft geöffnet wird.»
MICHAEL HEISE, CHEFÖKONOM HQ TRUST:
«Die befristete Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe hat deren Preise im Vergleich zum April sinken lassen. Aber der Sommerurlaub wird teurer: Verkehrsdienstleistungen und Pauschalreisen haben sich Länderberichten zufolge im Vorjahresvergleich deutlich verteuert. Auch das Autofahren ist deutlich teurer als vor einem Jahr. Die Zwei-Prozent-Marke der Zentralbanken wird in den kommenden Monaten in Deutschland wohl nicht in greifbare Nähe rücken. Mit dem Auslaufen der Steuermässigung auf Kraftstoffe im Juli ist ein Preisanstieg zu erwarten. Derzeit erscheint es eher unwahrscheinlich, dass die Weltmarktpreise für Rohöl und Gas angesichts der Entwicklung im Nahen Osten deutlich zurückgehen. Da auch die Preiserwartungen der Unternehmen und der Verbraucher in Deutschland und dem Euroraum gestiegen sind, ist mit einer Zinserhöhung der EZB im Juni zu rechnen.»
(Reuters)

