Welches Wachstum wird erwartet?

Am Mittwoch veröffentlichten die Expertengruppe des Bundes und das KOF Institut der ETH ihre neusten Prognosen für die Schweizer Konjunktur. Beide kamen zu den exakt gleichen Werten: Für 2026 sagen sie ein Wachstum von 1,0 Prozent voraus, für 2027 von 1,7 Prozent (Werte sporteventbereinigt). Zum Vergleich: Im langjährigen Durchschnitt wächst die Schweizer Wirtschaft pro Jahr mit 1,8 Prozent. Dieser Durchschnittswert wurde allerdings letztmals 2022 übertroffen. 2023, 2024 und 2025 lag das Plus zwischen 1 und 1,5 Prozent und damit schon klar unter dem Schnitt.

Auch welchem Ölpreis basieren diese Prognosen?

Der Preis für ein Fass Rohöl ist wegen des Kriegs im Nahen Osten von unter 70 auf über 100 US-Dollar hochgeschnellt. Beide Institute gehen aber davon aus, dass dies ein vorübergehendes Phänomen ist. Die Bundesökonomen erwarten konkret im Jahresdurchschnitt 2026 und 2027 einen Ölpreis von lediglich rund 70 Dollar. Auch das KOF Institut geht nach dem «anfänglichen Schock» von einer Normalisierung aus.

Welche Folgen hätte ein anhaltend hoher Ölpreis?

Sollte der Ölpreis hoch bleiben, ist mit einem schwächeren Wachstum zu rechnen. Das KOF Institut prognostiziert für diesen Fall ein Wachstum von lediglich 0,7 Prozent im laufenden und von 1,5 Prozent im nächsten Jahr, die Bundesökonomen erwarten bei einem Ölpreis von gut 90 Dollar im Jahr 2026 und knapp 80 Dollar im 2027 Wachstumsraten von 0,8 und 1,6 Prozent. Den erhofften moderaten Aufschwung im 2027 erklären beide Institute mit einer moderaten Beschleunigung der globalen Wirtschaft, wobei vor allem von Deutschland ein Impuls erwartet wird.

Welche Folgen hätte das auf die Inflation?

Die prognostizierten Inflationsraten sind im «Ölpreisszenario» deutlich höher - über den Daumen gepeilt doppelt so hoch. Beide Institute erwarten aber selbst bei einem anhaltend hohen Ölpreis für 2026 und 2027 keine Inflationsraten von über 1 Prozent. Diese bleiben damit auch in der von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) angepeilten Bandbreite von 0 bis 2 Prozent. Im Euroraum hingegen seien sehr wohl Inflationsraten von gegen 4 Prozent möglich, womit auch Zinserhöhungen denkbar seien, betonen die Bundesökonomen.

Was belastet die Wirtschaft neben dem Ölpreis?

Die Weltwirtschaft kommt nicht auf Touren. Das ist für grosse Teile der Exportindustrie ein Problem. Die betroffenen Firmen halten zudem Investitionen zurück, was die Konjunktur zusätzlich belastet. Ein Grund für die Misere ist die Zollpolitik der USA. Der Entscheid des Obersten US-Gerichts habe zwar das Eskalationspotenzial begrenzt, meint das KOF Institut. Die Handelshemmnisse für exportorientierte Branchen bleiben jedoch erhöht. 2027 gibt es wegen der Sparprogramme des Bundes zudem kaum mehr Wachstumsimpulse vom Staatskonsum.

Was stützt die Wirtschaft?

Eine wichtige Stütze bleibt der private Konsum. Dieser habe sich zuletzt robust entwickelt - und dies dürfte sich fortsetzen, heisst es von beiden Auguren. Die tiefe Inflation und ein stabiles Lohnwachstum sind laut dem KOF Institut die Basis dafür. Erste Anzeichen für eine Erholung gebe es ausserdem bei den Bauinvestitionen.

Was heisst das alles für die Arbeitslosigkeit?

Die Beschäftigung werde 2026 nach dem schwachen 2025 wohl wieder moderat wachsen, meint das KOF Institut. Vorlaufindikatoren deuteten darauf hin, dass sich die Lage leicht verbessert habe. Gleichwohl werde die Quote wohl noch bis Mitte des Jahres leicht ansteigen und dann etwas zurückgehen. Die Bundesökonomen sehen das ähnlich. Sie sagen konkret für 2026 im Jahresdurchschnitt eine Quote von 3,0 und für 2027 von 2,8 Prozent voraus. Auch bei einem anhaltenden Ölpreisschock sei nicht mit einem dramatischen Anstieg zu rechnen, heisst es übereinstimmend.

rw/to

(AWP)