An diesem 9. Januar gedenke man all jener, die am Neujahrstag ihr Leben verloren oder schwere Verletzungen erlitten hätten. Es sei ein Tag des Erinnerns und der Liebe - besonders für die Eltern, Geschwister, Angehörigen und Freunde der Opfer, aber auch für die Bevölkerung, die an der Tragödie von Crans-Montana Anteil genommen habe.
«Am Neujahrstag hat uns ein unvorstellbares Unglück getroffen, ein Unglück, das - ich möchte es betonen - die ganze Schweiz in Trauer vereint hat», sagte Parmelin. Er könne wohl im Namen des ganzen Landes sprechen, wenn er sage, dass man an diesem Tag zusammengekommen sei, um die Last dieses Unglücks gemeinsam zu tragen. «Sie wird dadurch nicht leichter werden, aber wenn dieser Tag auch nur ein wenig dazu beitragen kann, unsere unendliche Trauer zu lindern, so hat er seinen Sinn bereits erfüllt.»
Jähes Ende von jungen Leben
Wenn man sich an diese schreckliche Nacht erinnere, denke man vor allem an die 156 Opfer und daran, wie glücklich und unbeschwert sie eben noch gewesen seien. Viele dieser jungen Menschen seien in den Ferien gewesen. «Und ausgerechnet bei uns hat ihr bisheriges Leben, das eben noch von friedlichem und entspanntem Zusammensein geprägt war, ein jähes Ende gefunden.»
Diese Tragödie habe in der Schweiz tiefe Bestürzung ausgelöst. «Die Schweiz verneigt sich vor denen, die nicht mehr unter uns sind, und steht denen zur Seite, die eine lange und beschwerliche Genesung vor sich haben.»
Man werde weiterhin allen Familien im In- und Ausland beistehen, deren Existenz sich mit dieser Katastrophe so brutal und unwiderruflich verändert habe. «Wir sind zutiefst dankbar für die unzähligen Zeichen der Anteilnahme und die grosse medizinische Unterstützung, die wir aus dem In- und Ausland erhalten haben.»
Diese Solidarität berühre und verpflichte, sagte Parmelin weiter. «Wir wissen heute, dass wir in der Not nicht allein sind.» Nicht zuletzt danken wir von «ganzem Herzen all jenen, die sich in welcher Form auch immer dafür eingesetzt haben, Leben zu retten, Vermisste zu identifizieren und die Wahrheit zu suchen.» Denn darauf fusse das Vertrauensverhältnis zwischen den Institutionen und der Gesellschaft, der sie dienten.
Justiz soll Verfehlungen aufdecken
Die Hoffnung werde zurückkehren - in ein Leben, das bei den einen geprägt sein werde durch die unendliche Leere des Verlustes und bei den andern durch den beschwerlichen, langwierigen und unsicheren Prozess der Genesung. «Sie schenkt die Kraft die Tränen zu trocknen. Sie vermag zu heilen, auch wenn sie nicht immer greifbar ist.»
Hoffnung erwachse aber auch aus der Gewissheit, dass die Schweizer Justiz imstande sei, Verfehlungen rasch und schonungslos aufzudecken und zu ahnden, sagte Parmelin. «Wir haben nicht nur eine staatliche Verpflichtung, sondern auch eine moralische Verantwortung.»einzi
Der nationale Trauertag verpflichte aber auch zur Vorausschau. Die zuständigen Behörden und der Gesetzgeber müssten aus dem Geschehenen die nötigen Lehren ziehen, um zu gewährleisten, dass öffentlich zugängliche Einrichtungen künftig höchstmöglichen Sicherheitsansprüchen genügen.
Für Parmelin widerspiegelt sich letztendlich in den Worten «undenkbar, unaussprechbar, unsichtbar» die Fassungslosigkeit, «die wir angesichts der Katastrophe noch immer empfinden».
«Undenkbar, weil ein Land, in dem Gründlichkeit und Zuverlässigkeit einen so hohen Stellenwert haben wie in unserem, in der Lage sein muss, das Risiko zu erkennen, die immer und überall lauern können. Unaussprechbar, weil Worte nicht ausreichen, um den Verlust, den Kummer und das Leid zu beschreiben oder gar zu bemessen. Trotz allem versuchen wir heute, Worte zu finden. Wir tun gut daran. Denn Trost findet man nicht nur in der Stille, so wohltuend diese auch sein mag. Unsichtbar, schliesslich, weil so viele unserer Kinder nicht mehr unter uns sind. Sie haben uns in einer Bar verlassen, die nach einem Sternbild benannt war. Sie werden fortan in unserer Erinnerung weiterleuchten.»
(AWP)
