Er traf mit dem italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella und Aussenminister Antonio Tajani zusammen. Die Atmosphäre bei den Gesprächen sei «offen, konstruktiv und positiv» gewesen, so Parmelin. Er habe bestätigt, dass der Schweizer Bundesrat die Frage nach der Verrechnung der Spitalleistungen zwischen den betroffenen Staaten auf der Grundlage der geltenden gesetzlichen Bestimmungen angehen werde.
Die Behandlungskosten würden von der Opferhilfe übernommen, sofern sie nicht durch Versicherungen gedeckt seien. Um Missverständnisse zu vermeiden, werde die Schweiz keine Rechnungskopien mehr an die Familien der Opfer senden, betonte Parmelin bei einer Pressekonferenz in Rom. Der Bundespräsident bestätigte zudem, dass die zuständigen Behörden beider Länder in Kontakt bleiben werden. «Unser Ziel ist die beste Lösung für die Opfer zu finden.
Parmelin war am Vortag der Vereidigung der neuen Rekruten der Schweizergarde im Vatikan nach Rom gereist. Er wird am Mittwoch auch Papst Leo XIV. treffen.
»Viele Emotionen«
»Auf beiden Seiten gab es in Zusammenhang mit der Brandkatastrophe viele Emotionen, was ich verstehen kann. Aber auf der Ebene der bilateralen Beziehungen, der Diskussionen, die wir auf ministerieller Ebene geführt haben, gab es keine Spannungen. Unser Ziel war immer sehr klar: sicherzustellen, dass die betroffenen Familien und die Verletzten keine Kosten zu tragen haben«, sagte der Präsident.
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hatte sich in den vergangenen Tagen darüber empört, dass Spitalrechnungen und entsprechende Kopien aus der Schweiz nach Italien geschickt worden waren. Die Rechnungen betrafen Behandlungen von Brandopfern.
Bereits am Montag hatte Parmelin am Rande des Gipfels der Europäischen Politischen Gemeinschaft in der armenischen Hauptstadt Jerewan mit Meloni über die Brandkatastrophe gesprochen und ihr versichert, dass aus der Schweiz einstweilen keine Spitalrechnungen mehr ins Ausland versandt werden.
Bei den Gesprächen mit Mattarella und Tajani in Rom ging es nach Angaben Parmelins auch um die internationale Lage, die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Italien sowie um verschiedene bilaterale Themen. Darüber hinaus hätten beide Seiten über Energiepreise sowie deren Auswirkungen auf Lieferketten diskutiert. Auch Fragen der Migration seien angesprochen worden.
»Alle sollten den Ton mässigen«
In einem Interview mit dem Tessiner Online-Nachrichtenportal »Ticinonews« kommentierte Cassis am Montag die Spannungen in den schweizerisch-italienischen Beziehungen. Demnach würde die »endlose Diskussion« um die Ereignisse in Crans-Montana leider auch vom italienischen Botschafter in der Schweiz belebt.
Nach Cassis' Meinung wäre es jedoch die Aufgabe des Botschafters, wieder Ruhe in die bilateralen Beziehungen zu bringen. Die »kommunikativen Ausreisser« seien kaum hilfreich, hielt Cassis fest. Alle Seiten sollten sich deshalb darum bemühen, den Ton zu mässigen und wieder zu einer korrekteren Kommunikation zurückzukehren, resümierte Cassis.
Grundsätzlich seien die diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Italien nach wie vor gut, fuhr der Vorsteher des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) fort. Auch der italienische Botschafter in Bern, Gian Lorenzo Cornado, bezeichnete die Beziehungen mit der Schweiz abgesehen von der Behandlung der Brandkatastrophe als »in allen Bereichen ausgezeichnet«, wie Adnkronos am Dienstag schrieb.
Der Schweiz fehle es nicht an Menschlichkeit, aber sie neige sicherlich stärker »zu einem bürokratischen Ansatz«, zitierte die italienische Nachrichtenagentur Adnkronos Cornado. Dieser hatte sich in »La Matinale« des Westschweizer Radios RTS zur Schweizer Entscheidung bezüglich der Spital-Rechnungen geäussert. Cornado sagte, er habe sich zum Sprecher des »Empfindens der Familien" gemacht, die von der Tragödie von Crans-Montana betroffen seien.
Bei dem Brand in der Silvesternacht in Crans-Montana waren 41 Menschen ums Leben gekommen, 115 weitere wurden teilweise schwer verletzt. Unter den Toten befanden sich auch sechs italienische Jugendliche.
(AWP)
