Russland hat angekündigt, vom 1. Mai an die Durchleitung von Öl aus dem zentralasiatischen Kasachstan durch die Pipeline Druschba nach Deutschland und damit zur Raffinerie PCK im Nordosten Brandenburgs zu stoppen. Eine Taskforce mit Vertretern der Landesregierung, des Bundes und der Raffinerie beriet am Vormittag in einer Videoschalte über die Folgen. Seit Tagen wird nach alternativen Öl-Mengen und anderen Lieferwegen gesucht, um einen Ausfall von kasachischem Öl zu ersetzen.
Neun von zehn Autos in Berlin und Brandenburg fahren mit Sprit aus der Raffinerie PCK, die rund 1.200 Beschäftigte hat. Auch Flugzeug-Kerosin und Bitumen für die Bauindustrie wird hergestellt.
Bisher liegt die Auslastung der Raffinerie bei rund 90 Prozent, wie es zuletzt immer wieder hiess. Das Öl aus Kasachstan gilt bisher als unerlässlich für die Absicherung und Wirtschaftlichkeit der Raffinerie. Der Anteil macht nach Angaben der Landesregierung rund 20 Prozent der gesamten Rohöl-Menge der PCK aus.
Woidke: Zeit im Mai für Beschaffung alternativer Öl-Mengen nutzen
Die Zeit im Mai müsse genutzt werden, um alternative Öl-Mengen als Ersatz für das Druschba-Öl aus Kasachstan zu bekommen, sagte Woidke. Es gebe «sehr gute Gespräche», vor allem mit der polnischen Seite. Es werde erwogen, die Öl-Mengen über den Hafen in Danzig zu steigern. «Alle arbeiten mit Hochdruck daran, eine gute Lösung zu finden», so der Regierungschef. «Wir werden auch dieses Problem lösen.»
Bundeswirtschaftsministerin Reiche am 11. Mai bei PCK erwartet
Auch der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Frank Wetzel, sagte laut Mitteilung aus der Staatskanzlei in Potsdam: «Die Bundesregierung flankiert die PCK derzeit engagiert dabei, entfallende Rohöllieferungen über alternative Bezugswege zu ersetzen. Dazu gehören insbesondere Gespräche, wie schnell zusätzliche Lieferungen über Danzig erreicht werden können.» Am 11. Mai will Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) PCK besuchen, wie Ministerpräsident Woidke ankündigte.
Kasachstan will Druschba-Öl über russische Häfen verschiffen
Kasachstan will zudem nach offiziellen Angaben 260.000 Tonnen Öl, die für die Raffinerie Schwedt bestimmt waren, wegen der Probleme an der Druschba-Pipeline über russische Ölhäfen umleiten. «100.000 Tonnen gehen über Ust-Luga und 160.000 Tonnen über das System des Kaspischen Pipeline-Konsortiums», sagte eine Vertreterin des kasachischen Energieministeriums der Nachrichtenagentur Kazakhstan Today zufolge.
Ust-Luga ist ein russischer Ölumschlaghafen in der Ostsee. Das Kaspische Pipeline-Konsortium betreibt eine Ölleitung, die von der Lagerstätte Tengiz im Nordwesten Kasachstans bis zum russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk führt. In beiden Fällen würde das Öl dann auf Schiffe verladen und auf dem Seeweg weiter transportiert. Sowohl Ust-Luga als auch Noworossijsk werden immer wieder von der Ukraine mit Drohnen attackiert, als Reaktion auf die russischen Angriffe auf das Land.
Unruhe bei PCK
Bei PCK wachsen Unsicherheit und Sorgen um die Zukunft. Seit Jahren hat die Raffinerie immer wieder mit Krisen zu kämpfen. Denn wegen des russischen Angriffskriegs entschied die Bundesregierung, ab 2023 auf russisches Pipeline-Öl zu verzichten. Die Raffinerie stellte auf andere Quellen um. So kommt auch Rohöl über eine Pipeline von Rostock nach Schwedt.
PCK gehört zu 54 Prozent deutschen Töchtern des russischen Staatskonzerns Rosneft, die der Bund wegen des Kriegs unter Treuhandverwaltung gestellt hat. 2025 verarbeitete das Unternehmen nach eigenen Angaben 10 Millionen Tonnen Rohöl am Standort Schwedt./mow/DP/jha
(AWP)
