100 Tage im Amt - US-Aktien: Das sind die Gewinner und Verlierer der Biden-Milliardenpläne

Ganze Branchen dürften von den Milliardenhilfen der US-Regierung profitieren. Wie stark, wird debattiert. Dafür könnte die Flut von Staatsgeld die Fed-Geldpolitik stark betreffen.
29.04.2021 14:00
Von Marc Forster
Joe Biden spricht zu Kongressmitgliedern, die in der Ratskammer social distanting einhalten müssen.
Joe Biden spricht zu Kongressmitgliedern, die in der Ratskammer social distanting einhalten müssen.
Bild: imago images / MediaPunch

Im Zentrum der Diskussionen um Gewinner und Verlierer am Aktienmarkt stehen nach Einschätzung der Nachrichtenagentur Bloomberg vor allem Bauunternehmen, der Gesundheitssektor, Banken sowie Vermögensverwalter. Präsident Joe Biden, der nach 100 Tagen Amtszeit mit seinem Plänen am gestrigen Mittwochabend vor den Kongress getreten ist, will eine weitere Billion Staatsausgaben tätigen und 800 Milliarden Dollar Steuererleichterungen etwa für Familien gewähren.

Die von Biden angestossenen oder geplanten Programme belaufen sich inzwischen auf ein Volumen von sechs Billionen Dollar, gestreckt über zehn Jahre. Wie schon seit der Wahl Bidens im vergangenen November immer wieder diskutiert worden ist, dürften Infrastrukturfirmen wie die Bau- und Baumaschinenunternehmen Caterpillar, Johnson Controls, Vulcan Materials oder Carrier Global weiterhin profitieren.

Angesichts der Coronaviruspandemie will Biden die USA zum "Impfstoff-Lager" der Welt ausbauen, was Pharmafirmen wie Pfizer, Moderna, Johnson&Johnson, Novavax oder Merck ins Zentrum rückt. Allerdings will der Demokrat Biden auch die "empörend" hohen Medikamentenpreise senken.

 

 

Mehr profitieren könnten "grüne" Investments dank Infrastrukturausgaben, die sich gezielt auf auf die Bekämpfung von Klimaschäden ausrichten: Neben den bekannten Nutzniessern Tesla oder Nikola Motors nennt Bloomberg auch den Elektrolieferwagen-Hersteller Workhorse oder unter anderem Sunnova und SunPower aus der Welt der Energiegewinnung mit erneuerbaren Ressourcen.

Ein spezifischer Verlierer nach der Biden-Rede können Waffenfirmen sein: American Outdoor Brands oder Smith&Wesson könnten Bemühungen, die Waffengesetze in den USA zu verschärfen, zu spüren bekommen. Allerdings haben Bidens Vorgänger das private Waffentragen in den USA nie wirklich massiv einschränken können - wenn sie es denn tatsächlich wollten.

Banken kurzzeitig unter Druck

Finanziert werden sollen die Milliardenausgaben und Steuererleichterungen für Familien mit Steuern auf Finanzmarktgeschäfte und hohe Privatvermögen. Der Spitzensteuersatz beim Einkommen soll von 37 auf 39,6 Prozent steigen und nun auch für Kaptialgewinne gelten. Der Bankensenktor wurde an der Börse aber nur kurzzeitig belastet, nachdem am 22. April die Kapitalsteuerpläne schon durchsickerten. Neben in Europa weniger bekannten Finanzdienstleistern nennt Bloomberg das Brokerhaus Charles Schwab, das es zu beobachten gelte.

Der KBW-Banken-Index innerhalb der vergangenen vier Wochen zeigt einen kurzen Taucher in der Kalenderwoche 16 (senkrechte Linie; Grafik: Bloomberg).

Zu reden geben dürften auch Pläne, die Carried Interest Provision zu kippen, also eine Steuererleichterung bei Gewinnbeteiligungen von Fondsmanagern. Für Beteiligungsgesellschaften wie Blackstone, Carlyle Group oder KKR wäre dies sicherlich ein Thema. Weil umgekehrt Universitäten und Studierende von den Staatsausgaben und gebührenfreien Studienjahren profitieren dürften, könnten die Biden-Pläne auch Studienkreditbanken wie SLM helfen, besser bekannt als "Sallie Mae". Einen Erlass von Studienschulden sieht Biden nicht vor.

Wie weit stemmen sich Republikaner dagegen?

Über die Wirkung der Steuerpläne wird allerdings gestritten. "Ja, die Biden-Administration könnte eine gewisse Erhöhung bei bestimmten Steuern erreichen, aber ich denke nicht, dass es annähernd so viel wird, wie vorgeschlagen worden ist", schreibt Kristina Hooper, Strategiechefin bei der Anlagegesellschaft Invesco. Die Diskussion über höhere Steuern werden aber zu Volatilität bei den Aktien führen.

Gewiss ist auch, dass die Finanzindustrie versuchen wird, sich trotz steigender Steuern gewisse Vorteile zu sichern. Dabei dürften sie sich insbesondere auf die Republikaner stützen, ohne deren Zustimmung ein Teil der Biden-Pläne nicht umgesetzt werden kann. 

«Starker Staat in den USA mittlerweile erwünscht»

Inweit die oppositionellen Republikaner in der US-Politik Biden Pläne zu stoppen versuchen, ist ebenfalls ein Diskussionspunkt. "In der US-Bevölkerung hat der Wind gedreht. Ein starker Staat ist mittlerweile – und gerade in Zeiten der Pandemie – erwünscht", schreibt die VP Bank in einem Kommentar. Dies zeigten Umfragen.

"Die Republikaner wissen um die Stimmung in der US-Bevölkerung. Pläne der Demokraten werden deshalb nicht grundsätzlich torpediert, sondern es werden Gegenvorschläge präsentiert", so VP-Bank-Chefökonom Thomas Gitzel. 

Die enormen Finanzmittel für die Wirtschaft könnten aber noch andere Auswirkungen haben. Wie Gitzel argumentiert, dürften die Pläne das Wirtschaftswachstum stark stützen und die Steuererleichterungen für Familien den Konsum ankurbeln. Damit würden die Anleihenkäufe der Notenbank Federal Reserve immer weniger gut zu rechtfertigen. Eine Reduktion der Wertpapierkäufe liege im Bereich des Möglichen.

 
Aktuell+/-%
Caterpillar Rg206.75-2.73%
Vulcan Materials Rg179.99-1.43%
Moderna Rg353.60+2.30%
Merck Rg76.87-0.08%
Novavax Rg179.33-2.54%
Johnson&Johnson Rg172.20+0.01%
Merck I172.65+0.23%
Pfizer Rg42.81+0.05%
Tesla Rg687.20+1.45%
Nikola Rg11.870-1.33%
Sunpower Rg24.77+0.57%
KKR & Co Rg63.76-0.08%
Blackstone Res N3.660-2.14%
The Blackstone Rg115.27-1.23%
The Carlyle Grp Rg50.47+0.70%
Charles Schwab Rg67.95-0.90%
VP Bank -A- N107.80-0.37%

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