Aktionäre - Diese Firmen schütten auch 2018 wieder steuerfreie Dividenden aus

Bei den ersten Schweizer Firmen sind die Kapitaleinlagereserven erschöpft und keine steuerbefreite Dividenden mehr möglich. Eine Studie zeigt, bei welchen Unternehmen sich Aktionäre aber weiterhin freuen dürfen.
08.09.2017 10:30
Von Lorenz Burkhalter
Die Grossbank UBS entrichtet den Aktionären seit Jahren steuerbefreite Ausschüttungen.
Die Grossbank UBS entrichtet den Aktionären seit Jahren steuerbefreite Ausschüttungen.
Bild: cash

Seit Inkrafttreten der "Unternehmenssteuerreform II" im Januar 2011 ist es Schweizer Unternehmen möglich, den Aktionären steuerbefreite Dividenden in Form einer Ausschüttung aus den sogenannten Kapitaleinlagereserven auszurichten. Grosskonzerne wie die UBS, ABB oder die Zurich Insurance Group haben davon in den letzten Jahren denn auch regen Gebraucht gemacht.

Nun sind die Kapitaleinlagereserven allerdings bei ersten Unternehmen erschöpft, wie eine in diesen Tagen erschienene Studie der Credit Suisse zu diesem Thema zeigt. Das ist sowohl bei Zurich als auch bei ABB der Fall, weshalb bei diesen beiden Firmen keine für den Privatanleger steuerfreie Ausschüttung mehr erwartet werden darf.

Der Studie zufolge werden kommenden Frühling von den 30 im viel beachteten Swiss Leaders Index (SLI) vertretenen Firmen nur noch Aryzta, Clariant, Credit SuisseJulius Bär, LafargeHolcim und UBS eine steuerbefreite Dividende auszahlen.

Gut für den Privatanleger, schlecht für den Fiskus

Auf den sattesten Kapitaleinlagereserven sitzt aus heutiger Sicht Leonteq. Bei gleichbleibender Dividende kann der Anbieter von strukturierten Produkten noch während gut 42 Jahren von seinen Einlagereserven zehren. Beim Backwarenhersteller Aryzta sprechen wir immerhin noch von 39 Jahren, beim Vermögensverwalter EFG International von knapp 31 Jahren und bei LafargeHolcim von 16 Jahren.

SLI-Unternehmen auf einen Blick (KER = Kapitaleinlagereserven)

Unternehmen Dividende 2017* Rendite* Gedeckt durch KER
ABB 0,80 Franken 3,6 Prozent 2 Prozent
Adecco 2,32 Franken 3,3 Prozent 0 Prozent
Aryzta 0,36 Franken 1,2 Prozent 100 Prozent
Bâloise 5,40 Franken 3,5 Prozent 0 Prozent
Clariant 0,50 Franken 2,2 Prozent 100 Prozent
Credit Suisse n.a. n.a. n.a.
Dufry n.a. n.a. n.a.
Geberit 10,50 Franken 2,4 Prozent 7 Prozent
Givaudan 58 Franken 3 Prozent 1 Prozent
Julius Bär 1,40 Franken 2,6 Prozent 100 Prozent
Kühne + Nagel 5,77 Franken 3,3 Prozent 1 Prozent
LafargeHolcim 2,05 Franken 3,6 Prozent 100 Prozent
Lindt & Sprüngli 95 Franken 1,4 Prozent 6 Prozent
Lonza 2,85 Franken 1,2 Prozent 51 Prozent
Nestlé 2,40 Franken 3 Prozent 0 Prozent
Novartis 2,86 Franken 3,5 Prozent 3 Prozent
Partners Group 16,04 Franken 2,6 Prozent 0 Prozent
Richemont 1,80 Franken 2,1 Prozent 0 Prozent
Roche 8,52 Franken 3,5 Prozent 0 Prozent
Schindler 3,30 Franken 1,6 Prozent 0 Prozent
SGS 72 Franken 3,4 Prozent 0 Prozent
Sika 114,45 Franken 1,7 Prozent 0 Prozent
Sonova 2,53 Franken 1,6 Prozent 11 Prozent
Swatch Group 7,15 Franken 1,9 Prozent 0 Prozent
Swiss Life 13 Franken 3,8 Prozent 57 Prozent
Swiss Re 5,20 Franken 6 Prozent 0 Prozent
Swisscom 22 Franken 4,5 Prozent 2 Prozent
UBS 0,65 Franken 4,1 Prozent 100 Prozent
Vifor Pharma 2 Franken 2,1 Prozent 0 Prozent
Zurich Insurance 17,65 Franken 6,2 Prozent 11 Prozent

* Schätzungen (Quelle: Credit Suisse)

Möglich macht dies die im Februar 2008 vom Schweizer Stimmvolk beschlossene und knapp drei Jahre später eingeführte Unternehmenssteuerreform. Im Rahmen dieser Reform wurde das Nennwertprinzip durch das Kapitaleinlageprinzip - auch Agio genannt - ersetzt.

Das Agio ist der Betrag, der bei der Ausgabe von Aktien über dem Nennwert liegt. Ein Beispiel: Beträgt der Ausgabepreis einer Aktie 100 Franken und der Nennwert 10 Franken, so beläuft sich das Agio auf 90 Franken. Sofern diese 90 Franken nach 1996 gebildet worden sind, dürfen sie den Aktionären steuerfrei aus den Kapitaleinlagereserven zurückbezahlt werden.

Dividende ein entscheidender Erfolgsfaktor

So weit, so gut. Doch entgehen dem Schweizer Fiskus in diesem Zusammenhang Steuereinnahmen in geschätzter Höhe von 40 Milliarden Franken. Es überrascht deshalb nicht, formiert sich angesichts der in diesen Tagen anlaufenden Anhörungen für eine Neuauflage der Anfang Jahr vom Stimmvolk abgeschmetterten Unternehmenssteuerrevision politischer Widerstand gegen steuerbefreite Dividenden.

Statistiken zufolge tragen Dividendenzahlungen je nach Betrachtungszeitraum zwischen 50 und 60 Prozent zur langfristigen Gesamtrendite von Aktien bei. Kommt dazu, dass von Ausschüttungen aufgrund ihrer geringen Schwankungsanfälligkeit ein stabilisierender Effekt auf die Gesamtrendite ausgeht. Das macht die Dividende aus Anlegersicht zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor.