Hügli meint

Anlagen und Vorsorge - Die Schweizer sind Aktienmuffel – das darf nicht sein

Nur rund ein Fünftel der Schweizer Bevölkerung besitzt und handelt Aktien. Der Anteil stagniert seit 15 Jahren. Höchste Zeit für ein Umdenken.
19.02.2019 20:52
Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: Geri Born

Man kann es nicht oft genug betonen: Fast alle Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz sind Aktionäre. Über die Investitionen unserer Sozial- und Vorsorgewerke sind wir indirekt alle Miteigentümer von Firmen im In- und Ausland. Leider ist diese Tatsache in der Bevölkerung viel zu wenig verbreitet.

Kaum verbreitet ist auch der direkte Besitz von Aktien der Schweizer Bevölkerung. Rund 20 Prozent oder weniger sind es. Das besagen wenige, aber regelmässig durchgeführte Studien. Auch die am Dienstag veröffentlichte Umfrage von Moneyland, wonach 20 Prozent der Schweizer mit Wertschriften handelt, belegt diese Zahlen aufs Neue.

20 Prozent. Das ist erdrückend wenig. Und die Zahl hat sich seit 15 Jahren nicht mehr verändert. Schlimmer noch: Sie ist im Vergleich zur Jahrtausendwende gar gesunken. Damals hielt fast jeder dritte Bewohner der Schweiz Aktien (siehe dazu den Artikel hier).

Zeitmangel wird in den Umfragen als Hauptgrund für das Abseitsstehen der Schweizerinnen und Schweizer bei Aktien genannt. Eine Ausrede, wie ich meine. Vielmehr sind die fehlende Risikobereitschaft, mangelndes Finanzwissen und Interesse - oder verlorengegangenes Vertrauen in das Finanzsystem verantwortlich dafür, dass die Schweizer Aktienmuffel sind.

Die Bevölkerung muss die Angst vor Aktien verlieren. Den Leuten muss bewusster werden, dass an den Börsen nicht nur kurzfristige Schwankungen und Crashes passieren. Politiker sollen keine dümmlichen Äusserungen mehr von sich geben, wonach Börsen ein Casino seien. Auch Pensionkassen und die AHV wären demnach Gambler und Zocker.

Nein, Aktienmärkte müssen positiv konnotiert sein. Schweizerinnen und Schweizer müssen die langfristigen Perspektiven der Aktienanlagen erkennen. Das heisst: An den Börsen sind mit den richtigen, das heisst zumeist langweiligen Investitionen langfristige Wertsteigerungen möglich. Und es muss klarer werden, dass die Bedeutung der Selbstvorsorge in den nächsten Jahren und Jahrzehnten eklatant zunehmend wird. Dies in einer Zeit, in welcher die Zinsen - traditionell der finanzielle Rückhalt für Sparer - kaum je wieder auf ihre früheren Niveaus klettern werden. Summa summarum: Das Aktiensparen ist heute notwendiger denn je.