"Die Konjunkturrisiken sind aufgrund der Energiekrise und der geldpolitischen Straffung durch die Zentralbanken noch einmal gewachsen", warnt Norman Villamin, Chef-Anleger der Vermögensverwaltung der Privatbank UBP. Da sich die erwarteten weiteren Zinserhöhungen noch nicht angemessen in den Kursen widerspiegelten, halte er weitere Rückschläge an den Aktienmärkten für wahrscheinlich.
Darüber hinaus fordere der Ukraine-Krieg seinen Tribut, sagt William Davies, Chef-Anleger des Vermögensverwalters Columbia Threadneedle. "Das geopolitische Umfeld hat die Märkte weltweit volatiler gemacht und macht eine Rezession in den USA und Europa noch in diesem Jahr wahrscheinlicher." In den vergangenen fünf Tagen büsste der Dax mehr als 3,5 Prozent ein. Der Swiss Market Index (SMI) hat auf Wochensicht sogar knapp 4,5 Prozent verloren.
Hebt der Porsche-Börsengang die Stimmung?
"Bei all der gedrückten Stimmung und den hereinbrechenden schlechten Nachrichten sollten Investoren aber nicht den Fehler machen und ihr Handeln an der aktuellen Lage orientieren", warnt Analyst Jens Herdack von der Weberbank. Schliesslich werde an der Börse die Zukunft gehandelt, weshalb die Kurse oft schon wieder stiegen, bevor die Konjunktur ihre Talsohle erreicht habe.
Einen Schub für die Anlegerstimmung erhoffen sich Börsianer vom geplanten Börsengang des Sportwagenbauers Porsche. Die Papiere der Volkswagen-Tochter sollen am Donnerstag erstmals auf den Kurszetteln erscheinen. Bei einem Emissionsvolumen von bis zu 9,4 Milliarden Euro bestehe die Chance, dass Porsche bereits im Dezember seinen Grossaktionären VW und Porsche SE im Dax Gesellschaft leisten werde, sagt Analyst Sebastian Marland vom Finanzdienstleister AFS. Den Banken zufolge übersteigt die Nachfrage nach den neuen Papieren bereits jetzt das Angebot um ein Vielfaches. Analysten zufolge könnte ein erfolgreiches Debüt von Porsche zudem die Initialzündung für weitere Börsengänge sein.
Zahlreiche Konjunkturdaten voraus
Daneben rollt eine Flut von Konjunkturdaten auf die Anleger zu. Den Zahlenreigen eröffnet am Montag der Ifo-Index, der die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen widerspiegelt. Analysten erwarten einen Rückgang auf 87 Punkte von 88,5 Zählern. Zwei Tage später gibt der GfK-Index Auskunft über die Kauflaune der deutschen Verbraucher. Er hat sich voraussichtlich auf minus 39 Punkte verschlechtert. Am Donnerstag stehen vergleichbare Barometer auf europäischer Ebene auf dem Terminplan.
Vor dem Hintergrund der jüngsten drastischen Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) richten Anleger ihre Aufmerksamkeit zudem auf die Zahlen zur Teuerung in Deutschland (Donnerstag) und der Euro-Zone (Freitag) im September. "Im Euroraum dürfte die Inflationsrate auf 9,9 Prozent gesprungen sein, in Deutschland dürfte sie sogar bereits zweistellig gewesen sein", prognostiziert Commerzbank-Analyst Weil. "Preistreiber waren einmal mehr Energie und Nahrungsmittel."
Zum Abschluss der Börsenwoche sind die Einzelhandelsumsätze für August aus Deutschland und den USA an der Reihe. Erstere sind im Monatsvergleich voraussichtlich um ein Prozent zurückgegangen, während Letztere wohl 0,2 Prozent zugelegt haben. Die Kauflaune der US-Verbraucher gilt als Hauptstütze der weltgrössten Volkswirtschaft.
(Reuters/cash)

1 Kommentar
Europa kann nur noch stärker in die Bredouille geraten, nur weiter so und weiter Waffen in die Ukraine liefern. Der Westen richtet sich selbst zugrunde. Hoffentlich kommt ein sackstarker Winter.....