«Appetit auf Gold wird wieder zunehmen»

Der Edelmetall-Experte Ian McAvity beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Goldpreisentwicklung. Im cash-Interview sagt er, weshalb Gold wieder teurer wird. Und er nennt die attraktiven Goldminenaktien.
11.02.2014 01:00
Interview: Frédéric Papp
Ian McAvity, Direktor des Central Funds of Canada, analysiert seit über 40 Jahren die Finanzmärkte.
Bild: cash

cash: Das Marktsentiment für Gold ist seit längerem 'bearish'. Wird Gold noch weiter fallen?

Ian McAvity: In den vergangenen drei Monaten waren so wenige Investoren 'bullish' auf Gold wie seit 2001 nicht mehr. Ich glaube aber, wir haben das Schlimmste hinter uns. Gold hat sich über die Jahreswende stabilisiert, und der Appetit auf Gold wird im laufenden Jahr zunehmen.

Auf welchem Niveau findet der Goldpreis einen Boden?

Die gesamten Produktionskosten liegen zwischen 1200 bis 1250 Dollar die Unze. Sinkt der Preis unter die Produktionskosten, wird auch das Angebot knapper, sprich die Goldminenunternehmen streichen Projekte. Dies ist derzeit der Fall. Fundamental betrachtet ist dies mit ein Grund, weswegen der Goldpreis bei 1200 Dollar einen Boden ausbildet.

Wird dieser halten?

Davon gehe ich aus. Wir brauchen aber etwas mehr Hinweise, damit Gold denn Boden nachhaltig hinter sich lässt.

Die wären?

Charttechnisch wären Kurse zwischen 1320 bis 1350 Dollar hilfreich. Fundamental und politisch zeichnen sich immer mehr Gründe ab, die Gold mittelfristig stützen dürften. So sind die Währungen in den Schwellenländern Argentinien, Türkei oder Thailand stark unter Druck, und in der Ukraine brodelt es gefährlich.

Viele Anlageprofis sagen aber, es handle sich dabei nur um kleine Buschfeuer.

Genau das ist trügerisch. Denn die Geschichte zeigt, dass es sich rasch zu einem Flächenbrand ausbreiten kann. Bisher war in allen grossen Finanzkrisen Argentinien involviert – und siehe da, auch diesmal ist Argentinien mit von der Partie. Hinzu kommt ein gefährlicher Abwertungswettlauf bei den Währungen.

Vor allem Japan ist Hauptplayer in diesem Spiel.

In den letzten zwölf Monaten hat der Yen gegenüber dem Euro zirka die Hälfte seines Wertes eingebüsst. Dies verzerrt den globalen Wettbewerb massiv. Darüber wird aber nicht viel gesprochen. Es lassen sich Parallelen zur Krise in den 1930er Jahren ziehen. Die 'Grosse Rezession' wurde angefacht durch einen Abwertungswettbewerb von Währungen diverser Länder, um die Exportwirtschaft zu stärken. Und genau dies passiert jetzt auch wieder.

Und dies wird Gold Auftrieb geben?

Davon bin ich überzeugt. Die Leute werden realisieren, dass Gold die ultimative Form des Geldes ist. Denn Gold kennt keine Gegenparteienrisiken.

Wie beurteilen Sie die Rolle der Zentralbanken?

Die Verantwortlichen sagen, die Finanzkrisen von 2007 und 2009 seien vorbei. Doch dies ist nicht der Fall. Die Ramschpapiere zirkulieren immer noch im System. Und alle diese Papiere liegen noch auf den Bankbilanzen. Die schlechten Hypothekarpapiere in den USA im Umfang von einer Billion US-Dollars sind nicht verschwunden, Deutschland plant nun den dritten Bail-out der griechischen Schulden. Und was genau mit Zypern passiert, bleibt ungewiss.

In Zypern wurden die Sparer zu gewöhnlichen Kreditgebern gemacht.

Und dieses Modell will man als allgemeingültig erklären. So hat das dänische Finanzministerium das Zypern-Modell als Vorlage für den Rest der Welt vorgeschlagen, auch die G20-Mitglieder gehen in diese Richtung. Dies ist eine sehr ungemütliche Situation für die Anleger.

Was raten Sie somit Anlegern? Soll man Gold-Investments aufbauen?

Es ist abhängig davon, wie viel Risiko Anleger auf sich laden wollen. Gold zum Beispiel ist im Vergleich zu Silber weniger volatiler, die Goldminenaktien sind am volatilsten. Angenommen, Sie haben keinerlei Positionen, dann würde ich Ihnen zu einem Drittel Gold, Silber oder Goldminenaktien raten, eben abhängig von ihrem Risikoprofil. Tiefere Goldpreise würde ich für Zukäufe nutzen.

Sie sprachen Goldminen-Aktien an. Mit diesem haben Anleger aber in den letzten Jahren nur verloren.

Es kommt darauf an, in welche Titel man investiert war. Fakt ist, dass sie derzeit so billig sind wie zuletzt in den 1930er Jahren. Ein Positionsaufbau ist somit günstig.

Dazu raten Goldexperten seit längerem. Dennoch haben Anleger bislang vor allem nur Geld verloren.

In der Tat haben die Aktionäre das Vertrauen in diesen Sektor verloren, weil die Unternehmen ihre Aktionäre in der Vergangenheit schlecht behandelt hatten. Das hat sich nun aber geändert. Hinzu kommt, dass die Unternehmen oftmals in geopolitisch unsicheren Regionen nach Goldvorkommen suchten. Dies ist teils heute noch der Fall. Hinzu kam auch eine Alternative für Goldanleger.

Sie meinen die börsenkotierten Indexfonds, kurz ETF.

Genau. Mit ETF ist es für Anleger einfacher geworden, direkt in physisches Gold anzulegen, ohne dabei operative Risiken in Kauf zu nehmen.

In welche Goldminenaktien sind Sie denn investiert?

Ich möchte nicht über mein Portfolio sprechen. Nur so viel: Ich bin vor allem in kleinen, sehr spekulativen Unternehmen investiert. Die grossen Gesellschaften meide ich tendenziell.

Welche mögen Sie nicht und weshalb?

Barrick Gold zum Beispiel ist überall auf der Welt tätig, auch in geopolitisch unsicheren Regionen. Und Newmont operiert nach dem Prinzip: 'Wir richten uns nach dem Wind aus, so wie er gerade bläst'. Dies ist in der Regel keine nachhaltige Strategie.

Und welche mögen Sie?

Goldcorp. Das Unternehmen hat den Grossteil der Reserven in Kanada. Dasselbe gilt für das deutlich kleinere Unternehmen Agnico-Eagle Mines.

Im cash-Video-Interview äussert sich Ian McAvity über die Faszination des Goldes und weshalb die Chartanalyse nicht nur bei der Prognose von Edelmetallpreisen eine wichtige Rolle einnimmt.

Ian McAvity (70) ist seit mehr als 40 Jahren in der Finanzwelt als Banker, Broker und unabhängiger Berater tätig. Er ist spezialisiert auf die technische Analyse der Edelmetall-, Aktien- und Devisenmärkte. Seit 1983 ist er Direktoriumsmitglied des Central Fund of Canada, der 3,2 Milliarden kanadische Dollar schwer ist.

Das Interview wurde letzte Woche am Rande einer Veranstaltung der Schweizer Chartanalystenvereinigung SAMT (Swiss Association of Market Technicians) geführt.