"IAEA-Experten am Atomkraftwerk Saporischschja beobachten die Situation genau", teilte Grossis Behörde auf Twitter mit. "Keine unmittelbare Gefahr am Kraftwerk." Auch ein Sprecher des russischen Atomkonzerns Rosenergoatom sagte der Agentur Interfax, das AKW - das ebenso wie der Kachowka-Staudamm am Fluss Dnipro liegt - sei nicht betroffen.

Wegen des Dammbruchs fällt laut Grossi der Wasserstand in einem Reservoir für die Kühlsysteme, die ein gefährliches Überhitzen der Reaktorkerne und des Atommülls in Saporischschja verhindern. Das Wasser aus dem Reservoir reiche noch für "einige Tage". Ausserdem stehe ein Kühlbecken neben dem AKW-Gelände zur Verfügung, das weiteres Wasser für einige Monate enthalte.

"Es ist daher unerlässlich, dass dieses Kühlbecken intakt bleibt", warnte Grossi. "Es darf nichts geschehen, was seine Unversehrtheit potenziell gefährden könnte", appellierte er an Kiew und Moskau. Grossi kündigte an, das AKW nächste Woche erneut zu besuchen. Seit September sind eine Handvoll IAEA-Experten permanent als neutrale technische Beobachter in Saporischschja stationiert.

Auch der ukrainische Atomkonzern Enerhoatom sah den Betrieb des Atomkraftwerks durch die Zerstörung des Staudamms nicht gefährdet. "Wir schätzen die Lage nicht als kritisch ein, da das AKW Saporischschja über ein eigenes Kühlbecken verfügt, das nicht mit dem Kachowka-Stausee verbunden ist", sagte Enerhoatom-Leiter Petro Kotin in einem Fernsehinterview.

Beide Kriegsparteien hatten am frühen Dienstagmorgen schwere Schäden am Staudamm sowie am Wasserkraftwerk von Nowa Kachowka im von Russland besetzten Teil des Gebiets Cherson gemeldet. Die Ukraine beschuldigte Russland, den Damm gesprengt und so eine mögliche Überschwemmungskatastrophe in Kauf genommen zu haben. Moskau wies das zurück und warf im Gegenzug ukrainischen Truppen vor, die Anlage beschossen zu haben. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden./haw/DP/jha

(AWP)