Auch diesen Firmen droht eine Aktionärsklatsche

Julius Bär und Actelion haben mit ihren Managerlöhnen vor den Aktionären Schiffbruch erlitten. In den nächsten Tagen wird der Unmut der Shareholder weitere Unternehmen treffen. Vor allem zwei Firmen stehen im Fokus.
22.04.2013 06:57
Von Pascal Meisser
Dem Lebensversicherer Swiss Life droht bei der Abstimmung zum Vergütungsbericht eine Niederlage.
Dem Lebensversicherer Swiss Life droht bei der Abstimmung zum Vergütungsbericht eine Niederlage.
Bild: Bloomberg

Bei der Bank Julius Bär lehnten über zwei Drittel der Aktionäre die hohen Bezüge der Top-Manager ab. Etwas weniger deutlich fiel das Verdikt bei der Biotechfirma Actelion aus: 60 Prozent Nein-Stimmen standen 40 Prozent Befürwortern gegenüber. Peinlich wars allemal.

Und beinahe hätte der Unmut der Anteilseigner auch einen dritten Vertreter aus dem Swiss Market Index, der die 20 grössten Schweizer Unternehmen vereint, getroffen. Der Sanitärtechniker Geberit schrammte bei der Abstimmung zum Vergütungsbericht mit einem Nein-Anteil von 48 Prozent haarscharf an einer roten Karte vorbei. 

Zwei Unternehmen droht eine Klatsche

Bereits diese Woche geht die Zitterpartie weiter. Alleine in den kommenden zehn Tagen drohen fünf Unternehmen über die eigenen Bezüge zu stolpern. Die drei Schweizer Aktionärsvertreter Ethos, Actares und Z-Capital haben für die kommenden Generalversammlungen (GV) ihre Abstimmungsempfehlungen herausgegeben.

In ihrem Fokus stehen insbesondere Swiss Life (GV am 23. April) sowie die SMI-Firmen Syngenta (23. April), ABB, (25. April) sowie die Credit Suisse (26. April) und UBS (2. Mai). In der Kritik stehen unter anderem unübersichtliche Lohnsysteme, die verschiedene Bonuskomponenten enthalten, sowie das zu hohe Salärniveau für Führungsinstanzen.

Eine Klatsche droht vor allem zwei Fimen: Swiss Life und ABB. Beim Lebensversicherer stossen die Lohnbezüge bei den Aktionärsschützern auf Kritik. Obwohl der Gewinn des Unternehmens wegen der Wertberichtigung für die deutsche AWD-Tochter dramatisch implodierte, erhielt VR-Präsident Rolf Dörig 2012 einen unveränderten Lohn. Einzig das Salär von CEO Bruno Pfister wurde um 20 Prozent gekürzt.  

Auch bei ABB dürfte der Lohn von CEO Joe Hogan für Gesprächsstoff sorgen. Der Amerikaner erhielt 2012 erstmals mehr als 10 Millionen Franken Lohn. Damit gehört er in der Schweiz zu den höchstbezahlten Manager. Gleichzeitig wurde die Gesamtkompensation der Top-Manager wegen eines neuen Akquisitions-Vergütungsplans innerhalb von 12 Monaten von gut 37 auf nunmehr 52 Millionen Franken erhöht. 

Bei den übrigen Unternehmen wird nicht primär die Lohnhöhe kritisiert, sondern die grundsätzliche Gestaltung der Vergütungen. "Wünschenswert wäre, dass die diese transparenter und verständlicher werden", sagt Gregor Greber vom Vermögensverwalter Z-Capital. Er fordert von den Unternehmen, dass sich die Löhne endlich in beide Richtungen bewegten – nicht nur nach oben wie in der Vergangenheit. Greber glaubt, dass die bisherigen Ablehnungen weitere Aktionäre zu einem kritischen Votum ermutigen. "Wir befinden uns in einem eigentlichen Evolutionsprozess mündiger Aktionäre", sagt Greber.

Grossbanken im Visier der Grossaktionäre

Um einen Eklat herum kommen hingegen wohl die Grossbanken, die zwar zumindest in der Schweiz am meisten den kritischen Stimmen der Aktionärsvertreter ausgesetzt sind. Z-Capital und Actares haben beim Traktandum Vergütungsbericht bei beiden Banken die Nein-Parole herausgegeben. Und selbst die Anlagestiftung Ethos, die in der Regel ihr Stimmverhalten nicht publik macht, machte am letzten Freitag ihre Abstimmungsempfehlungen publik. Sie empfiehlt sowohl zu den CS- wie auch UBS-Vergütungen ebenfalls ein Nein.

Dennoch deutet derzeit alles darauf hin, dass sowohl die Credit Suisse als auch die UBS mit einem blauen Auge davon kommen. Die wichtigen angelsächsischen Organisationen Institutional Shareholder Service (ISS) und Glass Lewis haben bereits angekündigt, man wolle dem Vergütungsbericht zustimmen. Laut Glass Lewis hat vor allem UBS mit zahlreichen Verbesserungen beim Boni-System bei den Aktionärsberatern gepunktet. 

Inzwischen mischen sich selbst andere grössere Aktionäre in die Diskussion um die Manager-Bezüge ein. So liess sich Peter Bänziger, Anlagechef von Swisscanto, vergangene Woche in der Süddeutschen Zeitung zitieren, dass es vorstellbar sei, dass die Abstimmung zum Vergütungsbericht der UBS ähnlich ausgeht wie bei der Bank Julius Bär.

Minder-Effekt ist umstritten

Anstoss nimmt Bänziger vor allem an den so genannten Ersatzzahlungen, welche die UBS alleine 2012 an 203 Top-Manager überwiesen hatte. "Uns missfallen die Antrittsprämien", so Bänziger. Diese würden weder zur aktuellen Strategie der UBS passen noch zum Volkswillen, der sich bei der Minder-Initiative gezeigt habe. Swisscanto ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Kantonalbanken und gehört bei der UBS zu den 20 grössten Aktionären.

Ob der Minder-Effekt bei diesem Shareholder-Frühling tatsächlich eine Rolle spielt, ist selbst unter den Aktionärsschützern eher umstritten. "Die Ablehnung von Vergütungsberichten hat damit wenig zu tun", sagt Ethos-Sprecher Christophe Hans. Entscheidend seien die angelsächsischen Aktionärsvertreter gewesen. "Sie haben zwar Kenntnis von der Abzocker-Initiative. Ihnen geht es aber nicht in erster Linie um die Höhe der Chefsaläre, sondern um die Zusammensetzung der Löhne und die Verständlichkeit der Vergütungsberichte", sagt Hans.