Börse - Elf-Monatshoch: Franken-Rally zeigt Beliebtheit als Stagflation-Hedge

Die Stagflationsängste lassen den Franken auch gegenüber dem Euro erstarken. Das Inflationsmandat der Nationalbank und die Widerstandsfähigkeit der hiesigen Wirtschaft wirken als Treiber.
14.10.2021 15:10
Der Franken steht seit mehr als einem Jahrzehnt zum Euro unter Aufwertungsdruck
Der Franken steht seit mehr als einem Jahrzehnt zum Euro unter Aufwertungsdruck
Bild: imago images

Devisenhändler gehen zunehmend in den Schweizer Franken, um sich gegen das Risiko der Stagflation - hohe Inflation bei kaum oder keinem Wachstum - abzusichern. Der Franken steigt am Donnerstag auf den höchsten Stand gegenüber dem japanischen Yen seit Dezember 2015. Diese gilt wie der Franken als traditionelle Fluchtwährung in unsicheren Zeiten.

Die Dynamik der Wirtschaftserholung verlangsame sich weiter, begründete Sentix die Entwicklung. Dies gelte nicht nur für die Eurozone, sondern auch für andere grosse Regionen wie die USA oder Asien. Der Erholungsprozess gerate ins Stocken, wobei unklar sei, ob es sich um eine Trendwende oder eine konjunkturelle Verlangsamung handele.

Gegenüber dem Euro erreicht der Franken am Donnerstag ein 11-Monatshoch. Laut Händlern begann die Rally zum Euro am Donnerstag, als
grosse Optionsbarrieren in einem Bereich ausgelöst wurden, in dem die SNB in der Vergangenheit angeblich interveniert hatte.

Da die Schweizerische Nationalbank ein hartes Inflationsmandat hat, könnte sie eine Stärkung des Frankens als Schutz gegen importierte Inflation tolerieren. Dies wiederum bedeutet, dass eine wichtige Säule des Widerstands, die Währungsinterventionen der SNB, wegfallen könnten. Das könnte Anleger möglicherweise zu Franken-Longpositionen ermutigen. cash.ch hat hier darüber berichtet.

Der Eurokurs seit Anfang 2020 (Quelle: cash.ch).

Auch die Schweizer Wirtschaft stehe unter einem geringeren Kostendruck als der Rest des Kontinents. Weniger als 1 Prozent der Energie kommt aus fossilen Brennstoffen, und die Schweiz hat einen vernachlässigbaren Seehandel. Die Widerstandsfähigkeit der hiesigen Wirtschaft gegenüber steigenden Kosten könnte zu einer Ausweitung der realen Zinsdifferenz gegenüber der Eurozone führen.

Neben den Rohstoffwährungen zeigt die Schweizer Währung zudem die stärkste Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Dollar. Als Rohstoffwährung gilt beispielsweise der kanadische Dollar. Denn Kanada profitiert von seinen Ölsandvorkommen.

(Bloomberg/cash)