Donald Trump - Die US-Zwischenwahlen und ihre Folgen für die Börsen

In rund drei Wochen wählen die USA einen Teil des Senats und das Repräsentantenhaus neu. Welcher Wahlausgang hätte welche Auswirkungen an der Börse?
14.10.2018 18:10
Kuppel des Kapitol in Washington, wo der US-Kongress tagt.
Kuppel des Kapitol in Washington, wo der US-Kongress tagt.
Bild: Pixabay

Am 6. November werden in den USA ein Drittel des Senats und das gesamte Repräsentantenhaus neu gewählt. Umfragen zufolge könnten die Republikaner um Präsident Donald Trump die Mehrheit im Abgeordnetenhaus an die Demokraten verlieren.

Unabhängig davon müssten sich Investoren auf unruhige Zeiten einstellen, prognostizieren die Experten der Bank Marcard, Stein & Co. "Aus historischer Sicht gingen Jahre mit Zwischenwahlen oft mit einem Anstieg der Schwankungen an den Kapitalmärkten einher, wobei eine klare Richtung nicht auszumachen war."

Im Nachgang der US-Präsidentschaftswahl im November 2016 sah es dagegen anders aus. Hatte Trump davor noch als Börsenschreck gegolten, legte der Standardwerte-Index Dow Jones seither um fast 50 Prozent zu und eilte von Rekordhoch zu Rekordhoch. Seine bisherige Bestmarke erreichte er mit 25.916 Punkten Anfang September 2018.

Dem Dollar trauen Experten weitere Kursgewinne zu. Da die US-Wirtschaft auf Hochtouren läuft und quasi Vollbeschäftigung herrscht, hat die Notenbank Fed die Zinsen bereits mehrfach angehoben und wird dies wohl weiter tun, um eine Überhitzung der Konjunktur zu verhindern. Die Verunsicherung im Zusammenhang mit Trumps protektionistischer Handelspolitik bremst den Anstieg der Währung allerdings.

Welcher Wahlausgang hätte welche Auswirkungen an der Börse? Ein Überblick:

Demokraten erobern Mehrheit in einer Kammer des Kongresses

"Atmosphärisch würden die Märkte dies begrüssen", sagt Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. "Denn Trump ist ein Unsicherheitsfaktor." Genau dies könnte Dax, Dow Jones & Co aber auf Talfahrt schicken, warnt Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. "Ein demokratisch kontrolliertes Repräsentantenhaus könnte alles noch viel schlimmer machen. Wie ein Donald Trump, politisch so in die Enge getrieben, reagieren würde, ist schwer abzuschätzen."

Nach Einschätzung des Anlagestrategen Philip Marey von der Rabobank ist im Zollstreit mit China oder der EU nicht mit einem Einlenken Trumps zu rechnen. "Aussen- und Handelspolitik bleiben das Vorrecht des US-Präsidenten. Selbst wenn die Republikaner das Repräsentantenhaus oder den Senat verlieren, kann er seinen internationalen Konfrontationskurs fortsetzen."

Portfoliomanager Mark Dowding vom Vermögensverwalter BlueBay rechnet mit einer politischen Blockade in Washington. "Ein Präsident Trump als 'lame duck' (lahme Ente) wäre jedoch angesichts der vergangenen Turbulenzen nicht einmal das Schlechteste und würde den Finanzmärkten nicht schaden."

Mehrheitsverhältnisse bleiben weitgehend unverändert

Portfoliomanager Christian Buntrock vom Vermögensverwalter Solvecon-Invest rechnet mit einer Erleichterungsrally. Zum einen sinke die Gefahr einer politischen Blockade. Zum anderen steige die Wahrscheinlichkeit weiterer Steuererleichterungen. "Die Steuerpolitik steht für die Börsen im Vordergrund." Commerzbank-Experte Krämer schliesst dagegen eine vorübergehende negative Reaktion nicht aus, weil der erratische US-Präsident gestärkt aus der Wahl hervorgehe.

Republikaner bauen ihre Machtposition aus

"Die Diskussionen um eine vorzeitige Beendigung von Trumps Amtszeit wird das verstummen lassen", sagt Dekabank-Chefökonom Ulrich Kater. "Er wird so weiterregieren wie bisher." Grössere Kursausschläge seien daher nicht zu erwarten. Solvecon-Experte Buntrock sagt dagegen ähnlich wie bei einer Bestätigung der aktuellen Mehrheitsverhältnisse eine Erleichterungsrally voraus. Auch hier schöben Spekulationen auf weitere Steuersenkungen die Aktienkurse an.

Der Statistik zufolge können sich Investoren unabhängig vom Wahlausgang mittelfristig auf überdurchschnittliche Kursgewinne freuen, sagt Ökonom Matt Miller vom Vermögensverwalter Capital Group. Seit 1950 habe die Börse in den zwölf Monaten nach Zwischenwahlen im Schnitt 15 Prozent zugelegt. Das sei doppelt so viel wie in den Vergleichszeiträumen.

(Reuters)