IfW wirft deutscher Regierung unzureichende Corona-Hilfen vor

Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) hat der Bundesregierung unzureichende Hilfen für Unternehmen in der Corona-Krise vorgeworfen. "Die Politik hat sich verzettelt", sagte der Leiter des Prognosezentrums am IfW in Kiel, Stefan Kooths, der Deutschen Presse-Agentur. "Das Konjunkturprogramm hat 57 Positionen. Aus stabilisierungspolitischer Sicht ist es nicht zweckmässig, weil es nicht dort ansetzt, wo die Unternehmen die grössten Probleme haben."
26.07.2020 08:24

Sachgerecht wären aus Kooths Sicht vor allem Eigenkapitalhilfen in Form von Zuschüssen. "Jeder Monat ohne ausreichende Umsätze frisst sich ins Eigenkapital der Unternehmen." Dabei gebe es grosse Unterschiede. So sei die Bauwirtschaft wenig betroffen, Gastronomie oder Messebauer hingegen stark, und beim verarbeitenden Gewerbe einige Unternehmen gar nicht, andere enorm. "Die einzelnen Branchen sollten die Kosten nicht nach zufälliger Betroffenheit tragen müsse", forderte Kooths. "Vielmehr sollte es einen Lastenausgleich geben." Auch Teile des Exports seien weggebrochen.

Kooths kritisierte, dass die Koalition etwa mit der Mehrwertsteuersenkung auf Anreize für den Massenkonsum setze. Denn tatsächlich gebe es Kaufkraft - zurückgestaut durch die Shutdown-Massnahmen. "Die coronabedingte Zusatzersparnis beträgt rund 130 Milliarden Euro in diesem Jahr." Das sei die Höhe der sonst üblichen Konsumausgaben, "die wegen der Kontaktbeschränkungen nicht getätigt werden konnten"./bw/DP/zb

(AWP)