Weltweit erreicht die Inflation neue Höchststände. Dies hat auch die Europäische Zentralbank (EZB) dazu veranlasst, ihr zögerliches Verhalten abzulegen und die Leitzinsen kräftig zu erhöhen. Dies erlaubt auch der Schweizerischen Nationalbank (SNB) mehr Spielraum für höhere Zinsen. Doch bis diese bei den Sparkonten ankommen, dürfte noch einige Zeit vergehen.

Die SNB dürfte an der Lagebeurteilung in der kommenden Woche zu positiven Leitzinsen zurückkehren, heisst es in einer neuen Studie der UBS. Im Juni hatte die SNB erstmals seit 2007 die Leitzinsen angehoben, nämlich um 50 BP auf noch -0,25 Prozent. Nun sei auch ein Zinsschritt um 75 Basispunkte (BP) möglich.

Die EZB hatte im Juli erstmals seit Jahren den Leitzins um 50 BP erhöht und vergangene Woche mit weiteren 75 BP nachgedoppelt. Da die EZB zudem ihre Inflationsprognosen deutlich erhöht hat, dürfte es in den kommenden Monaten zu weiteren Zinsanhebungen kommen, schreibt UBS-Ökonom Alessandro Bee.

SNB dürfte Spielraum nützen

Die SNB werde den Spielraum, den ihr die EZB damit gegeben habe, wohl auch nutzen, sagt Bee. Denn wegen der hohen Inflationsdifferenz zwischen der Eurozone und der Schweiz sei der Franken kaum mehr überbewertet. Daher sei sogar ein Schritt von 0,75 Prozentpunkten möglich. Die SNB sieht inzwischen im starken Franken eine wirksame Massnahme im Kampf gegen die hohe Inflation. Diese war im August auf 3,5 Prozent gestiegen.

Im nächsten Frühjahr werde die SNB bei einem Niveau von 1,25 Prozent aber eine Zinspause einlegen, erwartet der UBS-Ökonom. Zum einen dürften dann auch die EZB und die US-Notenbank Fed eine Zinspause einlegen. Zum anderen sollte die SNB bis dann die Inflationsrisiken massgebend gemindert haben.

Trotz höherer Leitzinsen müssen sich Sparer noch gedulden

Doch trotz der Zinserhöhungen sieht die UBS wenig Potenzial für höhere Zinsen auf dem Bankkonto. Ein rascher Anstieg der Zinsen auf Einlageguthaben sei nicht zu erwarten. Während der letzten beiden Zyklen habe eine Anhebung der Leitzinsen um 2,5 Prozentpunkte zu einer Erhöhung der Sparzinsen um lediglich 0,5 Prozentpunkte geführt.

Zudem seien seit der Finanzkrise zusätzlich neue Liquiditätsvorschriften und schärfere Eigenmittelanforderungen hinzugekommen, die die Kosten für die Banken erhöhten. "Deshalb dürfte auch eine allfällige Verzinsung von Kontoprodukten für Unternehmen und institutionelle Anleger nicht so rasch zu erwarten sein", sagt Bee.

(AWP)