Angesichts der Belastungen für die Bundesbürger als Folge des Kriegs denkt in Deutschland SPD-Chef Lars Klingbeil darüber nach, wie Kriegsprofiteure stärker zur Kasse gebeten werden können. Die Bürger hingegen sollen möglicherweise weiter entlastet werden. Die Ampel-Koalition wolle angesichts steigender Preise noch vor der parlamentarischen Sommerpause über weitere Entlastungen entscheiden, sagte SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich dem Nachrichtenportal t-online.
Kein baldiges Kriegsende
Mehr als 100 Tage nach Kriegsbeginn ist ein baldiges Ende nicht in Sicht. "Das kann sich noch zwei bis sechs Monate hinziehen", sagte der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak in einem Interview mit dem oppositionellen russischen Online-Portal "Medusa". Am Ende hänge es davon ab, wie sich die Stimmung in den Gesellschaften Europas, der Ukraine und Russlands verändere. Podoljak machte klar, dass es erst Verhandlungen geben werde, wenn sich die Lage auf dem Schlachtfeld ändere und Russland nicht mehr das Gefühl habe, die Bedingungen diktieren zu können.
Er warnte erneut vor territorialen Zugeständnissen an Russland: Das werde den Krieg nicht beenden. Der russische Vormarsch ziele weniger auf die Eroberung konkreter Gebiete als auf die Zerstörung der Ukraine an sich. Podoljak schätzte Zahl der Getöteten und Verwundeten auf russischer Seite auf insgesamt 80 000 Menschen. Dabei eingerechnet seien Tote und Verwundete bei der regulären Armee, den Separatisten und der Söldnertruppe "Wagner". Allerdings räumte er ein, dass nach einer für Moskau katastrophalen Anfangsphase des Kriegs mit bis zu 1000 Kriegstoten pro Tag die derzeitigen täglichen Opferzahlen bei den russischen und den ukrainischen Truppen "vergleichbar" seien.
Keine Entscheidung in Sjewjerodonezk
Beim Kampf um Sjewjerodonezk scheint es ein Hin und Her zwischen russischen und ukrainischen militärischen Erfolgen und Rückschlägen zu geben. Der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Hajdaj, teilte auf seinem Telegram-Kanal mit, dass die ukrainischen Truppen zuletzt sogar wieder Teile der einstigen Grossstadt zurückerobert hätten. Demnach kontrollierten sie inzwischen wieder rund die Hälfte des Verwaltungszentrums. Sjewjerodonezk gilt als letzte grössere Stadt in der Region Luhansk, die noch nicht komplett in russischen Händen ist. Fällt sie, hätte Russland ein für sie wichtiges Etappenziel erreicht: die vollständige Kontrolle über das Gebiet Luhansk.
Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs sind russische Angriffe auf den Vorort Ustynowka ebenso erfolglos verlaufen wie eine versuchte Bodenoffensive im Raum Bachmut. Die russischen Angriffe zielen darauf ab, die ukrainischen Truppen in Sjewjerodonezk von der Versorgung abzuschneiden und sie einzukesseln. Auch russische Angriffe in der Nacht zu Samstag in Richtung Slowjansk verliefen laut ukrainischem Generalstab erfolglos. Erstürmungsversuche seien in den Ortschaften Bogorodytschne und Wirnopillja zurückgeschlagen worden.
Sämtliche Angaben zum militärischen Geschehen lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Russland: Schulungszentrum für ukrainische Artilleristen getroffen
Nach Angaben Moskaus zerstörte das russische Militär in der Ukraine ein Zentrum zur Schulung von Artilleristen an westlicher Waffentechnik. "Mit hochpräzisen Luft-Boden-Raketen wurde ein Schlag gegen ein Artillerieausbildungszentrum der ukrainischen Streitkräfte im Raum Stezkiwka im Gebiet Sumy geführt", sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. In dem Zentrum seien die Soldaten an der westlichen Haubitze M777 ausgebildet worden, fügte er hinzu. Auch ein "Lager ausländischer Söldner" im Gebiet Odessa im Süden der Ukraine sei durch einen Raketeneinschlag vernichtet worden.
(AWP)