Unterdessen teilte Grossbritannien mit, dass es Marschflugkörper des Typs "Storm Shadow" liefere. Damit könnte die Ukraine praktisch alle von Russland besetzten Gebiete erreichen. Bei der umkämpften Stadt Bachmut erzielte die Ukraine nach eigenen Angaben erstmals wieder grössere Geländegewinne.

Grossbritannien bestätigt Lieferung von Marschflugkörpern an Ukraine

Grossbritannien liefert der Ukraine wie bereits angekündigt Marschflugkörper mit grösserer Reichweite vom Typ "Storm Shadow". Dieses Waffensystem böte der Ukraine die beste Möglichkeit, sich zu verteidigen, sagte der britische Verteidigungsminister Ben Wallace. Die Raketen würden in die Ukraine geschickt oder seien bereits in ukrainischer Hand.

Die von Flugzeugen aus abgeschossenen Lenkflugkörper, die von Grossbritannien und Frankreich gemeinsam entwickelt wurden, haben laut Hersteller eine Reichweite von mehr als 250 Kilometern. Damit können sie Ziele auch auf der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim erreichen. Die von der Ukraine mit Erfolg eingesetzten Mehrfachraketenwerfer vom US-Typ Himars haben nur eine Reichweite von 80 Kilometern. Zudem sind die tieffliegenden "Storm Shadow" nur schwer abzufangen, haben eine hohe Treffergenauigkeit und tragen eine sehr grosse Sprengladung. Ein westlicher Regierungsvertreter sagte CNN, die Ukraine habe Grossbritannien zugesichert, diese Waffen nicht gegen Ziele in Russland einzusetzen.

Moskau meldet weitere Angriffe auf Bachmut

Nach Angaben Moskaus dauern die russischen Angriffe auf die umkämpfte ostukrainische Stadt Bachmut an. "Die Sturmabteilungen führen im Gebiet Donezk ihre Angriffe im westlichen Teil der Stadt Artjomowsk (sowjetischer Name von Bachmut) fort. Die Luftlandetruppen haben sie dabei unterstützt und die Einheiten der ukrainischen Streitkräfte an den Flanken gebunden", sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. Dabei seien 230 Gegner getötet und mehrere Militärfahrzeuge, darunter eine Haubitze ausser Gefecht gesetzt worden. Zuvor hatte die ukrainische Armee mitgeteilt, sie habe die russischen Truppen stellenweise bis zu zwei Kilometer zurückgedrängt. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig geprüft werden.

Söldnerchef Prigoschin: Ukrainer haben "leider Erfolg"

Der Chef der russischen Söldnertruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, erneuerte seinen Vorwurf, das Militär unterstütze seine Einheiten bei Bachmut nicht ausreichend. Zudem wies der 61-Jährige auch die Äusserung Selenskyjs zurück, dass Kiew noch Zeit für den Beginn seiner Offensive brauche. Diese sei in Bachmut bereits voll im Gange. "Die ukrainischen Einheiten gehen bei Bachmut an den Flanken vor - und haben leider teilweise Erfolg damit", sagte er auf dem Telegram-Kanal seines Pressedienstes. Zugleich halte der Munitionsmangel seiner Einheiten an, "weil die Versprechungen des Verteidigungsministeriums nicht erfüllt wurden".

Medusa: Moskau über Prigoschins ständige Vorwürfe "beunruhigt"

Das unabhängige Internetmedium Medusa berichtete, die ständigen Angriffe Prigoschins auf Moskau hätten begonnen, "die oberste Führung des Landes ernsthaft zu beunruhigen". Vor einigen Tagen hatte der Wagner-Chef etwa gesagt: "Ein glücklicher Opa denkt, dass alles gut ist. Aber was soll das Land tun, wenn sich herausstellt, dass dieser Opa ein völliger Idiot ist?" Anschliessend gab es in sozialen Netzwerken eine Diskussion darüber, ob Prigoschin damit Russlands Präsident Wladimir Putin gemeint haben könnte.

Drohnenattacke auf Tanklager in russischer Grenzregion

In der russischen Grenzregion unweit der Ukraine ist offiziellen Angaben zufolge erneut ein Tanklager mit Drohnen angegriffen worden. Über dem Lager habe die Drohne einen Sprengsatz abgeworfen, wodurch ein Öltank teilweise beschädigt worden sei, schrieb der Gouverneur der Region Brjansk, Alexander Bogomas, am Donnerstag auf Telegram. Er machte die Ukraine für den Angriff verantwortlich, von dort gab es zunächst keine Reaktion.

EU-Sanktionsdebatte: Berlin will Russland-Klausel für Exportverträge

Im Kampf gegen die Umgehung von Russland-Sanktionen sollen nach dem Willen der Bundesregierung Unternehmen stärker in die Pflicht genommen werden. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus EU-Kreisen erfuhr, unterbreitete der deutsche Botschafter bei der EU am Mittwoch bei Verhandlungen in Brüssel einen entsprechenden Vorschlag. Demnach könnten sich Unternehmen aus Nicht-EU-Ländern künftig beim Kauf von bestimmten Waren in der EU vertraglich verpflichten müssen, diese später nicht nach Russland zu exportieren. Gelten könnte eine solche Regel vor allem für den Export von Gütern, die sich nicht nur zivil, sondern auch militärisch nutzen lassen. Hintergrund des Vorschlags sind die Verhandlungen über ein elftes Sanktionspaket, mit dem vor allem die Umgehung bisheriger Strafmassnahmen bekämpft werden soll./cha/DP/he

(AWP)