Nachzügler Japan bricht in die bargeldlose Zukunft auf

In China oder Südkorea ist bargeldloses Zahlen beliebt - in Japan dagegen gar nicht. Nun unternimmt die Regierung Schritte, damit sich die Zahlungsgewohnheiten zu ändern beginnen.
09.11.2019 19:30
Supermarkt in Japan: Die Gewohnheit, mit Karten oder per Smartphone zu zahlen, ist noch nicht sehr verbreitet.
Supermarkt in Japan: Die Gewohnheit, mit Karten oder per Smartphone zu zahlen, ist noch nicht sehr verbreitet.
Bild: Bloomberg

Die Deutschen sind nicht allein mit ihrer Vorliebe für Bargeld. Auch im technikaffinen Japan heisst es trotz elektronischer Zahlungssysteme noch immer vielfach: Nur Bares ist Wahres.

In der stark alternden Bevölkerung ist die Abneigung stärker ausgeprägt als anderswo, per Handy-App oder Plastikgeld zu zahlen. Auch in deutschen Supermärkten wird an der Kasse noch überwiegend bar gezahlt. Bei drei Vierteln aller Einkäufe im Einzelhandel wird auf Münzen und Scheine zurückgegriffen, wie eine Studie der Bundesbank ergab.

In Japan will die Regierung nun dafür sorgen, dass bis 2025 zumindest 40 Prozent der Zahlungen bargeldlos abgewickelt werden und damit doppelt so viele wie derzeit. Damit hinkt das Land anderen Staaten in Asien meilenweit hinterher. In Südkorea sind es bereits heute 96 Prozent und in China immerhin rund zwei Drittel der Transaktionen, wie Zahlen des japanischen Branchenverbands Payments Japan Association zeigen.

In der Volksrepublik steht zudem voraussichtlich bereits nächste Woche ein weiterer grosser Sprung in die digitale Zukunft des Geldes bevor. Das US-Finanzmagazin "Forbes" berichtete jüngst, China wolle sein eigenes Digitalgeld am 11. November herausbringen und damit Facebook ausstechen, das die eigene Kryptowährung Libra erst im ersten Halbjahr 2020 an den Start bringen kann.

Blick ins Portemonnaie

Für viele ältere Japaner ist das eine andere Welt. "Ich bin nicht daran interessiert, ohne Bargeld zu leben", sagt eine 65-jährige Tokioterin. "Ich würde mich dann unwohl fühlen, wenn ich mein Handy verlieren sollte." Ausserdem fehle ihr dann der Überblick darüber, wie viel sie ausgegeben habe. Ein Blick ins Portemonnaie sei da viel aufschlussreicher.

Trotz dieser Vorbehalte rühren Firmen wie der Telekomriese Softbank und die E-Commerce-Firma Mercari kräftig die Werbetrommel für das elektronische Bezahlen. Das bleibt nicht ohne Erfolg. So gelang es Softbank mit dem Partner Yahoo Japan bereits, die Zahl der Abonnenten der Bezahl-App PayPay innerhalb weniger Monate um fünf Millionen auf 15 Millionen hochzuschrauben - auch dank der Regierungskampagne.

Diese hat Verbrauchern zuletzt den Umstieg von Bargeld auf elektronische Zahlungssysteme auch durch ein System schmackhaft zu machen versucht, mit dem diese in kleinen Läden Rabattpunkte auf die jüngst erhöhte Mehrwertsteuer einsammeln können.

Furcht vor Kriminalität

Bislang sprechen jedoch in Japan auch viele Gründe für die Nutzung von Bargeld. Denn die Furcht vor Diebstahl ist wegen der relativ niedrigen Kriminalitätsrate nicht so ausgeprägt wie in anderen Staaten. Zudem gibt es ein weit verzweigtes Netz von Geldautomaten, das Abhebungen praktisch flächendeckend möglich macht. Doch dies könnte sich ändern.

Die Geschäftsbanken gehen allmählich dazu über, das Automatennetz auszudünnen - und erschweren damit den bequemen Zugang zu Bargeld. Damit brechen für die Älteren, die fast ein Drittel der Bevölkerung ausmachen, schwere Zeiten an. Das befürchtet auch der 70-jährige Blumenverkäufer Mitsuo Kotake, dessen vorwiegend ältere Kunden mit der Bezahl-App meist nicht zurechtkämen: "Für die Jungen ist das einfach. Aber Senioren sind einfach nicht vertraut damit." 

(Reuters/cash)