Pandemie - Pfizer-Chef Burla warnte im August vor einer Corona-Super-Mutante wie «Ny»

Die Finanzmärkte reagieren auf die neu entdeckte Coronavirus-Variante aus Südafrika mit massiven Verkäufen. Schon im Sommer warnte der CEO von Pfizer vor einer solchen Mutation - er äusserte aber auch beruhigende Worte.
26.11.2021 09:37
Von Marc Forster
Pfizer-CEO Albert Bourla.
Pfizer-CEO Albert Bourla.
Bild: ZVG

Wie am Donnerstagabend bekannt geworden ist, breitet sich eine neue Variante des Coronavirus in Südafrika aus. Die B.1.1.529 genannte Variante ist stark mutiert und scheint sich im südlichen Afrika schnell auszubreiten. Auch in Hongkong und Israel ist die Variante nachgewiesen worden. 

Grossbritannien und Israel unterbrechen bereits den Reiseverkehr mit Ländern im südlichen Afrika. Schon am Donnerstagabend berichteten Online-Medien in Grossbritannien und anderen englischsprachigen Ländern schwergewichtig über den Ausbruch.

In Kontinentaleuropa dominierten am Freitagmorgen noch andere Schlagzeilen: Zertifikatsbetrug im Kanton Schaffhausen, Booster-Impfungen und erster Schneefall diesen Winter waren die Themen von Schweizer Online-Seiten. Deutsche Medien berichteten zuoberst über die Regierungsbildung von SPD, Grünen und FDP in Berlin. 

Aktienmärkte reagieren sofort

Viel schneller reagierten die Finanzmärkte: In Asien sind die Kurse deutlich gefallen, in Europa seit dem Handelsauftakt auch. Der Preis der Krisenwährung Gold steigt.

Denn die Erfahrungen zuletzt mit der Delta-Variante, die im Oktober 2020 in Indien nachgewiesen wurde und sich über den Frühling und Sommer 2021 weltweit verbreitetete, lassen leicht folgenden Schluss zu: Auch die neue südafrikanische Variante, die von der WHO wohl als "Ny"-Variante bezeichnet wird, dürfte sich kaum an Landesgrenzen aufhalten lassen und könnte sich in drei, vier Monaten weltweit durchsetzen. 

 

 

Falls es stimmt - Forschungen sind derzeit im Gange -, dass die neue Variante noch ansteckender ist als Delta und auch den Impfschutz noch leichter umgeht als Delta, wird dies auch wirtschaftliche Folgen mit sich ziehen. Weitere Lockdowns und neue globale Reiseeinschränkungen sind dann fast nicht mehr zu vermeiden. Ausser, Regierungen weltweit entscheiden sich für eine Durchseuchung, was aber nicht sehr wahrscheinlich ist.

«95 Tage» bis zum neuen Impfstoff

Der CEO von Pfizer, Albert Bourla, äusserte sich schon im August zu einem Szenario, wie es jetzt einzutreten scheint. Das Auftreten einer neuen Mutante sei "wahrscheinlich", sagte der Chef des Impfstoffentwicklers in einem Fernsehinterview in den USA. Auch eine Impfstoff-resistente Variante sei wahrscheinlich. Der US-Konzern Pfizer hat Anfang November 2020 zusammen mit dem deutschen Biotechunternehmen Biontech einen den ersten und wirksamsten Impfstoffe gegen die bisherigen Varianten von Corona vorgestellt. 

Pfizer sei in der Lage, innerhalb von etwa drei Monaten die Impfstoffe anzupassen. "Wir sind dafür eingerichtet, vom Tag an, an dem eine Variante als besorgniserregend eingestuft wird, innerhalb von 95 Tagen einen massgeschneiderten Impfstoff dagegen zu entwickeln", sagte Bourla zu Fox News. 

Für die Finanzmärkte bietet dies eine Perspektive: Die Erwartung eines neuen wirksamen Impfstoffs würde Kursabstürze verhindern oder den Märkten gar neuen Schub geben. Für die Menschheit hiesse dies aber auch wieder monatelange Kontaktbeschränkungen und ein langes Warten auf das Anrollen einer neuen Impfkampagne.