Risiko Kryptowährungen? - «Mit Kryptowährungen wird es nicht enden wie mit dem Bankgeheimnis»

Krypto-Unternehmen sind für die Schweiz Chance und Risiko. Trotz der Kontroverse um die in Genf registrierte Facebook-Währung Libra glaubt Herbert Sterchi vom Finanzdepartement des «Krypto-Kantons» Zug an die Chancen.
25.06.2019 18:19
Von Marc Forster, Zug
Herbert Sterchi, Representative des Finanzdepartements Zug, im Interview mit cash.
Bild: cash

Während Zug mit dem Crypto Valley das Epizentrum der Blockchain-Entwicklungen in der Schweiz darstellt, hat Facebook die Firmenstruktur um eine künftige eigene Kryptowährung Libra vor kurzem in Genf registriert (cash berichtete). Auch Libra soll auf dem dezentralen Speichersystem Blockchain entstehen, wie dies schon bei der weltgrössten Kryptowährung Bitcoin und anderen wichtigen Kryptowährungen der Fall ist.

"Wir hätten Libra sicherlich auch gerne im Kanton Zug begrüsst", sagt Herbert Sterchi, Representative des Zuger Finanzdepartements, im cash-Video-Interview. Sterchi pflegt die Beziehungen des Kantons zur Kryptoindustrie vor Ort, die von der Politik ausdrücklich gefördert wird. Zudem ist er Geschäftsführer des Unternehmens Codex Execution, das Start-ups administrativ unterstützt.

Wenn man im Interesse der Schweiz denke, sei es aber immer noch zu begrüssen, dass Facebook einen Schweizer Standort gewählt habe, sagt Sterchi. Die Kontroverse um Libra ist allerdings gross. Misstrauen besteht gegenüber Facebook, einem Grosskonzern, der massiv Daten über die Nutzer sammelt. Eine eigene Kryptowährung könnte Facebook, das von Werbeeinnnahmen lebt, noch mehr wirtschaftlichen Einfluss ermöglichen. Zudem fordert Libra das etablierte Bankensystem heraus, indem - mit einem US-Tech-Giganten im Rücken - ein alternatives, potentiell weitreichendes Zahlungssystem entstehen soll.

Regierungen und Notenbanken sind kritisch

Notenbanker wie der Bank-of-England-Chef Mark Carney oder Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire haben sich bereits kritisch zu Libra geäussert und angekündigt, dass sie ein paralleles, nicht von Notenbanken kontrolliertes Währungssystem nicht dulden würden. Solche Kritik haben Regierungen und Währungshüter auch schon gegenüber anderen Kryptowährungen geäussert. Für die Schweiz, die vor zehn Jahren wegen des Bankgeheimnisses unter Druck geraten war, entsteht mit im Land domizilierten Kryptowährungen und Crypto-Finance-Unternehmen potenziell ein neues Risiko, international in die Kritik zu geraten.

Für den Zuger Standortpromotor Sterchi gibt es bei Unternehmensansiedlungen immer Risiken. Als Ethereum 2014 nach Zug gekommen sei, habe – wie jetzt mit Libra – ebenfalls Skepsis geherrscht. Ethereum, das Unternehmen hinter der am zweitstärksten marktkapitalisierten Kryptowährung Ether, ist vom Softwareentwickler Vitalik Buterin begründet worden. Ethereum hat viele Anhänger in der Kryptowelt, ist aber auch schon dafür kritisiert worden, dass Kriminelle das Netzwerk nutzen können.

Bei Libra sei es noch zu früh, um ein Fazit bezüglich der Risiken zu ziehen, sagt Sterchi im Interview weiter. Allerdings hätten die Schweiz und die Schweizer Finanzaufsichtsbehörde Finma bei den Themen Steuern, Rechtssicherheit und Compliance einiges unternommen: "Mit den Kryptowährungen wird es nicht noch einmal so enden wie mit dem Bankgeheimnis."

Im cash-Video-Interview zieht Herbert Sterchi auch eine Bilanz nach drei Jahren Bestehen der Interessenvereinigung Crypto Valley Association, die vom Kanton Zug unterstützt wird. Er äussert sich zu den Anforderungen, welche diese Firmen sich aus Sicht des Kantons stellen müssen und macht Aussagen zum volkswirtschaftlichen Effekt aus der Kryptoforschung in der Zentralschweiz.

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