Roche, Nestlé & Co. - Droht den Qualitätsaktien Ungemach?

Qualitätsaktien wie jene von Nestlé, Roche und Novartis dürften unter Umschichtungen in konjunkturabhängige Substanzwerte leiden, so die Meinung einflussreicher Strategen. Das hätte auch Folgen für die Schweizer Börse.
21.03.2017 08:36
Von Lorenz Burkhalter
Nestlé gilt als eine Schweizer Qualitätsaktie.
Nestlé gilt als eine Schweizer Qualitätsaktie.
Bild: Bloomberg

Auch mit Schweizer Aktien liess sich in den letzten Wochen gutes Geld verdienen. Beim Swiss Performance Index (SPI) errechnet sich seit Jahresbeginn immerhin ein Plus von fast 8 Prozent. Das Nachsehen hat, wer in dieser Zeit auf Qualitätsaktien setzte. Attribute wie eine gut vorhersehbare Gewinnentwicklung oder eine stabile und zuverlässige Dividendenpolitik waren weniger gefragt als auch schon.

Die Aktienstrategen der britischen Grossbank Barclays haben diese Entwicklung schon vor Monaten kommen sehen. Und: Sie rechnen an Europas Aktienmärkten mit weiteren Umschichtungen aus den Qualitätsaktien in die konjunkturabhängigen Substanzwerte. Letzteren trauen sie in nächster Zukunft ein um rund 15 Prozent besseres Abschneiden zu.

Das wiederum hätte auch Folgen für den Schweizer Aktienmarkt, sind die zu den Qualitätsaktien zählenden Indexschwergewichte Nestlé, Roche und Novartis doch in etwa für die Hälfte der hiesigen Gesamtkapitalisierung verantwortlich.

Teuerungsentwicklung spricht gegen Qualitätsaktien

Wie die Barclays-Strategen schreiben, halten viele Grossanleger den Qualitätsaktien aufgrund der von den Präsidentschaftswahlen in Frankreich ausgehenden Risiken noch immer die Treue. Überraschend seien in dieses Titelsegment investierenden Exchange Traded Funds (ETF) in den vergangenen Wochen sogar Mittel zugeflossen, so heisst es weiter.

Die Kursentwicklung von Nestlé (grün), Roche (rot) und Novartis (violett) über die letzten 12 Monate (Quelle: www.cash.ch)

Neben den politischen Risiken sehen die Barclays-Experten auch den stützenden Einfluss einer rückläufigen Teuerungsentwicklung und des Tiefzinsumfelds wegfallen. Ihres Erachtens verliert das Argument einer attraktiven und erst noch zuverlässigen Dividendenpolitik vor diesem Hintergrund an Bedeutung. Nachdem sich die annualisierte Teuerung in Europa zuletzt wieder in Richtung von 2 Prozent bewegt hat, wähnen die Strategen das Titelsegment gar in Gefahr.

Schweizer Qualitätsaktien moderater bewertet als auch schon

Nicht nur Barclays rät Anlegern deshalb zu Umschichtungen aus europäischen Qualitätsaktien aus den Bereichen nicht-zyklischer Konsum, Versorger und Grundstoffe in Richtung von Substanzwerten aus der Finanzindustrie, Technologie und Industrie. Aufgrund der zuletzt wieder besseren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen teilen viele andere Banken diese Einschätzung.

Anders als noch im Sommer 2015 sind die Qualitätsaktien an der Schweizer Börse SIX mittlerweile sehr viel moderater bewertet. Für den Genussschein von Roche errechnet sich auf den nächstjährigen Konsenserwartungen ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16, für die Aktie von Novartis sogar nur eines von 14,5. Beides entspricht in etwa dem langjährigen Durchschnittswert. Dasselbe gilt für die zwischen 3,2 und 3,6 Prozent liegenden Dividendenrenditen.

Etwas tiefer müssen Anleger für die Nestlé-Aktie in die Tasche greifen. Für den Westschweizer Nahrungsmittelkonzern errechnet sich ein KGV von 20 bei einer Dividendenrendite von 3 Prozent.