Sebastian Kurz - Österreich nimmt seine Industrie-Perlen enger an die Leine

Der grösste private Investmentfonds Österreichs hat möglicherweise einen starken Verbündeten bei seinen Bemühungen gefunden, die heimische Industrie und ihr Know-how im Land zu halten: die Regierung.
21.10.2018 19:17
Sebastian Kurz ist seit Dezember 2017 Bundeskanzler Österreichs.
Sebastian Kurz ist seit Dezember 2017 Bundeskanzler Österreichs.
Bild: Bloomberg

Der Existenzberechtigung für die B&C Privatstiftung, eine aus der UniCredit Bank Austria herausgelöste gemeinnützige Stiftung mit Industrie-Vermögenswerten von 2,1 Milliarden Euro, besteht darin, die heimische Industrie zu schützen und ihre globale Expansion zu unterstützen.

Der nun mit bis zu zwei Milliarden Euro für einen weiteren strategischen Kauf ausgestattete Fonds stellt zunehmend fest, dass die Regierungskoalition von Bundeskanzler Sebastian Kurz eine aktivere Rolle beim Schutz und der Förderung der Vermögenswerte des Landes einnimmt. Das sagte Wolfgang Hofer, der Aufsichtsratsvorsitzende von B&C Industrieholding in einem Bloomberg-Interview in Wien.

"Es ist gut, dass die Regierung jetzt einen ähnlichen Portfoliomanagement-Ansatz verfolgt", sagte er. "Es ist wichtig für unser Land, in Industrietechnologie und erstklassige Produktionsprozesse zu investieren. Die Regierung und wir ergänzen uns recht gut", sagte er und fügte hinzu, dass der Staat nur als" Investor der letzten Instanz" handeln sollte.

In den letzten zwei Jahrzehnten haben die Finanzminister der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) Staats-Aktiva verkauft und die Kontrolle über Unternehmen wie Telekom Austria, Voestalpine oder Österreichische Post reduziert oder abgegeben. In der Privatwirtschaft wurden einige Vermögenswerte von ausländischen Käufern - häufig asiatische Industrieunternehmen oder globale Finanzinvestoren - aufgegriffen, die jüngsten Beispiele sind GE Jenbacher und ZKW Group, zwei Unternehmen, für die B&C ebenfalls geboten hat.

Enger an die Leine

Nachdem Länder wie Deutschland und Frankreich Vorschriften eingeführt haben, um den Umfang von aktivistischen Käufern oder chinesischen Regierungsinstrumenten zu begrenzen, um High-Tech-Expertise in dem Land zu behalten, folgt Österreich nun ihrem Beispiel.

Die Regierung in Wien plant, ihre Strategie für die Industriepolitik bereits in diesem Monat vorzustellen. Jedoch geht aus sporadischen Kommentare bereits hervor, dass Österreichs Finanzminister Hartwig Löger auch die bestehenden Investments an eine straffere Leine nimmt. Österreichs Beteiligungen am Öl- und Gaskonzern OMV, der Telekom Austria, der Österreichischen Post und der Verbund belaufen sich derzeit auf rund 14,2 Milliarden Euro.

Löger plant auch einen "Mini-Norwegen" -Fonds, der zusätzliche strategische Investitionen tätigen kann. Kurz und andere Regierungsvertreter haben Repräsentanten von Staatsfonds aus Singapur, Abu Dhabi und Norwegen getroffen, um ein Investitionsmodell zu finden, das für das Land mit 9 Millionen Einwohnern geeignet ist.

"Die Regierung hatte in der jüngsten Vergangenheit bei den Staatsbeteiligungen einen eher passiven Ansatz verfolgt" und hatte nicht einmal einen direkten Sitz in den Aufsichtsräten, sagte Klaus Vukovich, Investmentbanker bei der Boutiquefirma Alantra in Wien. "Es ist nur legitim, dass sie strategische Interessen als Kernaktionär sichern wollen."

Unruhe entstanden

Die Veränderung beim Ansatz hat bereits für Unruhe gesorgt. OMV-Aufsichtsratchef Peter Löscher sagte im vergangenen Monat, dass er nächstes Jahr zurücktreten werde und erklärte, dass er Pläne für eine erhöhte Regierungskontrolle in Unternehmen ablehne. Während Löger sagte, die Kritik sei unbegründet, bestätigte er, dass Österreich plane, mehr Verantwortung zu übernehmen und eine aktivere Rolle als Aktionär zu spielen.

B&C nimmt bereits eine aktive Rolle ein, da seine Unternehmen in Amerika und Asien expandieren. Die Stiftung wurde im Jahr 2000 von der Bank Austria mit dem Ziel gegründet, österreichisches Unternehmertum zu unterstützen. Sie benötigt kein Kapital von aussen und hat keine Investoren, an die sie Gewinne ausschütten muss. Sie verwendet einen Teil ihrer Dividendeneinnahmen zur Unterstützung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten und behält den grössten Teil für zukünftige Investitionen.

B&C hält Mehrheitsbeteiligungen an Lenzing AG, Amag AG und Semperit AG und sucht nun nach einem vierten grossen Investment. Eine mögliche Quelle für Ziele könnten die Industriebeteiligungen von regionalen Banken sein, die von neuen Bankenvorschriften betroffen sein könnten, welche die Kapitalanforderungen für solche Investments erhöhen, so Hofer.

"Bankbeteiligungen an Industrieunternehmen sollten nur vorübergehend sein, und früher oder später dürften sie wieder aussteigen", sagte Hofer von B&C. Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG hält 15 Prozent an Voestalpine, dem grössten Stahlproduzenten des Landes, während die Oberbank, eine weitere Regionalbank, weitere 8,1 Prozent hält. Die Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien hält Beteiligungen an Strabag SE und Agrana Beteiligungs AG.

B&C könnte langfristig auch die Beteiligung an seinen Portfoliounternehmen auf rund 40% reduzieren und gleichzeitig die Kontrolle behalten, sagte Hofer. Das könnte die Finanzstärke des Fonds verbessern und das internationale Interesse an den Aktien erhöhen, sagte er.

"Wir haben eine Reihe von Industriejuwelen, einschliesslich Voestalpine oder Schoeller-Bleckmann", sagte er. "Wir müssen sicherstellen, dass die Entscheidungsfindung hier bleibt und nicht zu einem aktivistischen Investor ausserhalb des Landes abwandert."

(Bloomberg)