Soziales und ökologisches Anlegen - Weshalb Banken das Nachhaltigkeits-Thema vorantreiben

Die meisten Schweizer Banken setzen inzwischen voll auf das Nachhaltigkeits-Thema. Die Motive dahinter sind aber unterschiedlich. Und auch die Kunden haben nicht immer die gleichen Bedürfnisse.
06.07.2021 19:30
Von Marc Forster
Nachhaltigkeits-Investments folgen sozialen und ökologischen Aspekten: Nordlicht in Norwegen.
Nachhaltigkeits-Investments folgen sozialen und ökologischen Aspekten: Nordlicht in Norwegen.
Bild: Pixabay

Anlegen in Nachhaltigkeit gilt als Mainstream-Investment und für manche sogar die wichtigste gegenwärtige Anlagestrategie. Anlagen, die für Umweltschutz, soziales Verhalten und saubere Geschäftsführung stehen, haben sich im vergangenen Jahrzehnt mehr als verdreifacht.

Standen Umweltschutz- und Nachhaltigkeits-Konferenzen früher eher unter dem Motto einer engagierten Idee, die Welt zu verbessern, handelt es sich heute um hochprofessionell organisierte Anlässe, wo im Publikum unter anderem die grossen Finanzkonzerne der Welt sitzen. Auch die Regulatoren haben sich des Themas angenommen und überlegen sich, Nachhaltigkeit in der Finanzwelt zu fördern. Viele Schweizer Banken verschreiben sich der Nachhaltigkeit und werben mit nachhaltigem Anlegen und entsprechenden Nachhaltigkeitsratings.

«Bankgeschäft ist ein Anbietermarkt»

"Nachhaltigkeit ist ein klarer Trend, und vielleicht mit Ausnahme einiger kleiner Banken hat fast jede Bank in der Schweiz Nachhaltigkeitsprodukte im Angebot", sagt Sabine Döbeli, Geschäftsführerin der Vereinigung Swiss Sustainable Finance. Es seien zunächst vor allem institutionelle Kunden, welche die Nachfrage antrieben. Deswegen seien Nachhaltigkeitsinvestments ein grosses Thema für Asset Manager geworden. Besonders gross sei das Interesse bei institutionellen Kunden aus den Niederlanden, Skandinavien oder Grossbritannien. Bei den Schweizer Pensionskassen ist die Nachfrage lange etwas weniger ausgeprägt gewesen. Aber auch dort hat das Thema deutlich an Bedeutung gewonnen. 

Vermögensverwalter zielen speziell auf vermögende Kunden, unter anderem Erben von grossen Vermögen, die oft ein ausgeprägteres Bewusstsein für Umwelt- und Sozialthemen haben als ihre Eltern oder Grosseltern. Bei kleineren Banken richten sich die Nachhaltigkeitsstrategien auch an Kunden mit durchschnittlichen Vermögen.

Sabine Döbeli beobachtet dabei, dass Bankkunden heute aktiver nach nachhaltigen Anlagen fragen als früher. Konsumentscheide würden generell mehr unter der Frage getroffen, welche Auswirkungen sie auf die Umwelt und die Gesellschaft hätten. "Diese Grundstimmung ist da." Gleichzeitig aber sei das Bankgeschäft ein Anbietermarkt, sagt Sabine Döbeli: "Das heisst, Kunden investieren letztlich oft in Produkte, die ihnen der Bankberater anbietet." Wer sich für nachhaltiges Investieren interessiert, muss sich daher bei der Bank nach dem Ansatz erkundigen. Bei Nachhaltigkeitsthemen gibt es mehrere Arten vorzugehen.

Ausschlusskriterien

Im Kern steht ein Ausschlussprinzip: Nicht investiert wird also beispielsweise in Aktien oder Obligationen von Waffenherstellern und Bergbauunternehmen, die wegen Arbeitsbedingungen in der Kritik stehen, oder Lebensmittelfirmen, die wegen des Anbaus ihrer Rohstoffe als Umweltsünder gelten. Die Frage ist aber dann beispielsweise, ob auch Zulieferer solcher Firmen unter diese Kriterien fallen. 

Das Kriterium für die Aufnahme in den Fonds sind die sozialen und ökologischen Programme dieser Unternehmen sowie Produkte, denen besonderer gesellschaftlicher Nutzen zugesprochen wird - in Auslegung des verbreiteten Grundsatzes ESG (Environment, Social and Governance). Im Factsheet wird unter anderem darauf hingewiesen, dass die Stimmrechte gemäss Empfehlungen der boni-kritischen Anlagestiftung Ethos ausgeübt würden.

Best-in-Class ist verbreitet

Banken verfolgen somit vor allem einen Best-in-Class-Ansatz: Investiert wird in einer Branche jeweils in Unternehmen, die als die vorbildlichsten gelten. Unter diesem Aspekt hat beispielsweise auch Nestlé die Anerkennung von Nachhaltigkeits-Investoren gefunden, bleibt aber, je nach Standpunkt, ein umstrittenes Investment. Nestlé wird einerseits für die landwirtschaftlichen Methoden in der dritten Welt oder den Einsatz von Zucker und Palmöl kritisiert.

Andererseits gilt Nestlé gegenüber anderen Nahrungsmittelmulti als das Unternehmen, das Initiativen zur Reduktion von umstrittenen Nahrungsbestandteilen am konsequentesten vorantreibt und soziale Programme in den Produktionsländern eingeführt hat. Der Best-in-Class-Ansatz erlaubt es Anbietern, auch bisherige Fonds in Nachhaltigkeitsfonds umzuwandeln. Dies bedeutet aber auch, dass etwa die Performance von Nachhaltigkeits-Fonds und herkömmlichen Fonds nicht mehr unbedingt spezifisch auf den Nachhaltigkeitsaspekt überprüft werden kann.

Die Banken betrachten das Engagement auch pragmatisch: Es gehe nicht einfach darum, die "Welt zu retten", sondern profitable Investments zu finden, hinter denen sich auch gesellschaftlicher Nutzen verbirgt. Den Kunden gegenüber argumentieren die Vermögensverwalter, dass Investitionen beispielsweise in Tabak-Firmen auch deswegen nicht nachhaltig seien, weil diese mit ihren Produkten wie Zigaretten höhere Gesundheitskosten verursachten. Das Nachhaltigkeitsthema wird so auch als Kosten-Thema definiert.

 
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