Die Inflation in den USA hat sich im August wahrscheinlich zum zweiten Mal verlangsamt, da die Benzinpreise weiter gesunken sind. Aber das wird wahrscheinlich nicht ausreichen, um die US-Notenbank Fed davon abzuhalten, eine weitere Jumbo-Leitzinserhöhung um 75 Basispunkte vorzunehmen.

Der US-Konsumentenpreisindex vom Dienstag ist der letzte wichtige Bericht, den die Zentralbank vor ihrer Entscheidung erhalten und berücksichtigen wird. Ökonomen prognostizieren für August einen Anstieg der Teuerung um 8,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was die zweite Verlangsamung in Folge wäre.

Die Entwicklung des Konsumentenpreisindex (weiss) und das Kernmasses ohne Lebensmittel und Energie (blau) seit drei Jahren (Quelle: cash.ch).

Ein Inflationsrückgang wird Anleger jedoch nicht von der Erwartungshaltung abbringen, dass die US-Notenbank auf ihrer Sitzung am Mittwoch in einer Woche die Zinsen zum dritten Mal in Folge um 75 Basispunkte anheben wird, um die schlimmste Inflation seit einer Generation zu bekämpfen. Der geldpolitische Schlüsselsatz würde ab dann in einer Spanne von 3,00 bis 3,25 Prozent zu liegen kommen.

Dieser Marktkonsens hat sich am Donnerstag gefestigt, nachdem der Fed-Vorsitzende Jerome Powell bekräftigt hatte, dass die Entscheidungsträger in der Inflationsbekämpfung nicht nachgeben würden. Am Freitag brachten zudem weitere Fed-Entscheidungsträger ihre Unterstützung für einen weiteren grossen Schritt zum Ausdruck. 

Ein Rückgang des Preiswachstums wäre zwar zu begrüssen, würde aber immer noch auf eine Inflation hindeuten, die für die Fed viel zu hoch sei, sagte Sarah House, eine leitende Ökonomin bei der US-Grossbank Wells Fargo. "Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber es liegt noch ein langer Weg vor uns", so House. 

Kernmass-Inflation steigt wohl weiter

Beunruhigend für die Fed-Beamten ist auch, dass der Preisanstieg in der Wirtschaft, abgesehen vom Benzin, ungebremst und weit verbreitet ist. Während für den gesamten Konsumentenpreisindex ein Rückgang erwartet wird, wird für das Kernmass - das die volatilen Lebensmittel- und Energiepreise ausschliesst - ein Anstieg prognostiziert. 

"Es ist noch zu früh, um zu sagen, dass sich die Inflation bedeutsam und anhaltend nach unten bewegt", sagte Fed-Direktor Christopher Waller in einer Rede am Freitag. Er fügte hinzu, dass er eine "weitere signifikante" Anhebung der Zinssätze in diesem Monat befürworte. 

Powell und seine Kollegen haben erklärt, dass ihre Entscheidung auf der "Gesamtheit" der Wirtschaftsdaten beruhen werde, die ihnen bei ihrer Sitzung am 20. und 21. September vorliegen. Dazu gehören auch die jüngsten Arbeitsmarktberichte, die im Juli und August ein unerwartetes Wachstum der Beschäftigtenzahlen zeigten. Eine Verbesserung des Konsumklimas und ein überraschender Anstieg der offenen Stellen deuten ebenfalls auf robuste Haushalte und eine anhaltend starke Nachfrage nach Arbeitskräften hin.

Die Beamten der Fed legen ihren Fokus zudem auf ein anderes Inflationsmass, den Preisindex für persönliche Konsumausgaben, der im Juli um 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. Dies ist dreimal höher als der Wert, den die Zentralbank anstrebt. Die politischen Entscheidungsträger prüfen jedoch die Daten des Konsumentenpreisindex, um Anhaltspunkte für die Inflationsentwicklung zu erhalten.

Starker Inflationsrückgang in den USA unwahrscheinlich

Die Preise müssten sich deutlich stärker abkühlen als erwartet, um die Fed zu einem Umdenken zu bewegen. Zudem müsste der Rückgang über eine Reihe von Komponenten hinweg erfolgen, darunter auch "hartnäckige" Messgrössen wie Unterkünfte, um die Fed-Beamten davon zu überzeugen, in diesem Monat einen kleineren Schritt von 50 Basispunkten zu gehen, sagte Tiffany Wilding, Managing Director und Nordamerika-Ökonomin beim Vermögensverwalter Pimco. 

"Wenn die Preise schnell und dramatisch zurückgehen würden, würde das die Fed sehr entlasten", sagte Wilding. Dies scheint jedoch unwahrscheinlich, da andere Berichte auf einen erheblichen Anstieg der Mieten hindeuten, führte Wilding weiter aus. 

Einige Fed-Vertreter haben in den letzten Tagen betont, dass sie die Zinssätze schnell auf ein Niveau anheben, das das Wirtschaftswachstum verlangsamt und die Nachfrage abkühlt, und sie dort für einige Zeit belassen möchten. Der Präsident der Fed von St. Louis, James Bullard, sagte, dass ein schwächerer Inflationswert im August den Kurs der Zentralbank nicht ändern werde. 

"Ich tendiere zu einer Anhebung um 75 Basispunkte, und der Arbeitsmarktbericht war letzten Freitag recht gut", sagte Bullard in einem Interview mit Bloomberg News am späten Donnerstag. Das Wachstum der Konsumentenpreise könnte sich zwar verlangsamen, aber "ich würde nicht zulassen, dass ein einziger Datenpunkt vorschreibt, was wir bei dieser Sitzung tun werden".

(Bloomberg/cash)