VorsorgeWelche Wohnform im Alter kostet wie viel?

Wohnen im Alter ist - neben anderen Aspekten wie medizinische Versorgung, Pflege und Unabhängigkeit - auch eine finanzielle Frage. Je nach Wohnform fährt man teurer oder günstiger.
11.07.2017 18:30
Von Marc Forster
Die Frage nach der Wohnform im Alter ist teilweise eine finanzielle: Blick in eine kleine Wohnung mit Kochnische.
Die Frage nach der Wohnform im Alter ist teilweise eine finanzielle: Blick in eine kleine Wohnung mit Kochnische.
Bild: Pixabay

Die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer, die in die Pension gehen, möchte in ihrer bisherigen Wohnsituation bleiben - so lange wie möglich. Dazu kommt: Selbst wenn der Wunsch nach kleineren Wohnungen besteht, bedeutet ein Umzug heutzutage häufig höhere Mietkosten.

"Beim Wohnen im Alter wird folgende Abwägung wichtig: Der finanzielle Aspekt gegenüber der Perspektive, die sich jemand wünscht", sagt Antiona Jann, Geschäftsführerin der Age Stiftung. Dazu gehört auch die Frage nachdem dem sozialen Umfeld, oder die Frage, ob eine Wohung für ältere Menschen baulich überhaupt geeignet ist.

Die Wohnsituation gehört aber auf jeden Fall zu den zentralen Aspekten beim Thema Vorsorge und Pensionierung. Eine pauschale Antwort auf die Frage, wie man am günstigsten wohnt, gibt es nicht. Aber eine vertiefte Überlegung, welche Kosten im Alter bezüglich des Wohnens entstehen, lohnt sich auf jeden Fall. Wer eine Wahlmöglichkeit hat oder sich eine Veränderung der Wohnsituation vorstellen kann, sollte die Art der Wohnform auf die beiden Aspekte Finanzen und Perspektive anschauen.

«Cluster»-Wohnen

Eine noch wenig verbreitete Form des Wohnens ist "Cluster"-Wohnen, bei dem der Übergang zwischen dem persönlichen Wohnbereich und Gemeinschaftsräumen bewusst fliessend ist. Die Idee der Cluster-Wohnform ist auch, dass sich Generationen mischen. Ein Beispiel für dieses Wohnen ist das genossenschaftlich organiserte Hunziker-Areal in Zürich-Leutschenbach, konzipiert für 1300 Personen. Es bestehen auch private Initativen, die dieses Wohnen fördern.

Diese Wohnform ist noch nicht sehr verbreitet und es gibt nicht viele freie Wohnungen diesen Stils. Mit dem demographischen Wandel und sich ändernden Lebensgewohnheiten und Wertvorstellungen dürfte diese Wohnform aber vor allem in Städten mehr und mehr Nachfrage erhalten. Aber auch auf dem Land findet diese Art des Wohnens Anhänger.

Mit den Baby-Boomern kommt eine Generation ins Pensionsalter, die weniger traditionell denkt als frühere Generationen und die gewisse Freiheiten schätzt. Bei Leuten, die sich für dieses Wohnen entscheiden, steht der Gemeinschafts-Gedanke im Vordergrund. Zum finanziellen Aspekt gibt es zwei wichtige Punkte: Cluster-Wohnformen werden häufig von Genossenschaften angeboten und bieten daher vergleichsweise günstigen Wohnraum. Auf der anderen Seite bietet diese Wohnform viele Formen der Unterstützung im Alltag, die ältere Menschen sonst ausserhalb "einkaufen" müssen.

Alters-WG

Wohngemeinschaften von Pensionierten sind heute noch selten. "Leben in einer Alters-WG können sich viele vorstellen", sagt Antonia Jann von der Age Stiftung. Die Erfahrung in der Realität sei aber häufig nicht einfach.

Dennoch geht Jann davon aus, dass auch diese Wohnform wichtiger wird, gerade wegen der Möglichkeit, eine teure Wohungsmiete zu teilen: "Für Menschen mit geringerem Einkommen wird diese Wohnform wohl stärker zum Thema. Ich denke, da entsteht eine neue Gruppe von Pensionierten, die sich das überlegen."

Vergünstigte Wohnungen

Bei Anspruch auf Ergänzungsleistungen ist es relativ einfach, eine vergünstigte Wohnung zu finden. Die Stadt Zürich beispielsweise bietet dazu spezielle Beratungen und Vermittlungen an, allerdings unter der Auflage, dass sich Interessenten bereiterklären, innerhalb von sechs Monaten umzuziehen.

Ergänzungsleistungen werden dann ausbezahlt, wenn das Einkommen die minimalen Lebenskosten nicht mehr deckt. In dieser Rechnung sind die Wohnkosten ein entscheidender Punkt. Die Ergänzungleistungen sind vom Wohnort und vom Wohnkanton abhängig. Der Anspruch lässt sich hier ausrechnen.

Ergänzungsleistungen werden auch beim Umzug in ein Alters- oder Pflegeheim häufig zum Thema. Allerdings gibt es das klassische Altersheim immer weniger. Stattdessen ist ein Umzug mittlerweile zumeist erst möglich, wenn jemand auch Pflege braucht.

Altersresidenzen

Wie der vornehm klingende Name schon antönt, ist eine Altersresidenz eine den Umständen entsprechend luxuriöse Wohnform. Zimmer und Wohnungen sind in der Regel grosszügig bemessen, der Service hat beinahe Hotel-Charakter und Pflegeeinrichtungen sind leicht zugänglich.

Die Wohnkosten liegen selten unter 3000 Franken im Monat, und je nach dem Umfang an Pflege, welche die Bewohner beanspruchen, steigt der Preis leicht über 6000 Franken monatlich. 10'000 Franken Miete sind keine Seltenheit, was zeigt, dass diese Wohnform im Grunde genommen Begüterten vorenthalten ist. Generell gilt aber, dass Altersresidenzen in ländlichen Gebieten günstiger sind.

Wer sich diese Wohnform im Alter leisten kann und will, sollte unbedingt vergleichen. Bei so hohen Preisen spart man schnell einmal tausende von Franken im Jahr.

Wohneigentum

Die mitunter günstigste Wohnform im Alter ist nach wie vor Wohneigentum. Vor allem dann, wenn das Haus oder die Eigentumswohnung zum Teil abbezahlt ist und keine massiven Unterhaltsarbeiten absehbar sind. Auch für pensionierte Eigenheimbesitzer gilt aber: Sie müssen den Eigenmietwert versteuern, eine Art Gegenwert dessen, was eine Vermietung der Immobilie einbringen würde. Der Eigenmietwert wird dem steuerbaren Einkommen angerechnet.

Eine laufende Hypothek sowie Unterhaltskosten können vom Eigenmietwert abgezogen werden. Daher sollte mit Blick auf das Pensionsalter rechtzeitig abgeschätzt werden, wie weit die Hypothek reduziert werden sollte. Wichtig zu wissen ist aber auch: Im Pensionalter sind kaum noch neue Hypotheken erhältlich, selbst bei der Aufstockung eines Wohnkredits stossen viele auf Schwierigkeiten.