«Wir sitzen mit den Banken im selben Boot»

Die Versicherungsbranche gehört zu den produktivsten der Schweiz. Gleichwohl könnte der US-Steuerstreit auch für die Versicherungen sehr hohe Kosten zur Folge haben.
20.06.2013 16:00
Von Ivo Ruch
Urs Berger, Präsident des Schweizerischen Versicherungsverbands.
Urs Berger, Präsident des Schweizerischen Versicherungsverbands.
Bild: ZVG

Im US-Steuerstreit stehen die Banken im Fokus der Öffentlichkeit. Doch wenn keine Lösung mit den USA gefunden wird, würde das die schweizerische Versicherungsbranche ebenfalls hart treffen. "Wir sitzen mit den Banken im selben Boot", sagt Urs Berger, Präsident des Schweizerischen Versicherungsverbands (SVV).

Denn jedes Unternehmen müsste seine Daten auf mögliche Verletzungen der US-Justiz überprüfen. "Wir haben Respekt vor den Konsequenzen, aber gravierender wären die hohen administrativen Kosten", so Berger.

Im Schatten der Banken erwirtschaften die Versicherungen eine Wertschöpfung von knapp 20 Milliarden Franken. Das entspricht rund vier Prozent der gesamten Wertschöpfung der Schweiz. Die Banken hingegen tragen sechs Prozent zur Schweizer Bruttoinlandsprodukt bei. Jüngst kam die Konjunkturforschungsstelle Liechtenstein sogar zum Schluss, der Beitrag der Banken betrage nur noch vier Prozent.

Bedeutender Strukturwandel

Dass die Versicherungsbranche einer der produktivsten Wirtschaftszweige der Schweiz ist, zeigt eine am Donnerstag veröffentlichte Studie des Forschungsinstituts BAK Basel. Die Autoren der Studie kommen zum Schluss, dass die Versicherer seit den 90er-Jahren einen bedeutenden Strukturwandel durchlaufen hätten und nun "zu den wachstumsstarken Branchen der Schweizer Volkswirtschaft" gehörten. Die anderen Finanzdienstleister hingen müssten diesen Strukturwandel erst noch absolvieren, so die Autoren.

An den Börsen überzeugen die Titel der Schweizer Versicherer mit guten Performances. Seit Jahresfrist hat der SPI-Versicherungen-Index um mehr als 30 Prozent zugelegt. Die Aktie von Swiss Life gehört mit 71 Prozent Gewinn sogar zu den elf besten Titeln der letzten 52 Wochen.

Der Erfolg der schweizerischen Versicherungsbranche könne allerdings nur aufrecht erhalten werden, wenn "der Standort Schweiz weiter gefördert werde", sagte Lucius Dürr, Direktor des SVV. Dazu gehöre beispielsweise, den Rückgang der Lernenden in der Branche zu stoppen und die hohen Standards im Bildungswesen weiter zu gewährleisten, so Dürr.