Hügli meint

Zehn Jahre nach dem Crash - Aktien von Grossbanken bleiben ein Anlegerfrust

Vor genau zehn Jahren erreichten Swiss Market Index und die Aktie der UBS Rekordwerte. Während sich der Gesamtmarkt nach dem Absturz erholte, darben Bankaktien noch immer. Signale für eine Besserung gibt es kaum.
01.06.2017 06:37
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: Geri Born

Es war eine Woche nach Pfingsten, am Montag dem 4. Juni 2007, als der Swiss Market Index während des Handels die Marke von 9548 Punkten erreichte. Es ist ein Rekord, der bis zum heutigen Tag Bestand hat. Die Aktie der UBS gipfelte schon einen Handelstag zuvor bei einem Stand von über 75 Franken. Dieser Wert ist ebenfalls bis heute unerreicht.

Welcher Geist damals an den Märkten herrschte, macht folgende Randnotiz deutlich: Analysten der UBS empfahlen die Aktie der britischen HSBC, dem damals grössten europäischen Finanzkonzern, zum Kauf und sahen ein Kurspotenzial von rund 20 Prozent. Dies, obwohl die Bank schon seit Monaten als eines der ersten Institute unter den Problemen im US-Hypothekengeschäft litt.

"HSBC ist trotz der lange Zeit zu freizügigen Kreditvergabe einer der solidesten Anbieter im US-Subprime-Geschäft und kann die Ausfälle problemlos wegstecken", war am 30. Mai 2007 in einer Schweizer Finanzzeitung zu lesen. Die Aktien der HSBC gehörten in jedes Portefeuille eines gut diversifizierten, international orientierten Anlegers, so die Empfehlung damals.

Heute wissen wir längst, wie es herauskam. Sowohl die UBS, die HSBC wie zahlreiche andere Institute mussten zum Teil mithilfe der Steuerzahler und über Kapitalerhöhungen gerettet werden. Und die Aktienmärkte starteten schon ab Anfang Juni 2007 im Zuge der Subprime-Krise einen 22 Monate dauernden Niedergang. Die Aktie der UBS fiel im Frühjahr 2009 auf ein Rekordtief von 8,20 Franken, ein Verlust von fast 90 Prozent gegenüber dem Sommer 2007. Seither dümpelt der Titel in einer Bandbreite zwischen 10 und 20 Franken herum. 

Ganz anders der Gesamtmarkt. Der Swiss Market Index startete ab Mitte 2011 nach einem vorübergehenden Rücksetzer eine fulimante Aufholjagd und erreichte 2015 um ein Haar ein neues Rekordhoch. Auch heute fehlen dem Schweizer Leitindex nur wenige Prozente zu den Levels von 2007 und 2015.

Darbende Aktien wie die von der UBS oder auch diejenige der Credit Suisse sind jedoch keine Ausnahme in der Finanzbranche. Die meisten Titel des Bankensektors haben sich seit der Finanzkrise nie mehr richtig erholt. Wie eine Auswertung von cash.ch in diesem Frühjahr zeigte, konnte nur eine von 23 börsenkotierten Schweizer Banken den Gesamtmarkt (Swiss Performance Index) von 2009 bis heute schlagen. Es ist die Vontobel-Gruppe. Doch selbst dieser Aktie fehlt noch einiges zum Preis vom Juni 2007.

Strengere Kapitalanforderungen, mehr Regulierung, anhaltende Bussen, ein völlig anderes Marktumfeld: Die Welt hat sich für die Banken definitiv geändert. Und wer sich auch nach zehn Jahren Underperformance der Grossbanken noch Hoffnungen macht, dass sich die Börsenlage für Institute wie UBS oder Credit Suisse mittel- oder langfristig markant verbessert, wird den Schritt des Staatsfonds von Singapur vor zwei Wochen mit einiger Besorgnis zur Kenntnis genommen haben: Der Fonds, der im Frühjahr 2008 als Retterin bei der UBS eingestiegen war, reduzierte seinen Anteil bei der Grossbank um fast die Hälfte auf 2,7 Prozent und nahm damit Verluste in Milliardenhöhe in Kauf.

Ganz offensichtlich hat der Staatsfonds die Hoffnung auf Kurssteigerungen verloren und sieht das Geld anderswo besser aufgehoben. Und man darf die 2007 geschriebene Empfehlung, wonach Aktien von Grossbanken "in jedes Portefeuille eines gut diversifizierten, international orientierten Anlegers" gehörten, auch im Jahr 10 nach Ausbruch der Finanzkrise getrost in in Frage stellen.