Das Papier gewann zunächst bis zu 4,8 Prozent, am frühen Nachmittag war das mit einem Kursminus von 0,1 Prozent aber wieder dahin. Analyst Philippe Houchois von der US-Investmentbank Jefferies attestierte den Stuttgartern allerdings besser als erwartet ausgefallene Profitabilität im operativen Geschäft.
Entwarnung bedeutet das Gewinnplus im Halbjahr aber keinesfalls. Der Zuwachs geht zu einem grossen Teil auf den Wegfall von Sonderkosten - unter anderem für die Korrektur bei der E-Auto-Strategie und den Konzernumbau - zurück. In Summe waren das im ersten Halbjahr 2025 rund 800 Millionen Euro. Das Konzernergebnis war damals unter anderem aus diesem Grund von 2,15 Milliarden auf gut 718 Millionen Euro abgesackt (minus 71 Prozent).
Im ersten Halbjahr 2026 lagen die Kosten für die strategische Neuaufstellung der VW -Tochter demnach bei rund 400 Millionen Euro. Diese seien allerdings grossteils durch Verhandlungen mit Lieferanten kompensiert worden. «Diese ermöglichten Auflösungen von im Vorjahr im Kontext der Anpassung der Produktstrategie gebildeten Rückstellungen in Höhe von rund 300 Millionen Euro». Übrig blieb eine Belastung von rund 100 Millionen Euro. Das heisst: Ohne die aufgelösten Rücklagen stünde Porsche nicht viel besser da als im Vorjahr.
Finanzvorstand: Zahlen im Rahmen der Erwartung
Die Zahlen liegen Finanzvorstand Jochen Breckner zufolge im Rahmen der eigenen Erwartungen. Das Kostenmanagement zeige erste positive Effekte, teilte er mit. Trotz eines weiterhin herausfordernden Marktumfelds bestätige man die Jahresprognose. Die Ziele sind aber verhalten. Die Porsche-Führung peilt einen Umsatz von rund 35 bis 36 Milliarden Euro an. Davon soll auch wieder mehr operativer Gewinn übrig bleiben als im Vorjahr.
Der Umsatz der Zuffenhausener sank im ersten Halbjahr um gut fünf Prozent auf rund 17,23 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stieg hingegen um ein Drittel auf fast 1,35 Milliarden Euro. Porsche steckt aktuell in der schwersten Krise seit Jahren. Hauptursachen sind das kriselnde China-Geschäft, die US-Zölle und die geringere Nachfrage nach E-Modellen. Die Konzernmutter Volkswagen hatte bereits vor dem Wochenende die wesentlichen Zahlen aus dem operativen Geschäft ihrer Stuttgarter Tochter öffentlich gemacht.
Verkaufszahlen im Sinkflug
Wie tiefgreifend das Problem ist, zeigt ein Blick auf die Verkaufszahlen: Bereits 2025 sackte der Absatz um ein Zehntel ab - und lag mit 279.400 Fahrzeugen auf dem niedrigsten Stand seit dem Corona-Jahr 2020. Ein Trend, der sich in diesem Jahr bislang fortgesetzt und sogar verstärkt hat. Besonders dramatisch war die Situation in China. In der Volksrepublik haben sich die Verkaufszahlen zwischen 2021 und 2025 mehr als halbiert. Schnelle Besserung ist nicht in Sicht: Auch 2027 erwartet Breckner sinkende Absatzzahlen.
Das passt nicht zu den übergrossen Strukturen der Schwaben: Geplant war das Fertigungsnetz einmal für 350.000 Fahrzeuge pro Jahr. Aktuell sind die Werke wegen der schwächelnden Nachfrage daher alles andere als ausgelastet - viele Kosten laufen aber wie gewohnt weiter. Die Devise des Managements lautet daher: Porsche muss kleiner werden. Ausserdem will der Konzern wieder mehr Autos mit Verbrennungsmotor entwickeln und produzieren.
Dem seit Jahresbeginn amtierenden Porsche-Chef schwebt eine schlankere Sportwagenschmiede vor, die auch mit weniger verkauften Fahrzeugen satte Gewinne einfahren kann. Das aktuelle Zielbild liege weit unter dem alten Wert von 350.000 Fahrzeugen, sagte Leiters. Seine Strategie will er Anfang Oktober bei einem Kapitalmarkttag vorstellen.
Stellenabbau kostet Hunderte Millionen
Das zeigt auch das von Management und Gesamtbetriebsrat ausgehandelte Sparpaket, das am Montag vorgestellt wurde. Bis 2035 sollen in der Region Stuttgart weitere 5.000 Stellen abgebaut werden. Im Gegenzug verlängert Porsche die Standortsicherung. Betriebsbedingte Kündigungen sind dadurch bis Ende 2035 ausgeschlossen. Zudem investiert der Konzern 2,1 Milliarden Euro in das Stammwerk Zuffenhausen und das nahe Entwicklungszentrum in Weissach bei Stuttgart. Diese werden unter anderem durch Einschnitte bei Tariferhöhungen und Kürzungen beim Weihnachtsgeld finanziert.
Der Stellenabbau kommt den Hersteller zunächst teuer zu stehen - dürfte sich langfristig aber rechnen. In der zweiten Jahreshälfte und im kommenden Jahr erwartet Finanzchef Breckner Sonderkosten im dreistelligen Millionenbereich. Insgesamt aber weniger als eine Milliarde Euro. «Die Belastungen beziehen sich im Wesentlichen auf den sozialverträglichen Abbau der Stellen», sagte er
Langfristig sieht Breckner durch den Stellenabbau ein jährliches Sparpotenzial im mittleren dreistelligen Millionenbereich pro Jahr. Bis 2035 geht es demnach um mehrere Milliarden Euro. Erste Effekte seien aber erst 2028 zu erwarten.
Sparrunde folgt auf Sparrunde
Es ist nicht das erste Mal, dass Porsche den Rotstift ansetzt. Bereits im Februar 2025 war der Abbau von rund 1.900 Stellen in der Region Stuttgart bis 2029 vereinbart worden. Zusätzlich liefen unter anderem 2.000 befristete Verträge aus. In Summe streicht Porsche in den nächsten Jahren dort mehr als jede dritte Stelle. Auch im Leipziger Werk wurden bereits Jobs gestrichen./jwe/men
(AWP)
