SNB: Bei der Einstufung einer Bank soll laut dem Chef der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Thomas Jordan, künftig die Marktperspektive mehr Gewicht erhalten. Denn sie berücksichtige die künftige Profitabilität, sagte Jordan im Interview mit der "SonntagsZeitung". Der Fall der Credit Suisse (CS) hat gemäss Jordan gezeigt: Die Bewertung der Kapitalisierung durch den Markt wich vom regulatorisch ausgewiesenen Kapital stark ab. "Der Börsenwert der CS war viel tiefer als der Buchwert", sagte Jordan. Die "Too big to fail"-Regulierung solle zudem die Geschwindigkeit der Geldabflüsse berücksichtigen. So sollen künftig Bankeinlagen nicht alle fast zeitgleich abgezogen werden können. "Ein wesentlicher Teil der Depositen bei Banken sollte künftig mit Kündigungsfristen versehen oder auf Termin gehalten werden", forderte Jordan. (SoZ S. 1, 19, 21)
CREDIT SUISSE I: Bei der Credit Suisse ist laut dem Portal "Inside-Paradeplatz" das halbe Team in London zur Konkurrenz abgewandert. Darunter sei auch der Chef UK, Christian Berchem. Angeheuert hätten die bisherigen CS-Mitarbeiter auch bei Schweizer Finanzdienstleistern wie EFG oder Pictet. "Zusammen mit bereits zuvor im 2023 erfolgten Kündigungen ist damit nahezu die Hälfte der 35 Leute der CS der Marktregion United Kingdom auf und davon", schrieb "Inside-Paradeplatz" am Samstag. Auch in Israel würden CS-Mitarbeiter zur Konkurrenz wechseln.
SCHWEIZ-EU: Die Pharmabranche hat wegen eines möglichen Binnenmarktabkommens Skepsis betreffend den Verhandlungen der Schweiz mit der EU geäussert. "Für uns hat das Thema das Potenzial, die dringend nötige Stabilisierung des bilateralen Verhältnisses weiter zu zerstören", sagte der Direktor des Branchenverbands Interpharma René Buholzer zu CH Media. Ein Binnenmarktabkommen im Gesundheitsbereich könnte die Patientenmobilität, Spitäler und Pharmaunternehmen betreffen. Bisher sei die Rede von einem Koordinationsabkommen gewesen. In Bern kursiere die These, dass der Bundesrat die Wahlen abwarte, bevor er handfeste Beschlüsse fasse, schrieb die "Neue Zürcher Zeitung". ("Schweiz am Wochenende" S. 7 und "Neue Zürcher Zeitung" S. 10)
GLOBETROTTER: Beim Reiseveranstalter Globetrotter geht die Erholung nach der Pandemie weiter. "Wir erwirtschaften zurzeit 92 Prozent des Umsatzes, den wir 2019 erreicht haben", sagte Firmenchef André Lüthi in einem Interview mit der "SonntagsZeitung". "Die Wachstumsraten im ersten Quartal des laufenden Jahres sind richtig gut, stagnieren aber seit April. Der Boom dürfte sich demnach im zweiten Quartal etwas abschwächen", sagte Lüthi. 2019 hatte Globetrotter noch einen Umsatz in der Höhe von 242 Millionen Franken erzielt. (SoZ S. 42f.)
ESG: Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma geht gegen Greenwashing vor. Sie hat seit 2021 insgesamt 18 sogenannte Vor-Ort-Kontrollen bei Fondsgesellschaften und Vermögensverwaltern durchgeführt, wie der "SonntagsBlick" schreibt. Im Jahr 2023 hat die Behörde erstmals auch sogenannte Point-of-Sale-Kontrollen durchgeführt. Es sei 2023 bisher zu drei Kontrollen an solchen Kundenberatungsstellen gekommen, hiess es. Die Finma führte über 40 Fondsanalysen durch, teilweise aufgrund von Hinweisen aus der Presse. Zudem prüfe sie die Nachhaltigkeitsberichte aller Schweizer Immobilienfonds. Ob und welche Sanktionen sie verhängt hat, ist nicht bekannt. ("SonntagsBlick" S.35)
STEUERN: Eine Reihe von Kantonen begünstigen laut der "NZZ am Sonntag" die Hauseigentümer bei den Steuern. So setze etwa der Kanton Zug den Steuerwert der Immobilien deutlich unter dem Marktwert an. Damit sinke die Steuerlast für die Besitzer erheblich. Auch in anderen Kantonen würden die Steuerbehörden den Wert der Immobilien deutlich zu tief einschätzen, womit sie die immensen Wertsteigerungen der letzten Jahre ignorierten, schreibt die NZZaS. So habe Zürich die steuerliche Einschätzung der Liegenschaften im Jahr 2009 letztmals aktualisiert, obwohl diese Praxis den gesetzlichen Vorgaben widerspreche. Diese legten fest, dass sich die Schätzung am aktuellen Verkehrswert orientieren müsse. ("NZZ am Sonntag" S. 29)
PLASTIKMÜLL: Obwohl die Schweiz zu den grössten Verursachern von Kunststoffabfall gehört, ist das nach Ansicht des Umwelttechnikprofessors Rainer Bunge kein Problem. In der Schweiz bringe der Verzicht auf Gabeln und Strohhalme aus Plastik nicht viel, weil hierzulande die Abfallbewirtschaftung funktioniere, sagte der Professor im Gespräch mit der "SonntagsZeitung". Der Inhalt sei aus ökologischer Sicht viel relevanter als die Verpackung. "Ein einziges Grillsteak weniger zu essen, bringt etwa gleich viel, wie ein Jahr lang Plastik zu recyclen." (SoZ S. 39f.)
UNTERNEHMEN: Unternehmen färben in diesem Jahr weniger oft ihr Logo in Regenbogenfarben als früher. Viele Firmen würden dieses Jahr auf ein öffentliches Zeichen verzichten, schreibt die "NZZ am Sonntag". Laut Werbeexperten komme die Zurückhaltung daher, dass die Unternehmen Angst davor hätten in die Geschlechterdebatte hineingezogen zu werden, die in den USA die Gesellschaft zunehmend spalte, und auch bei uns zu beobachten sei. Die Konzerne würden sich bewusst zurückhalten, um nicht zur Zielscheibe der einen oder anderen Gruppe zu werden. Wenn eine Firma einmal in die Geschlechterdebatte hineingezogen worden sei, habe die Kommunikationsabteilung keine Chance mehr, dies zu kontrollieren, sagt ein Experte: "Die sozialen Netzwerke sind gnadenlos. Es ist nachvollziehbar, dass Firmen vorsichtiger werden." (NZZaS S. 27)
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