Die Schweizer Uhrenhersteller sehen sich seit Corona praktisch einer Dauerkrise ausgesetzt: Auf die Pandemie folgten der Ukraine-Krieg, eine europäische Energiekrise, der Gaza-Konflikt, die US-Zölle und nun der Nahost-Konflikt. «Nichts ist mehr vorhersehbar wie noch vor fünf oder zehn Jahren», heisst es unter den Unternehmenschefs an der «Watches and Wonders».

Der «Cocktail aus Herausforderungen» setze sich aktuell aus dem Iran-Krieg, den US-Zöllen sowie dem starken Schweizer Franken und hohen Goldpreisen zusammen, sagte Yves Bugmann, Präsident des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH), im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP.

Bestellungen einholen und Networking

Doch kaum einer jammert, und der Nahost-Konflikt ist kein grosses Gesprächsthema an der Messe. Es bleibe einem doch nichts anderes übrig, als sich auf sich selbst und die eigenen Produkte zu konzentrieren und nach Opportunitäten zu suchen, sagen die Chefs diverser Uhrenmarken einhellig. Um krisenresistent zu bleiben, sei eine Diversifizierung nach Segmenten und nach Regionen enorm wichtig.

Nach langer Vorbereitung sind die Uhrenhersteller vor allem an der «Watches and Wonders» in Genf, um ihre Neuheiten zu präsentieren, Uhren zu verkaufen, Kunden und Partner zu treffen sowie sich auszutauschen. Für viele der Unternehmen ist es das Highlight des Jahres: Es ist ein wichtiger Test, wie eine neue Kollektion ankommt, aber auch eine gute Gelegenheit für die globalen Teams eines Unternehmens, sich persönlich zu treffen.

Dennoch bleiben auch politische Statements nicht aus. Dabei hat sich die Frankenstärke ganz klar als das Thema herauskristallisiert, das die Branche mit Blick auf ihr Geschäft am meisten umtreibt. Breitling-Chef Georges Kern nutzte die Gelegenheit, klare Forderungen an die Schweizerische Nationalbank (SNB) zu stellen: Diese solle doch bitte gegen den starken Franken intervenieren und ausserdem einen Staatsfonds aufbauen.

Besucherrekord erwartet

Es hat sich in diesem Frühjahr 2026 einmal mehr gezeigt, wie wichtig physische Zusammenkünfte - trotz fortschreitender Digitalisierung und in der Post-Corona-Zeit - für die Branche sind. Die Veranstalter rechnen für die diesjährige Ausgabe der «Watches and Wonders», die am Dienstag gestartet ist und noch bis kommenden Montag läuft, mit insgesamt um die 60'000 Besucherinnen und Besuchern und damit noch einmal mehr als im Vorjahr.

Und auch die Zahl der Aussteller ist auf 65 Marken weiter gewachsen. Prominenter Neuzugang ist Audemars Piguet - die älteste Uhrenmanufaktur der Welt, die sich noch immer im Besitz ihrer Gründerfamilien befindet.

Zu den etablierten Zugpferden der Messe zählen derweil die Branchenschwergewichte Rolex, Patek Philippe sowie zahlreiche Richemont-Häuser wie Cartier, Piaget oder IWC. Die Swatch-Marken wie Omega, Breguet und Longines nehmen hingegen nicht teil.

ys/ls

(AWP)