Gespart werden soll zudem unter anderem an Mitteln für die Wettbewerbsfähigkeit und die Verteidigung Europas - und kaum an Geld für Landwirtschaft und Strukturförderung in den Mitgliedstaaten. Zypern hat noch bis Ende des Monats den rotierenden Vorsitz der EU-Länder inne und ist dafür zuständig, die Verhandlungen für den neuen Haushalt von 2028 bis 2034 voranzutreiben.

Der Vorschlag mache nicht alle glücklich, sagte die stellvertretende Ministerin für europäische Angelegenheiten, Marilena Raouna, in Brüssel. Aber es sei ein ausgewogener Kompromiss. Man habe mit allen Mitgliedstaaten gesprochen und dabei Positionen, Prioritäten und rote Linien aller berücksichtigt.

Deutschland wies Kommissionsvorschlag klar zurück

Im Juli vergangenen Jahres hatte die EU-Kommission unter Leitung der Deutschen Ursula von der Leyen einen Haushalt von inflationsbereinigt (zu Preisen von 2025) rund 1,76 Billionen Euro vorgeschlagen und dafür heftige Kritik aus Deutschland geerntet.

In Zeiten, in denen sich fast alle Mitgliedstaaten zu Hause stark bemühten, Geld zu sparen, passten solche Summen nicht, wies etwa Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) den Vorschlag zurück. Gleichzeitig macht sich Berlin dafür stark, nicht bei den Mitteln für Verteidigung und Wettbewerbsfähigkeit zu kürzen.

Neuer Vorschlag: Gelder für Regionen kaum unangetastet

Die Ratspräsidentschaft schlägt nun eine nach eigenen Angaben «moderate Gesamtkürzung» von knapp zwei Prozent gegenüber dem Vorschlag der Europäischen Kommission vor - das entspricht rund 32,8 Milliarden Euro. Gekürzt werden soll demnach um rund 20 Milliarden Euro bei Mitteln für den Binnenmarkt und um rund 7,5 Milliarden Euro etwa bei den Ausgaben der Aussenpolitik der EU. Mittel für die Regionen und die Landwirtschaft in den Mitgliedsländern soll es nach Vorstellung der Zyprer kaum weniger geben. Beide Posten machen zusammen den mit grossem Abstand grössten Teil des Budgets aus.

Der Vorschlag der Zyprer dürfte in vielen Mitgliedsländern, die unter dem Strich mehr Geld empfangen als sie zum Haushalt beitragen, sogenannte Nettoempfänger, als Erfolg gewertet werden. Bei den Ländern, die mehr einzahlen, neben Deutschland beispielsweise die Niederlande oder die nordeuropäischen Länder, dürfte er nicht auf Begeisterung stossen.

Niederländischer Finanzminister: «Inakzeptabel»

Der niederländische Finanzminister Eelco Heinen nannte das Papier eine inakzeptable Verhandlungsgrundlage. Sie sei nicht finanzierbar, unausgewogen und setze die falschen Schwerpunkte. «Das Gesamtvolumen bleibt viel zu hoch - zu einem Zeitpunkt, an dem der finanzielle Spielraum in ganz Europa begrenzt ist und schwierige Entscheidungen unvermeidlich sind», teilte er mit. Der Vorschlag finanziere die Prioritäten von gestern auf Kosten der Herausforderungen von morgen. «Er zeigt genau, wie man nicht vorgehen sollte.»

Der EU-Haushalt ist eines der politisch sensibelsten Themen in Brüssel. Er wird für sieben Jahre festgelegt und überwiegend aus einem Anteil des Bruttonationaleinkommens (BNE) der Mitgliedstaaten finanziert. Dazu kommen Eigenmittel als Einnahmequelle, die direkt nach Brüssel fliessen - etwa Zölle auf Einfuhren aus dem aussereuropäischen Ausland. Auch über sie wird noch diskutiert. Deutschland trägt als grösste Volkswirtschaft der EU den mit Abstand grössten Teil zum Budget bei, profitiert aber auch stark vom Binnenmarkt.

Bei einem Gipfeltreffen Ende kommender Woche in Brüssel soll die Debatte von Bundeskanzler Merz und den anderen Staats- und Regierungschefs um das Budget weitergehen. Der zypriotische Vorschlag gilt als Verhandlungsgrundlage. Die Verhandlungen zum Haushalt sowohl unter den EU-Staaten als auch mit dem EU-Parlament dürften lang und hart werden. Ziel ist es derzeit, sich bis Jahresende auf einen Haushalt zu verständigen./rdz/DP/men

(AWP)